http://www.faz.net/-gyl-75s30

Frauen in der Führungsebene : „Überwältigende männliche Dominanz“

  • Aktualisiert am

Sie gehören schon zu den bekannten Gesichtern: Regine Stachelhaus, Christine Hohmann-Dennhardt, Brigitte Ederer und Margret Suckale (v.links) Bild: dpa, Helmut Fricke

Eine frauenfreie Zone seien die Vorstandsetagen deutscher Unternehmen längst nicht mehr, hieß es jüngst in der Debatte über die Frauenquote. Eine neue Studie sagt nun: Vielleicht nicht frauenfrei, aber definitiv sehr frauenarm!

          Während die „Duden“-Redaktion grübelt, ob der Begriff „Vorständin“ offiziell Einzug in das Rechtschreibewerk finden sollte, lässt eine neue Statistik Zweifel aufkommen, ob dies angesichts der Zahlen tatsächlich Not tut: Der Anteil der Frauen in den Chefetagen der größten deutschen Unternehmen ist 2012 zwar etwas gestiegen, bleibt aber sehr niedrig. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach sind die Vorstandsposten in den 200 größten Firmen zu vier Prozent mit Frauen besetzt. 2011 waren es drei Prozent gewesen.

          „Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern“, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst.

          Bild: dpa

          Überdurchschnittlich viele Frauen finden sich in den Vorständen der 30 größten börsennotierten Konzerne. Hier stieg der Frauenanteil auf 7,8 von 3,7 Prozent. Eine reine Männerdomäne bleibt dagegen der Posten des Vorstandsvorsitzenden. „Schon seit Jahren wird kein einziges Dax-30-Unternehmen von einer Frau geführt, dies hat sich auch 2012 nicht geändert“, hieß es. Stärker vertreten sind Frauen in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Bei den Top-200-Unternehmen waren 12,9 Prozent der Aufsichtsgremien weiblich besetzt, bei den Dax-30 Unternehmen 19,4 Prozent.

          Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit Blick auf die Vorstandsfrauen auf Rang 6, knapp über dem Durchschnitt. Die Spitzenreiter sind Norwegen, Finnland, Lettland und Schweden. Ihre Frauenquoten in den Führungsetagen liegen deutlich höher als die deutschen. Norwegen realisierte sogar eine annähernd drei Mal so hohe Quote wie Deutschland.

          Um mehr Frauen nach oben zu bringen, plädiert das DIW für eine andere Unternehmenskultur. „Viele Frauen, die in Führungspositionen kommen, treffen auf Standards männlicher Lebensrealitäten wie sehr lange Arbeitszeiten“, sagte Holst. „Mit diesem Pensum können aber weder Frauen noch Männer Familie und Beruf vereinbaren.“

          Quelle: FAZ.net/Reuters

          Weitere Themen

          Image-Suche im Merkel-Dilemma

          CDU-Kandidat Althusmann : Image-Suche im Merkel-Dilemma

          Patchwork-Vater, Reserve-Offizier, Afrika-Auswanderer: Der CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen hat viele Gesichter. Aber kann Bernd Althusmann das richtige zeigen, um den Abwärtstrend noch umzukehren?

          Topmeldungen

          Monokulturen und der Einsatz von Agrarchemikalien stehen im Verdacht als Auslöser des Insektenschwunds.

          75 Prozent weniger Insekten : „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          Das Insektensterben lässt sich nicht mehr abstreiten. Der oft kritisierte Krefelder Entomologen-Verein hat jetzt in einer Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Welchen Anteil hat die Landwirtschaft, welchen das Klima?
          Im Mittelpunkt des Interesses: Der Parteikongress in Peking lähmt sogar den Straßenverkehr.

          Zurück in die Zukunft : China will wieder mehr Staat

          Auf dem Parteikongress ordnet Xi Jinping seine Prioritäten neu. Mehr Planwirtschaft und Kontrolle sollen China zu neuer Größe führen. Welche Folgen könnte das haben?
          Andrea Nahles und Thomas Oppermann, kurz nachdem sie zu seiner Nachfolgerin gewählt wurde. Oppermann schielt jetzt auf das Amt des Bundestags-Vizepräsidenten – nur ist er da nicht der einzige.

          Neuer Bundestag : Das Postengeschiebe hat begonnen

          Die Nominierung des Kandidaten für die Bundestags-Vizepräsidentschaft bereitet der SPD einige Schwierigkeiten. Währenddessen hält die FDP für den Posten ihrer Partei eine Überraschung bereit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.