18.06.2012 · Immer mehr weibliche Absolventen, immer mehr weibliche Doktoranden. Nur bei den Professoren hakt es noch. Doch auch hier gehen die Zahlen ganz langsam nach oben: Einer neuen Statistik zufolge ist jede fünfte Professur mittlerweile weiblich besetzt.
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Genderpolitik reproduziert Geschlechtertrennung
Ich kenne kaum einen männlichen Privatdozenten, der nicht im Lauf
seiner Berufungsphase einen veritablen Hass auf die Praktiken der
Frauenförderung erworben haben. In meinem Fach gibt es schlicht zu
wenig weibliche Habilitierte. Also werden - ganz unabhängig von der
Qualität - die selben "Ladenhüterinnen" zu jedem
Vorsingen eingeladen. Manches Mal macht das Gerücht die Runde, die
Universitätsleitung wolle unbedingt den Anteil an Professorinnen
erhöhen. Hier und da ist sogar etwas dran.
Weil jeder weiss, dass Geschlecht ein wichtiger Faktor bei den
Einladungen zum Bewerbungsvortrag ist, wird hier stets genau beobachtet.
Dies führt dazu, dass die Geschlechterfrage stets in den
Köpfen präsent ist. Statt Schwellen abzubauen, werden sie
zementiert und sogar erhöht. Denn wer einmal einer tollwütigen
Frauenbeauftragten gegenüber saß, der wird sich denken: Wenn
ich am Drücker bin, dann läuft das ganz anders! Damit werden
die berüchtigten Männernetzwerke stabilisiert.
"Ihr Anteil unter den Doktoranden beträgt 40 Prozent. Erst
unter den Habilitanden wird der Frauenanteil dann beträchtlich kleiner."
Zunächst einmal sind derartige, ständig wiederholte
Statistiken völlig wertlos, weil sie überhaupt nicht
berücksichtigen, dass es in vielen Fächern zwar sehr hohe
Studentenzahlen, aber vergleichsweise wenige Professorenstellen gibt.
Gerade die vorwiegend von Frauen frequentierten Geisteswissenschaften
gehören dazu und würde man die Zahlen bereinigt auf die
einzelnen Fakultäten umlegen, würde bereits ein großer
Teil dieses angeblichen Gendergaps verschwinden. Oder sollen aus der
hohen Zahl weiblicher Romanistikstudentinnen Ansprüche auf
hinreichend viele von Frauen besetzte Informatikprofessuren abgeleitet
werden ? Ich glaube, das gibt wohl eher wenig Sinn. Oftmals sind es ja
auch die rein persönlichen Lebensplanungen, und wenn Männer
eher bereit sind, den beschwerlichen Weg zu einer Professur zu
riskieren, sollten wir ihnen für ihren Ehrgeiz dankbar sein.
Harte Fakten...
...schätze ich durchaus, deshalb habe ich auch detailliert argumentiert. In Ihrer Antwort kann ich hingegen keine Sachargumente erkennen. Aber Sie können gerne Stellung beziehen - weshalb meinen Sie die Professorenzahlen mit den *aktuellen* Studentenzahlen korrelieren zu können, obwohl diese über die Jahrzehnte hinweg, als die gegenwärtige Professorenschaft berufen wurde, in dieser Form überhaupt gar nicht bestanden haben ? Wieso beziehen Sie sich nicht vielmehr auf den Geschlechteranteil unter den aktuellen Berufungen ? Und auch diese kann man nur sehr begrenzt heranziehen, da jetzt berufene Professoren vor vielleicht zehn oder mehr Jahren studiert haben. Derartige Korrelationen sind also nur sehr eingeschränkt brauchbar.
Denkfehler
Wenn harte Fakten und Zahlen für Sie "Denkfehler" sind...
