Home
http://www.faz.net/-gyl-145k6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Franka Grasemann Die Staubforscherin

19.10.2009 ·  Staub ist nicht gleich Schmutz - damit die Putzprodukte von Vileda Allergikern den optimalen Nutzen verschaffen, sucht die Chemikerin Franka Grasemann nach der ultimativen Staubrezeptur.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Staub, nicht Schmutz!" Franka Grasemann unterscheidet sehr genau. Schmutz ist banal: Fettspritzer in der Küche oder Kalkflecken am Boden, da weiß man ja schon, wie man ihn wegbekommt, sagt die 31 Jahre alte Chemikerin. Staub dagegen ist komplex, eine Mischung aus gut einem Dutzend Zutaten, die jedes Mal anders ist. Und doch ist es genau das, womit sich Grasemann beschäftigt: Sie ist auf der Suche nach der Rezeptur für den deutschen Durchschnittsstaub. Wofür? Um ihn wieder wegzuwischen. Denn die Wissenschaftlerin arbeitet für Freudenberg, ein Unternehmen, das unter anderem auch die Reinigungsprodukte der Marke Vileda herstellt. Und den Arbeitsauftrag formuliert sie so: "Auf der Suche nach dem Allzwecktuch."

Denn die vielen Komponenten machen die gründliche Entfernung von Hausstaub zu einer echten Tüftelaufgabe: Faserreste lassen sich unter Umständen anders entfernen als Hautschuppen, Haare, Mineralstaub oder Ruß. Für Menschen, die unter einer Hausstauballergie leiden, ist besonders wichtig, dass zum einen die Pollen mit entfernt werden und zum anderen, dass auch die Ausscheidungen von Milben nicht zurückbleiben. Ein Mikrofasertuch, das sich beim reiben an der Oberfläche elektrostatisch auflädt, entfernt zwar Stofffasern ausgezeichnet, hat auf andere Komponenten aber wiederum nur geringe Auswirkungen. Deshalb brauchte man ein Tuch mit "Geckoeffekt", sagt Grasemann. Die Echse könne ihre Fähigkeit, kopfüber an der Decke zu hängen, ja auch quasi an- und ausschalten. Damit die Produktentwickler für Vileda diesem Ziel näherkommen können, brauchen sie konstante Testbedingungen. Der Teststaub aus Bürogebäuden, den es über eine Spezialfirma zu kaufen gibt, schwankt in seiner Zusammensetzung jedoch erheblich, sagt Grasemann. Umso schwieriger seien deshalb Testreihen aus unterschiedlichen Jahren zu vergleichen. Für die Produktentwickler sind aber konstante Versuchsbedingunen von großer Bedeutung. Deshalb wurde im vergangenen Jahr Grasemanns Projekt ins Leben gerufen, mit dem Ziel, den durchschnittlichen deutschen Staubcocktail zu kreieren. Mittlerweile habe sie dessen Geheimnis schon weitestgehend gelüftet. Mehr wolle sie aber nicht preisgeben, sagt Franka Grasemann und lacht. Staub? Für Vileda ein Geschäftsgeheimnis.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen