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Kolumne „Expat“ Mittags ein Mistkratzerli

 ·  Die Schweizer schätzen ihren Dialekt. Sie freuen sich, wenn Ausländer ihnen nicht den Wechsel ins Hochdeutsche zumuten. Aus Wörterbüchern können Expats erfahren, dass Frühstück „Zmorge“ heißt und „„Mistkratzerli“ Hähnchen sind.

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Die knapp vierjährige Leandra zeigt hohe Flexibilität. Sie redet Schweizerdeutsch in zwei regionalen Varianten. Sie kann Hochdeutsch von ihren Märchen auf CDs und ihren deutschen Spielkameraden aus der Kita. Vereinzelt mischt sich sogar ein englischer Ausdruck in die Sätze. Wer wie viele und welche Sprachen beherrscht, ist immer wieder ein Thema in der Schweiz. Das kann nicht verwundern. Das kleine Land kennt drei Hauptsprachen, nämlich Deutsch, Französisch und Italienisch. Daneben existiert als vierte Landessprache im Engadin und in einigen anderen Teilen Graubündens Rätoromanisch in zwei Hauptsträngen, das zusätzlich in eine - allerdings ungeliebte - Allgemeinvariante namens „Rumantsch Grischun“ gegossen wurde. Die Schweiz ist nicht nur geographisch, sondern auch sprachlich voller Entdeckungen. Während in Zürich neben „Schwyzerdütsch“ vielfach Hochdeutsch zu hören ist, machen sich in Bern französische Einflüsse stärker bemerkbar. Die Sprachgrenze ist ja nicht weit.

Dessen ungeachtet wird in der Schweiz derzeit engagiert debattiert, wie viele Fremdsprachen in der Grundschule unterrichtet werden sollen, die hier Primarschule heißt und maximal sechs Jahre dauert. Die „Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule“, der 15 der 26 Kantone beigetreten sind, macht folgende Vorgaben: Bis 2015 muss spätestens vom dritten Schuljahr an eine erste und vom fünften Schuljahr an eine zweite Fremdsprache gelehrt werden. Im Fächerkanon steht dabei meist Englisch, aber das Tessin darf stattdessen das Erlernen einer weiteren Landessprache verlangen. Das vereinzelte Grummeln darüber wurde zur Kontroverse, als Beat Zemp, der Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrer, aufmuckte. Viele Primarschüler seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, befand Zemp kurz und bündig. Wer im Grundlagenfach Mathematik glänze, sei noch nicht automatisch ein Ass in Fremdsprachen.

Der rechtskonservativen Partei SVP wäre es sogar am liebsten, würde der Fremdsprachenunterricht ganz aus der Grundschule verbannt. Das wollen die wenigsten. Sie können auf das Sprachengesetz der Schweiz verweisen, das „Kompetenzen in mindestens einer zweiten Landessprache und einer weiteren Fremdsprache“ vorschreibt. Das ist die Crux: Fremdsprachen sind in der Schweiz zugleich Landessprachen und somit ein nationales Bindemittel. Wird nur eine Fremdsprache in der Primarschule gelehrt, könnte rasch das Englische überhandnehmen, befürchten die Befürworter der Zweier-Lösung in der Sprachenfrage.

Der Fremdsprachenunterricht steht nicht allein. In den Kindergärten wird über den Anteil der Mundart gestritten. Die Schweizer schätzen ihren Dialekt. Sie freuen sich, wenn Ausländer ihnen nicht den Wechsel ins Hochdeutsche zumuten. Dies behagt ihnen nämlich bedeutend weniger. Daraus ergibt sich dann auch alle Jahre wieder ein höchst beliebtes Weihnachtsgeschenk für den deutschen Expat. Mit einem der in den Geschäften aufliegenden Wörterbücher macht man sicher keinen Fehler. Da erfahren die Frauen und Männer aus dem Norden, dass Frühstück „Zmorge“ heißt und „Wähen“ flache (Obst-)Kuchen sind. Zwischen den Jahren gibt es vielleicht „Mistkratzerli“ (Hähnchen), oder man kann sich auf „Fleischvögel“ (Rouladen) freuen. Auch die Bahn präsentiert ein sprachliches Geschenk. Ihre „Rail Cities“ werden künftig wieder ganz normale „Bahnhöfe“ sein.

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