Kleine Korrektur
Und auch dieser typische Denkfehler zeigt deutlich, wie leicht man zu unsinnigen Folgerungen kommen kann, wenn man nicht genau nachdenkt. Der Geschlechteranteil unter der Professorenschaft steht ja in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Studentenzahlen, sondern bestenfalls mit denen über die letzten Jahrzehnte hinweg, viele Professoren sind ja schon vor Jahrzehnten berufen worden. Wenn überhaupt, müsste man den Geschlechteranteil unter den Neuberufungen betrachten, aber auch diese, bessere Betrachtungsweise, greift viel zu kurz und kann nicht einfach mit Studentenzahlen korreliert werden, denn es haben nun einmal nicht alle Menschen die gleichen Lebensplanungen und den gleichen Ehrgeiz. Deshalb noch einmal meinen ausdrücklichen Dank an die vielen erfolgreichen, ehrgeizigen Männer, die so viel für unsere Gesellschaft leisten.
kleiner Bericht aus der Nicht-Geisteswissenschaftlichen Praxis
In der Chemie ist es an den Unis Frankfurt, Mainz und München
(meine Studienorte) so wie an allen Unis - Frauenanteil bis Vordiplom
etwa 50%. Professorinnenanteil <10, bei gleichen Leistungen/Noten....
Mann will es halt nicht sehen.
Die in diesem Artikel zitierten Erkenntnisse von CEWS/GESIS sprechen
aber auch nur strukturelle Probleme an, die jeden in der
Wissenschaftslaufbahn betreffen. Probleme, die auf Diskriminierung von
Wissenschaftlerinnen hinweisen werden gar nicht genannt!
Das heißt zum einen, dass die prekäre Situation von
Doktoranden, Post-doktoranden, Lehrbeauftragen, allen vor der Professur,
dringend in den Fokus rücken sollte anstatt ziemlich einseitig auf
'Geschlechtergerechtigkeit' zu schielen. Warum Frauen aufgrund dieser
Situation eher abspringen, ist eine Frage, die nichts mit Quoten zu tun
hat.
Zum anderen sollte beachtet werden, was der Druck zur Gleichsellung
angesichts dessen bewirken kann. Was, wenn sich wirklich mehr
Männer auf allen Ebenen bewerben? Muss man da gegensteuern ohne das
es Beweise einer Diskriminierung gibt? Werden dann nicht Männer
benachteiligt?
....sagte der langjährige Privatdozent nach der Ablehnung seiner Bewerbung an der Uni mit zu geringer Frauenquote......"wenn ich welche hätte, würde ich Professor"
Antworten (7) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.06.2012 18:57 UhrHaargenau
die grosse Frauen-Verschwörung. Wer hätte noch nicht davon
gehört?
Na wenn es Sie glücklicher macht...
Ich empfehle Ihnen aber, zwecks Bodenhaftung einfach mal in Betracht zu
ziehen dass eventuell nicht alle Frauen völlig unfähig sind,
auch Spitzenpositionen zu besetzen...ich weiss, das ist anstrengender
als an Verschwörungstheorien zu glauben.
Aber es hilft. Probieren Sie es halt mal :-)
Schluß mit der Frauenbevorzugung !
"...dass sich die Damen das nur erlauben können weil Sie das
richtige Geschlecht haben."
Haargenau richtig formuliert. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
Übrigens waren Guttenbergs Popularitätswerte
bekanntermaßen weit besser als die Schavans, geschützt hat
ihn auch das nicht. Der Fall Schavan zeigt nachdrücklich, dass
Frauen sich gegenwärtig buchstäblich alles erlauben
können, während Männer von den Medien politisch zu Tode
gehetzt werden. Der Fall Schavan ist insbesondere deshalb so
unerträglich, weil gerade eine Wissenschaftsministerin, die
Plagiate in ihrer Doktorarbeit zu verantworten hat, ein absolutes Unding
ist. Wenn sie ausdrücklich meinte, sich für ihren Kollegen
Guttenberg schämen zu müssen, MUSS man jetzt die gleichen
Maßstäbe an sie anlegen. Aber die Presse schweigt und
hält still - sie ist ja eine Frau.
Deshalb mein Appell - Schluß mit der Frauenprivilegierung, Frauen
müssen endlich genauso hart beurteilt und kritisiert werden wie Männer.
Ahhhja.
