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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Ferienjobs Mehr als Kellnern

 ·  Ferienjobs werden unter Schülern und Studenten beliebter. Aber auch unter Arbeitgebern. Denn sie bieten in Zeiten des Bewerbermangels einen guten Kanal, um Talente für später zu werben.

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Daten über Ferienjobs für Schüler und Studenten? „Gibt es nicht“, so die einhellige Auskunft der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Statistischen Bundesamts. Statistiken seien schwierig, würden Ferienjobs doch in der Regel informell vermittelt, über Bekannte oder persönliches Herumfragen. Das stimmt nur teilweise: Der Autobauer Daimler etwa ist gerade vorgeprescht und hat in einer Mitteilung groß angekündigt, 6500 Ferienbeschäftigte einstellen zu wollen, Bewerbungen sind herzlich willkommen. Die Nachfrage nach Autos sei hoch, der Absatz werde wohl weiter steigen, heißt es dort. „Ferienbeschäftigte unterstützen uns insbesondere während der Urlaubszeit, unsere Fahrzeuge schnellstmöglich an unsere Kunden übergeben zu können“, wird der Personalvorstand Wilfried Porth zitiert.

Doch hinter der schnöden Mitteilung steckt mehr. „Die Unternehmen bekommen gerade zu spüren, dass das Personal knapp wird“, sagt eine BA-Sprecherin. In Zeiten, in denen vielerorts Bewerbermangel herrsche, sei das Werben um Ferienjobber ein weiterer Kanal für Arbeitgeber, um auf sich aufmerksam zu machen. „Eine Ferienbeschäftigung ist oft eine Vorstufe zu einer Ausbildung oder zu einem Arbeitsverhältnis“, sagt die BA-Sprecherin. „Junge Menschen können so in ein Berufsfeld hineinschnuppern und herausfinden, ob sich ihre Wünsche bestätigen oder ob sie eine Karriere in diesem Bereich doch nicht so spannend finden.“

Ähnliches weiß Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer der Beratungsfirma Kienbaum Communications, zu berichten. Auch Bosch habe in den vergangenen Jahren massiv Studenten für Nebenjobs rekrutiert, um Kontakte für später anzubahnen, sagt Bethkenhagen. „Ferienjobs sind längst nicht mehr bloße Lückenfüller, um personalschwache Sommermonate mit billigen Arbeitskräften zu überbrücken. Vielmehr dienen sie zunehmend als Kanal für die Arbeitgeber, um talentierte junge Leute kennenzulernen und zu rekrutieren.“

Auch Schüler und Studenten nutzen Ferienjobs für Berufsvorbereitung

Auch umgekehrt steigt offenbar das Interesse von Schülern und Studenten, eine Ferientätigkeit in genau dem Bereich anzutreten, der auch für eine spätere Karriere in Frage kommt. „Uns erreichen derzeit sehr viele E-Mail-Anfragen von Schülern, die ganz gezielt nach Nebenjobs in Bereichen suchen, in denen sie später arbeiten wollen“, sagt Sascha Ropertz, Geschäftsführer des Internet-Anzeigenportals „schuelerjobs.de“. Früher sei es den Schülern egal gewesen, ob sie Zeitungen austragen, im Büro sitzen oder kellnern - Hauptsache, das Geld stimmte, sagt Ropertz. „Die jetzige Schülergeneration ist aber fleißiger geworden.“ Es herrsche mehr Interesse daran, Berufsfelder und Arbeitgeber schon frühzeitig auszutesten. Das gelte auch für Studenten, glaubt der Kienbaum-Fachmann Erik Bethkenhagen. „Die Zeiten, in denen die Nebenjobs nur ein Broterwerb waren. sind vorbei.“

Insgesamt ist die Zahl der erwerbstätigen Studenten jedenfalls in der jüngeren Vergangenheit nach oben gegangen. Arbeiteten 2006 noch 63 Prozent der Studenten in einem Nebenjob, waren es 2009 schon 69 Prozent. Die Zahlen stammen aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks; aktuellere Erhebungen gibt es nicht. Ob auch bei den Schülern der Erwerbstätigenanteil in den letzten Jahren gestiegen ist, wird nirgendwo erfasst, es gibt nur Anhaltspunkte: Der Betreiber des Anzeigenportals schuelerjobs.de etwa meldet steigende Klickzahlen.

Gerade für Schüler sind in punkto Ferienjob jedoch auch rechtliche Fallstricke zu beachten. „Wer noch nicht volljährig ist, darf nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz nur in bestimmten Zeitfenstern arbeiten“, sagt der Stuttgarter Fachanwalt für Arbeitsrecht, Tilo Neuner-Jehle. Jugendliche ab 15 Jahren dürfen frühestens um sechs Uhr morgens mit der Arbeit beginnen und müssen spätestens um 20 Uhr Feierabend machen. Eine Ausnahme ist die Gastronomie, wo Jugendliche ab 16 Jahren bis 22 Uhr arbeiten dürfen. Auch für die Landwirtschaft und für Bäckereien gibt es Ausnahmeregelungen.

Außerdem ist es verboten, Jugendliche an Stellen zu beschäftigen, an denen ihnen „sittliche Gefahren“ drohen. „Zum Beispiel ist es problematisch, einen unter 18-Jährigen in einem Kino als Platzanweiser zu beschäftigen, wenn Filme gezeigt werden, die erst ab 18 freigegeben sind“, sagt Neuner-Jehle. Auch physische oder psychische Überforderung sei zu vermeiden, etwa Akkordarbeit. Nicht zuletzt: Verträge mit unter 18-Jährigen sind schwebend unwirksam. „Jeder Arbeitgeber, der Minderjährige beschäftigt, sollte sich deshalb zuvor nach der Erlaubnis der Eltern erkundigen“, sagt Neuner-Jehle.

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Jahrgang 1980, Redakteurin in der Wirtschaft.

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