http://www.faz.net/-gyl-75s30
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.01.2013, 15:28 Uhr

Frauen in der Führungsebene „Überwältigende männliche Dominanz“

Eine frauenfreie Zone seien die Vorstandsetagen deutscher Unternehmen längst nicht mehr, hieß es jüngst in der Debatte über die Frauenquote. Eine neue Studie sagt nun: Vielleicht nicht frauenfrei, aber definitiv sehr frauenarm!

© dpa, Helmut Fricke Weibliche Vorstandsmitglieder: Sie haben es geschafft

Während die „Duden“-Redaktion grübelt, ob der Begriff „Vorständin“ offiziell Einzug in das Rechtschreibewerk finden sollte, lässt eine neue Statistik Zweifel aufkommen, ob dies angesichts der Zahlen tatsächlich Not tut: Der Anteil der Frauen in den Chefetagen der größten deutschen Unternehmen ist 2012 zwar etwas gestiegen, bleibt aber sehr niedrig. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach sind die Vorstandsposten in den 200 größten Firmen zu vier Prozent mit Frauen besetzt. 2011 waren es drei Prozent gewesen.

„Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern“, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst.

Infografik / In Männerhand / Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten © dpa Vergrößern

Überdurchschnittlich viele Frauen finden sich in den Vorständen der 30 größten börsennotierten Konzerne. Hier stieg der Frauenanteil auf 7,8 von 3,7 Prozent. Eine reine Männerdomäne bleibt dagegen der Posten des Vorstandsvorsitzenden. „Schon seit Jahren wird kein einziges Dax-30-Unternehmen von einer Frau geführt, dies hat sich auch 2012 nicht geändert“, hieß es. Stärker vertreten sind Frauen in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Bei den Top-200-Unternehmen waren 12,9 Prozent der Aufsichtsgremien weiblich besetzt, bei den Dax-30 Unternehmen 19,4 Prozent.

Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit Blick auf die Vorstandsfrauen auf Rang 6, knapp über dem Durchschnitt. Die Spitzenreiter sind Norwegen, Finnland, Lettland und Schweden. Ihre Frauenquoten in den Führungsetagen liegen deutlich höher als die deutschen. Norwegen realisierte sogar eine annähernd drei Mal so hohe Quote wie Deutschland.

Um mehr Frauen nach oben zu bringen, plädiert das DIW für eine andere Unternehmenskultur. „Viele Frauen, die in Führungspositionen kommen, treffen auf Standards männlicher Lebensrealitäten wie sehr lange Arbeitszeiten“, sagte Holst. „Mit diesem Pensum können aber weder Frauen noch Männer Familie und Beruf vereinbaren.“

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.net/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Analyse Jetzt kommen die Frauen

Seit Anfang des Jahres gilt die Frauenquote, die Konzerne nominieren eifrig neue Aufsichtsrätinnen. Sogar die Scheichs schicken jetzt eine Frau. Doch hinter vorgehaltener Hand wird mancherorts über Quotilde ordentlich gelästert. Mehr Von Sebastian Balzter

20.05.2016, 05:30 Uhr | Beruf-Chance
Traditioneller Schmuck Langhals-Frauen kehren nach Myanmar zurück

Frauen vom Volk der Kayan aus Myanmar sind jahrelang nach Thailand gegangen, um sich dort mit ihren schweren Messingringen um den Hals als Touristenattraktion durchzuschlagen. Nun, da sich Myanmar öffnet und der Tourismus aufblüht, kehren viele zurück in die Heimat. Mehr

30.04.2016, 17:56 Uhr | Gesellschaft
Wahlanalyse Österreich Männer stimmten für Hofer, Frauen für Van der Bellen

Der endgültige Sieger steht noch nicht fest, es lässt sich aber schon ausmachen, wer für welchen Kandidaten gestimmt hat. Hofers Wähler sind oft männlich und Arbeiter, und sehen sich in ihren Sorgen ernst genommen. Van der Bellen dominiert die Städte. Mehr Von Bernhard Clemm von Hohenberg

23.05.2016, 13:12 Uhr | Politik
Menschenhändler Flüchtlinge im Libanon zur Prostitution gezwungen

Libanesische Sicherheitskräfte haben vor kurzem 75 mehrheitlich syrische Frauen gerettet, die von einem Menschenhändlerring als Zwangsprostituierte ausgebeutet wurden. Seit Beginn des Krieges fallen mehr und mehr syrische Frauen Menschenhändlern zum Opfer. Mehr

05.05.2016, 11:27 Uhr | Gesellschaft
Bamf-Studie Überwiegend jung und männlich

Im Jahr 2015 waren drei Viertel der Asylantragssteller männlich, zwei Drittel waren jünger als 33 Jahre alt. Das geht aus Befragungen des Bundesamts für Migration hervor. Mehr

19.05.2016, 17:44 Uhr | Politik

Neues Start-up Auf der Suche nach dem passenden Schuh

Das Start-up Mifitto vermisst Füße und Schuhe – und empfiehlt dann ein geeignetes Modell. Die Idee hatten die Gründer, weil sie engagierte Väter sind und weil sie etwas störte: Nie passten die Schuhe für ihre Kinder richtig. Mehr Von Christine Scharrenbroch 1 17