Weil die Umfragewerte für Merkel und Schavan recht gut sind und um
Sie herum Leute diese Damen gar nicht so schlecht finden haben nicht
etwa alle anderen herum eine objektive Sichtweise - nein, Sie, und nur
Sie sehen dass sich die Damen das nur erlauben können weil Sie das
richtige Geschlecht haben. Sozusagen die grosse
Medienfrauenverschwörung. Naja wenn Sie meinen :-)
Blöd nur, dass keine einzige Frau ein DAX-Unternehmen führt.
Das von den Staatspräsidenten weltweit die Frauen an einer Hand
abzählen kann. Das es -zig Studien gibt, die belegen das Frauen
weniger verdienen-bei gleicher Leistung wohlgemerkt...
Da würde ich an Ihrer Stelle Ihre Medienfrauenverschwörung
noch mal prüfen - mit Verlaub, vielleicht existiert diese dann doch
nur in Ihrer Phantasie... ich für meinen Teil habe nicht den
Eindruck, das Merkel mehr geschont würde als Kohl und
Schröder, von Ihren verhassten Medien...
Schlecht gelesen ?
Sie scheinen den Sinn meines Beitrages schlichtweg nicht verstanden zu
haben, Herr Diesing. Nicht *ich* qualifiziere Frau Merkel in ihrer
Eigenschaft als Frau, sondern Medien und öffentliche Meinung
üben, trotz ihrer lausigen Wahlergebnisse, praktisch keinerlei
Kritik an ihr. Wo Männer für ihre Misserfolge den Kopf
hinhalten müssen (z.B. Röttgen, Westerwelle, u.A.), werden
Frauen mit Samthandschuhen angefasst, Merkel ist hierfür das
bekannteste Beispiel. Man könnte z.B. auch auf die
Wissenschaftsministerin Schavan hinweisen, die trotz nachgewiesener
Plagiate in ihrer Doktorarbeit im Amt bleibt, während ihr Kollege
Guttenberg zurücktreten musste (sogar noch, weil Frau Schavan
meinte, sich für ihn fremdschämen zu müssen - unglaublich).
Die Behauptung, Frauen würden härter kritisiert als
Männer, ist ganz offensichtlich eine reine Legende, die
Realität sieht genau umgekehrt aus.
Sehen Sie!
DANKE, Herr Müller.
Sie haben es perfekt gezeigt. Wieso ist das Geschlecht von Frau Merkel
Thema? Wenn sie Herr Merkel wäre, wäre er einfach schlecht. Da
sie aber Frau Merkel ist, ist sie für Sie eine schlechte FRAU.
Besser hätte ich den von mir aufgestellten Satz "Eine Frau
muss MEHR leisten, um im selben Job anerkannt zu werden." gar nicht
beweisen können, also nochmal Danke dafür :-D
Legende
"Eine Frau muss MEHR leisten, um im selben Job anerkannt zu werden."
Genau, das führt uns ja sogar unsere Bundeskanzlerin ständig
vor, die trotz lausigster Wahlergebnisse für die CDU nicht im
Geringsten kritisiert wird und im Amt bleibt, als ob sie der Niedergang
ihrer Partei nichts angehe.
"Kompetenz..."
Es spricht für männliche Arroganz, so einen Stuss zu
erzählen, wie dies Ihr langjähriger Privatdozent tat :-) Wer
gibt schon gerne zu, dass die Kompetenz nicht ausreicht?
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Eine Frau muss MEHR leisten, um im
selben Job anerkannt zu werden. Aber dass muss Mann auch erst mal zugeben....
Eines der Hauptprobleme dürfte sein, dass bis dato niemand ein großes Interesse gezeigt hat, eine Hochschulkarriere neben der Familie möglich zu machen. Abseits der Mainstream-Fächer sucht man offizielle Unterstützung vollkommen vergeblich. De facto ist eine Familie neben der akademischen Karriere zwar nicht unmöglich, aber schwierig. Viele Familien zerbrechen daran. Andererseits leidet der akademische Ruf, auch weil man nur unter Schwierigkeiten auf die bologna-typischen erforderlichen Publikationszahlen kommt.