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Kolumne „Expat“ Etikettenschwindel für Touristen

17.04.2011 ·  Nach Rom kommen die Besucher längst nicht allein wegen Kunst, Kultur und Kirche, sondern gerne auch wegen der echt italienischen Küche. Doch sie laufen vielerorts Gefahr, Importtomaten aus China zu essen mit Billigmozzarella ausländischer Nahrungsmittelkonzerne.

Von Tobias Piller
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Rom ist schon wieder voller Touristen, und für das Wochenende der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai ist unter 1000 Euro kein Hotelzimmer mehr zu finden. Nach Rom kommen die Besucher dabei längst nicht allein wegen Kunst, Kultur und Kirche, gerne auch wegen der italienischen Küche, oder um einmal genüsslich auf einer Piazza Cappuccino zu trinken. Der begeisterte Tourist träumt davon, länger dieses Leben in Rom zu genießen, und freut sich auf ein typisch italienisches Abendessen. Der ernüchterte Ausländer mit Arbeitsplatz in Rom hat keine Zeit für Kaffeestündchen auf der Piazza und belächelt die Naivität des Touristen mit viel Zeit, der nicht weiß, wie schwierig es in Rom sein kann, pünktlich zu Terminen zu kommen.

Richtiges Mitleid gilt dann aber den enthusiastischen Besuchern, die in den Restaurants und Osterias auf der Piazza Navona, am Trevibrunnen oder in Trastevere den Touristenfängern in die Arme laufen und dann „echt italienische Spezialitäten“ bestellen. Schließlich rühmt sich Italien überall für seine Küche und noch mehr für seine Grundprodukte von Tomaten über Mozzarella bis zum Olivenöl. Dort laufen die Touristen jedoch Gefahr, Importtomaten aus China zu essen, mit Billigmozzarella ausländischer Nahrungsmittelkonzerne, garniert mit Olivenöl, das im Tankschiff aus anderen Mittelmeerländern geliefert wurde. Da hilft es auch nicht, dass Italien sich in Brüssel mit großem Eifer seine besonders schmackhaften Produkte mit dem Siegel „DOP“ - denominazione di origine protetta -, geschützte Herkunftsbezeichnung, versehen hat. Mit der speziellen „stacheligen Artischocke aus Sardinien“ gibt es nun 140 solcher geschützter Spezialitäten, von denen aber Touristen zumindest im Zentrum von Rom nicht viel mitbekommen. Denn dort sind die Lokale immer mehr auf gutgläubige Ausländer spezialisiert, die viel Geld für Pseudoitalienisches bezahlen, das in der Küche von Pakistanis zubereitet wird.

Wenigstens an dieser Stelle meinen die erfahreneren Römer, den Touristen mit ihrem beneidenswerten Genuss italienischen Müßiggangs etwas voraus zu haben: Wer sich auskennt, verirrt sich nicht in der Touristenfalle, sondern geht dort essen, wo römische Köche mit Qualität ihre Stammkundschaft halten müssen. Noch größer ist der Genuss schließlich bei der Tour am Wochenende zum Restaurant aus dem „Slowfood“-Führer. Das schafft wenigstens das Gefühl eines kleinen Vorsprungs - wenn man nicht andererseits schon wieder daran denken müsste, wie und wann nächstens eine Wagenladung Kaffee und Kondensmilch in Deutschland beschafft werden kann.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien mit Sitz in Rom.

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