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Führungskräftetraining : Von Lamas lernen

  • -Aktualisiert am

Lamas folgen nur einem Anführer, den sie akzeptieren Bild: Archiv

Da helfen weder Druck noch Schmeicheleien: Herdentiere suchen sich ihre Anführer selbst aus. Das ist bei Lamas nicht anders als im Berufsalltag.

          So eine richtige Vorstellung hatte Johannes Kaschitz, wirtschaftlicher Mitarbeiter der Magistratsdirektion im österreichischen Klagenfurt, nicht, als er sich für das Führungskräftetraining „Lamatrekking“ anmeldete. Spannend fand er zunächst nur die Idee, dabei mit Tieren und in der Natur zu arbeiten. Und sehr viel konkreter - was Lamas und Führung betrifft - ist seine Vorstellung auch nicht, als er einige Wochen später nach zwei Stunden Theorie mit Manfred Wagner, dem Inhaber der Salzburger Trainingsinstituts ICH-Training, am Lamagehege in Dellach im österreichischen Gailtal steht. Der Personaltrainer diskutierte mit den Teilnehmern zunächst die eigenen Fähigkeiten und ließ sie dann sich selbst als ideale Führungskraft erfinden. Was möchte und was muss man am eigenen Führungsverhalten verändern, lautete die Frage.

          Mit dieser Frage im Hinterkopf geht es jetzt daran, das Tier auszuwählen, mit dem man die Tour machen möchte. Jeder Teilnehmer wird ein eigenes Lama führen. Wie das - zumindest theoretisch - geht, zeigt Trekführer Johann Kanzian. Er beschäftigt sich seit 2002 mit der Haltung von Lamas und bietet Touren unterschiedlicher Art an. Für Urlauber der umliegenden Hotels oder Vereine ebenso wie für verhaltensauffällige Kinder, die mit Hilfe der Tiere therapiert werden. Auf acht Wallache ist die Herde inzwischen angewachsen, sechs davon haben für den heutigen Tag einen neuen Führer.

          Die Hälfte der Mannschaft bockt

          Der Anfang scheint einfach. Nur eine kurze Strecke zu einem kleinen Berggehöft, damit sich Lama und Führer aneinander gewöhnen. Danach geht es über einen kleinen Geschicklichkeitsparcours, und schon hier spüren die Teilnehmer, was es heißt, (ein Lama) zu führen. Balou, der vierjährige Wallach, den Teilnehmer Kaschitz gewählt hat, verweigert sich schlicht, mit seinem neuen Führer einen Folientunnel zu durchqueren. Und er ist nicht der Einzige. Die Hälfte der Mannschaft mag ihrer Führungskraft nicht folgen. Eine Situation, die allen Teilnehmern auch im Alltag nicht fremd ist.

          Gemeinsam den Weg finden: nicht immer einfach Bilderstrecke

          Lamas, erklärt Kanzian, eignen sich deswegen so gut für Führungskräftetrainings, weil sie Herden- und Fluchttiere sind. Das heißt, dass sie sich überhaupt nur dann auf einen gemeinsamen Weg einlassen, wenn sie den Menschen als Führer anerkennen und Vertrauen zu ihm haben. Aber: „Mit Dominanz oder Druck geht gar nichts.“ Für viele Führungskräfte zwar nicht unbedingt eine neue, aber mitten in der Natur doch eine unmittelbare Erkenntnis. Das erlebt auch Silke Philipp-Odermatt immer wieder. „Denn ein Lama verweigert sich nicht still, es bleibt einfach stehen oder geht andere Wege.“ Die ausgebildete Psychologin bietet seit 2005 im hessischen Alsfeld-Lingelbach Lama-Seminare an.

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