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Kolumne „Expat“ : Don’t mention the war!

Olympische Sommerspiele: Medaillenausbeute nicht so wichtig - so lange die Deutschen noch schlechter sind. Bild: dpa

Wenn ein Brite merkt, dass vor ihm ein Deutscher steht, dann lobt er erst einmal überschwenglich. Die tollen Autos, BMW, Porsche, die Effizienz, alles funktioniert so gut in Deutschland, die beharrliche Disziplin der Deutschen - und so weiter. Aber dann...

          Es war während der Olympischen Sommerspiele in London: „Gestern ist mir mal wieder klargeworden, dass ich in diesem Land nicht alt werden kann“, sagte Sandra, eine Freundin, die aus Niederbayern stammt und schon fast zehn Jahre in Großbritannien lebt. Sie hatte die tägliche Olympia-Zusammenfassung der BBC geschaut. Die britische Medaillenausbeute sei noch ziemlich bescheiden, hatte der Moderator, der frühere Fußballprofi Gary Lineker, gemeint. „Aber die gute Nachricht ist: Die Deutschen sind noch schlechter.“

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Briten sind höfliche Menschen. Das ist sehr angenehm. Aber die Höflichkeit hat auch eine Kehrseite: Sie macht die Briten zugleich zu Weltmeistern im Heucheln. Was sie wirklich denken, sagen sie selten offen. Wenn ein Brite merkt, dass vor ihm ein Deutscher steht, dann lobt er erst einmal überschwenglich. Die tollen Autos, BMW, Porsche, die Effizienz, alles funktioniert so gut in Deutschland, die beharrliche Disziplin der Deutschen - und so weiter.

          Ein belastetes Verhältnis

          Die unterschwelligen Ressentiments werden nur in sozialen Sonderzonen ausgelebt - wie eben im Sport. Wer als Deutscher in Großbritannien lebt, für den ist auf Dauer unübersehbar, dass viele Briten auch sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein kompliziertes und belastetes Verhältnis zu Deutschland haben. Da ist zum Beispiel der im täglichen Leben allgegenwärtige Nazi-Fimmel der Briten. Man kann das als lustigen Spleen nehmen oder schwer erträglich finden, aber man muss sich damit arrangieren. Es herrscht die ewige Nachkriegszeit. Wer auf der britischen Internetseite des Online-Händlers Amazon unter dem Stichwort „Nazi“ sucht, findet dort 11 400 verschiedene Buchtitel - fünfmal so viele wie auf der deutschen Amazon-Seite.

          Die endgültige Parabel auf die unterdrückte Antipathie der Briten gegenüber den Deutschen hat die betagte Comedy-Serie „Fawlty Towers“ der BBC geliefert. John Cleese spielt einen britischen Hotelier, der eine Gruppe deutscher Touristen beherbergt. Bloß nicht den Krieg erwähnen (“Don’t mention the war!“), schärft er seinen Angestellten ein. Bis er eine Gehirnerschütterung erleidet und es aus ihm herausbricht. Mit ständigen Anspielungen auf Hitler und den Weltkrieg verstört er seine Kundschaft. