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Kolumne „Expat“ Ein Schriftsteller für mehrere Sprachen

24.11.2011 ·  Wird in der Schweiz ein Literaturpreis verliehen, geht die Diskussion um die vier Sprachen los. Die Viersprachigkeit hält immer mal wieder her für einen ordentlichen, öffentlich ausgetragenen Konflikt.

Von Jürgen Dunsch
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© dpa In der Schweiz hängt der Haussegen schief

Wer sich erstmals mit der Schweiz befasst, stößt rasch auf die Tatsache, dass das kleine Land vier Sprachen kennt. Deutsch in Gestalt des Schwizerdütschen wird am meisten gesprochen. In der Westschweiz einschließlich großer Teile des Wallis herrscht das Französische vor. Die Tessiner sprechen Italienisch, und im Engadin hält sich die rätoromanische Sprache in zwei Hauptdialekten. All dies ist zwar kulturell bereichernd, erschwert aber zuweilen das tägliche Leben, weshalb vielerorts inzwischen sogar Englisch als Sprachenbrücke genutzt wird.

Die Viersprachigkeit der Schweiz hält immer mal wieder her für einen ordentlichen, öffentlich ausgetragenen Konflikt. Derzeit setzt sich der Kulturbetrieb wieder einmal mit ihr auseinander. Das Bundesamt für Kultur plant nämlich einen „Eidgenössischen Literaturpreis“. Für diesen und eine Reihe von anderen Ehrungen auf diesem Feld sollen dafür umgerechnet 660.000 Euro im Jahr bereitgestellt werden. Nicht das Geld und dessen Verteilung auf die geplanten Preise erhitzt die Gemüter, sondern die Frage, wie die Auszeichnung vergeben werden soll. Denn die Vertreter einer jeden Sprache befürchten natürlich, dass gerade die Ihre zu kurz kommen könnte, etwa wenn nicht alle Mitglieder der Jury sich in allen Sprachen auskennen.

Der „Tages-Anzeiger“ in Zürich zitiert den bekannten Schriftsteller Alex Capus mit der Warnung vor einem Proporzdenken und einer „konstruierten Viersprachigkeit“. Für Peter von Matt, der Doyen der Schweizer Germanistik, kann es nur eine Lösung geben: vier Preise für die vier Sprachregionen. Für Reto Finger, den Präsidenten des nationalen Autorenverbands, ist hingegen entscheidend, dass die mit einer Auszeichnung bedachten Werke möglichst rasch übersetzt werden.

Nicht leichter wird die Diskussion dadurch, dass seit 2008 der „Schweizer Buchpreis“ existiert. Er wird vom Veranstalter der Messe „Buch Basel“ und dem Verlegerverband gemeinsam vergeben und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens schon ein beträchtliches Ansehen erworben. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die fünf Finalisten mit kräftiger Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Werke rechnen können. Literatur verbindet sich eben beim Schweizer Buchpreis - im Gegensatz etwa zu dem ein Schattendasein führenden „Großen Schillerpreis“ in der Eidgenossenschaft - mit dem Markt. Und weil das so wunderbar funktioniert, schürt der Preis in weiten Teilen der Schweiz Missmut, denn: Die Auszeichnung ist nur auf die Deutschschweiz beschränkt.

Dies befeuert die Initiatoren einer gesamtschweizerischen Auszeichnung. Eine passgenau zusammengestellte Jury soll allen möglichen Diskriminierungen entgegenwirken. Ein solches Gremium muss allerdings erst noch gefunden werden. Die Mitglieder sollten in der Literaturszene einen guten Ruf haben und zumindest Deutsch, Französisch und Italienisch in etwa gleich gut beherrschen. Das wird nicht einfach werden, aber es ist noch etwas Zeit für die Suche. Der erste Träger des Eidgenössischen Literaturpreises soll im Mai 2013 auf den Solothurner Literaturtagen vorgestellt werden.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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