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Filigranarbeit Falten, schnüren, knoten

 ·  Ob zu Weihnachten, Valentinstag oder Ostern: Bei Douglas werden im Akkord Geschenke verpackt. Ein Selbstversuch auf dem Weg zur perfekten Schleife.

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© dpa Aus Band wird Schleife: Den Verpackerinnen bei Douglas gelingt das „rucki, zucki“.

Niemand sei so tollkühn und unterschätze, was mit Bonbonfarben, Seidenschleifchen und ganz viel Tüll zu tun hat. Das gilt für das klassische Ballett genau so wie für die hohe Kunst der Geschenkverpackung. Wer es versteht, aus glänzendem Papier und knisternder Folie ein Arrangement zu zaubern, das den Liebsten schon beim Überreichen den ersten wonnigen Seufzer entlockt, der wird für immer geliebt. Da ist es fast unerheblich, was später hinter all dem Material zum Vorschein kommt.

Das Auge schenkt mit, wissen auch die Strategen der Parfümeriekette Douglas, die das Geschäft mit der Verpackung hierzulande klar dominieren. Von einer "Douglas-Schleife" wird bisweilen ehrfürchtig gemunkelt. Zu den Stoßzeiten des Schenkens - Weihnachten, Valentinstag, Ostern - lässt Douglas in seinen Filialen im ganzen Land Hunderte von Aushilfen in Verpackungstricks schulen.

Der erste Versuch: eher zum Verstecken als zum Verschenken

"Schüler, Studentinnen, Hausfrauen und Muttis" - laut Luciana Dentico, Verpackungsexpertin bei Douglas auf der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil, sind die Lebensläufe der Anwärterinnen vielfältig. 20 bis 25 Ad-hoc-Kräfte stellt man in der dreistöckigen Filiale zu Weihnachten ein, zehn bis 15 Packwütige sind es an Ostern. Bis sie alle mit dem Schriftzug "Pack-Service" auf ihren Namensschildchen geadelt werden, ist es jedoch ein weiter Weg: Zwei Tage dauert eine Schulung, manche lernen es vielleicht nie.

Es fühlt sich so an wie an der Ballettstange, wenn es Plié heißt und eine Pirouette im Anschluss: Was kinderleicht anmutet, entpuppt sich als Ringen mit der körpereigenen Balance. Bei Douglas ist es der Kampf mit glitschigem Papier, das sich hinterrücks wieder wölbt, obwohl man es doch gerade extra strammgezogen hat, mit Bändern, die den verkrampften Fingern entgleiten, bevor man den Knoten binden konnte. Man arbeite ohne Tesafilm, zwitschert Denticos Kollegin Monika Schmitt. "Das sieht sauberer aus", erklärt sie. Halleluja. Das Produkt des ersten Tesafilmfreien Einwickelns möchte man lieber verstecken als verschenken.

Der zweite Versuch scheitert am Augenmaß

Auch die sagenumwobene "Douglas-Schleife" lässt sich nicht in derselben Windeseile falten, wie es das gleichnamige Video suggerierte, das es im Internet zu sehen gibt. Wahrscheinlich wurde dort mit Zeitraffer gearbeitet. Aber Dentico und Schmitt sind in Echtzeit mindestens genauso flink: Sie fixieren mehrlagiges Band in der Mitte, pulen Schlaufe für Schlaufe heraus und bringen jede davon in Form. Am Ende thront ein Puschel aus Seidenband auf dem eingewickelten Päckchen. Wer daran verzweifelt, wird sofort von den reizenden Damen getröstet. "Nach ein paar Tagen gelingt es rucki, zucki", versichert Schmitt.

Also auf zum zweiten Versuch, irgendwann hat es ja auch mit den Pliés geklappt. Aber Dentico und Schmitt spielen ein perfides Spiel und bauen noch eine Hürde ein: Das Papier ist zwar schon vorgeschnitten, aber man solle bitte nicht zu verschwenderisch damit umgehen. "Auch der Umwelt zuliebe." Bei Douglas auf der Zeil - zugegeben die größte Filiale im Land - werden nach eigenen Angaben im Jahr 4000 Quadratmeter Geschenkpapier verbraucht. Jetzt gilt es, Augenmaß zu zeigen und den richtigen Ausschnitt für das zu verpackende Duschgel auszuwählen. Kurz darauf nimmt man sich vor, sehr bald ein Wahrnehmungstraining zu absolvieren.

Das Finale: verpacken und gleichzeitig den Kunden unterhalten

Wenn es trotzdem stimmt, was die beiden Frauen sagen, und nach ein paar Tagen "rucki zucki" der Zeitpunkt gekommen ist, da die Finger von alleine falten, schnüren und knoten - dann mag das Verpackungsgeschäft ein Paradies sein für die Freunde des freien Gedankenflusses. Fast meditativ könnte es bei Douglas am Tresen zugehen, zumindest, wenn man sich vorstellen kann, zu Popmusik von Rihanna zu meditieren, der Begleitmusik aus den Lautsprechern.

Aber von Meditation keine Spur: "Wir unterhalten uns natürlich mit den Kunden", sagt Dentico fröhlich. "Haben Sie schon eine Douglas-Kundenkarte?", fragt sie dann wie zum Beweis eine Kundin, während sie ein pompöses Ding aus Folie und türkisfarbenem Seidenpapier zusammenbindet, gekrönt von der weltgrößten Douglas-Schleife.

Man traut sich vor lauter Ehrfurcht nicht zu fragen, ob Dentico und Schmitt einst Ballettunterricht genommen haben. Auch wenn der Kausalzusammenhang empirisch erst mäßig belegt ist, kommt man nicht umhin zu glauben: Wer sich bei den Pirouetten immer in die andere Richtung gedreht hat als die restlichen Kinder, der ist auch als "Pack-Service" an der heiligen Douglas-Theke deplaziert.

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