26.04.2011 · Die Beliebtheit der Straßenbahnen in der Schweiz war nie grundsätzlich in Gefahr. Insbesondere die Bewohner von Basel schwören auf ihre „Drämmli“. Jetzt planen die Basler sogar einen Brückenschlag über die Grenze.
Von Jürgen DunschDer Reiz der Schweiz liegt auch im Nebeneinander von High-Tech und Idylle begründet. Einerseits beherbergt sie das Europazentrum von Google, andererseits fahren durch viele Städte noch Straßenbahnen. In Genf und Bern sind es relativ moderne Trams, aber in Zürich zum Beispiel steigt man noch oftmals in ältere Exemplare. Wenn sie dann gemütlich durch die Stadt kreisen, entsteht schnell ein Gefühl wohliger Entschleunigung. Wahrscheinlich ist es eine Täuschung, aber in den Trams scheinen selbst Handys weniger in Gebrauch zu sein als an anderen Orten.
Die Beliebtheit der Straßenbahnen in der Schweiz war nie grundsätzlich in Gefahr. Insbesondere die Bewohner von Basel schwören auf ihre „Drämmli“, auch wenn andernorts immer mehr Busse den öffentlichen Nahverkehr übernommen haben. Jetzt planen die Basler sogar einen Brückenschlag über die Grenze. Die Linie 8 soll, von Bahnhof kommend, um knapp drei Kilometer ins badische Weil am Rhein verlängert werden. Den Nutzen werden nicht zuletzt die deutschen Grenzgänger haben, die gerne in der prosperierenden Industrieregion Basel mit ihren hohen Löhnen arbeiten.
Die Streckenverlängerung wird mehr als 100 Millionen Franken oder umgerechnet rund 77 Millionen Euro kosten. Darüber hinaus werden auch in anderen Städten neue Linien gebaut. Der 2008 aufgelegte Investitionsplan der Bundesregierung in Bern für die Schweizer Ballungszentren nennt Projekte in Bern, Genf, Lausanne und Zürich, die ebenfalls jeweils mehrere Dutzend Millionen Franken verschlingen. So feiert die Tram - unter den Eidgenossen übrigens „das Tram“ genannt - als Verkehrsmittel mit eigener Fahrspur eine Renaissance. Aber auch bei den anderen Verkehrsträgern wehrt sich die Schweiz mit hohen Investitionen gegen den drohenden Kollaps. Er droht entlang der Achse zwischen Basel und Genf und trifft gleichermaßen die Autobahnen wie die Bahn. Daneben ist die Autobahn zum Gotthard schon jetzt überlastet. Die Urlauber, die es nach Italien zieht, können ein Lied davon singen. In Zürich wird zurzeit unter dem Stadtzentrum eine völlig neue Bahntrasse gebaut. Außerdem feilt man an den S-Bahn-Linien. Spötter meinen, was noch fehle, sei eine Verlängerung der Strecke Zürich-Weinfelden ins deutsche Konstanz. Schweizer, die mit ihrem starken Franken dort gerne einkaufen, gäbe es genug.
Wieso fahren "noch" Straßenbahnen?
Marvin Parsons (mapar)
- 27.04.2011, 00:09 Uhr
@Marvin Parsons Strassenbahnen und Zukunft ???
Herman Kohlgraf Medeco (SGEagle)
- 29.04.2011, 16:14 Uhr
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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