Während die „Duden“-Redaktion grübelt, ob der Begriff „Vorständin“ offiziell Einzug in das Rechtschreibewerk finden sollte, lässt eine neue Statistik Zweifel aufkommen, ob dies angesichts der Zahlen tatsächlich Not tut: Der Anteil der Frauen in den Chefetagen der größten deutschen Unternehmen ist 2012 zwar etwas gestiegen, bleibt aber sehr niedrig. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach sind die Vorstandsposten in den 200 größten Firmen zu vier Prozent mit Frauen besetzt. 2011 waren es drei Prozent gewesen.
„Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern“, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst.
Überdurchschnittlich viele Frauen finden sich in den Vorständen der 30 größten börsennotierten Konzerne. Hier stieg der Frauenanteil auf 7,8 von 3,7 Prozent. Eine reine Männerdomäne bleibt dagegen der Posten des Vorstandsvorsitzenden. „Schon seit Jahren wird kein einziges Dax-30-Unternehmen von einer Frau geführt, dies hat sich auch 2012 nicht geändert“, hieß es. Stärker vertreten sind Frauen in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Bei den Top-200-Unternehmen waren 12,9 Prozent der Aufsichtsgremien weiblich besetzt, bei den Dax-30 Unternehmen 19,4 Prozent.
Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit Blick auf die Vorstandsfrauen auf Rang 6, knapp über dem Durchschnitt. Die Spitzenreiter sind Norwegen, Finnland, Lettland und Schweden. Ihre Frauenquoten in den Führungsetagen liegen deutlich höher als die deutschen. Norwegen realisierte sogar eine annähernd drei Mal so hohe Quote wie Deutschland.
Um mehr Frauen nach oben zu bringen, plädiert das DIW für eine andere Unternehmenskultur. „Viele Frauen, die in Führungspositionen kommen, treffen auf Standards männlicher Lebensrealitäten wie sehr lange Arbeitszeiten“, sagte Holst. „Mit diesem Pensum können aber weder Frauen noch Männer Familie und Beruf vereinbaren.“
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