21.04.2010 · Frank Sandner ist der Fachmann für den so genannten „dreigleisigen Fensterrahmen“. Auf dem ersten Gleis sitzt das Fensterglas, auf dem dritten der Sonnenschutz. Der Clou aber ist das mittlere Gleis: eine Dämmstoffplatte.
Frank Sandners Baby ist aus Kunststoff und Aluminium, bis zu 350 Kilogramm schwer und drei mal sechs Meter groß. Schon seit April 2008 geht er damit schwanger, die Öffentlichkeit hat davon zum ersten Mal auf der Messe Bau 2009 erfahren, und nächstes Jahr soll es in Serie gehen. Eine Prise Vaterstolz schwingt mit, wenn der 28 Jahre alte Ingenieur sagt: „Das ist unser Beitrag zum Ziel der Industriestaaten, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.“
Als „2-Grad-Concept“ vermarktet deshalb der auf Fenster- und Türsysteme spezialisierte Bauzulieferer Schüco den dreigleisigen Fensterrahmen, dessen Prototyp im Technologiezentrum des Unternehmens in Bielefeld steht. Auf dem ersten Gleis sitzt das Fensterglas, auf dem dritten der Sonnenschutz. Der Clou aber ist das mittlere Gleis: eine Dämmstoffplatte, die sich nachts vor das Glas schiebt, um die Wärme im Gebäude zu halten. „Es ist das gute alte Fensterladenprinzip“, beschreibt Frank Sandner die Funktion. „Nur mit moderner Antriebstechnik.“
Für einen Pluspunkt in der Energiebilanz soll auch das bis zu 35 Zentimeter tiefe Rahmenprofil sorgen. Es besteht hauptsächlich aus Kunststoff, dessen Dämmeigenschaften besser sind als die von Aluminium. „Aber die Architekten haben sich an Alu gewöhnt, deshalb besteht die Oberfläche des Rahmens weiterhin aus Aluminium“, erläutert Sandner. Ein niedriger Energieverbrauch sei mit möglichst kleinen Fenstern und einer dicken Dämmung schnell zu erreichen, sagt er. Vor allem für öffentliche Bauten und Bürotürme spielten aber auch gestalterische Fragen eine wichtige Rolle. Beide Aspekte zu vereinbaren, darin liege der Reiz der Aufgabe.
Sie hat Sandner gepackt - obwohl er mit Fenstern eigentlich nichts mehr am Hut haben wollte. Zu viele davon hatte der gebürtige Sachse nach seiner eigenen Meinung schon gebaut, als er sich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden für das Fach Bauingenieurwesen einschrieb: Nach der mittleren Reife hatte er eine Lehre als Glaser absolviert, der Betrieb übernahm ihn - aber Sandner holte das Abitur nach und entschied sich dann für das Studium, um neue Wege zu gehen. Sie führten ihn nach Ostwestfalen. „Es war für den Einstieg hier sicher kein Nachteil, dass ich schon wusste, wie ein Fenster funktioniert“, sagt er bescheiden. Furcht vor einer zu engen Spezialisierung empfinde er nicht. Sein neuer Arbeitgeber sei international im Geschäft, er habe auch schon im Marketing und in der Bauplanung schnuppern können.
Zurzeit lotet Frank Sandner aus, wie sich die Ansprüche von Investoren und Architekten an die Fassadengestaltung technisch realisieren lassen. „Die Investoren haben entdeckt, wie wichtig die Unterhaltskosten eines Gebäudes geworden sind.“ Das Interesse an Fenster und Türen sei dadurch sehr gestiegen. „Denn für den Energieverbrauch sind am Haus traditionell die Öffnungen die wichtigsten Teile.“ Frank Sandners Baby soll daran etwas ändern. „Für ein Bürogebäude lässt sich der Energiebedarf damit um bis zu 80 Prozent senken“, verspricht er.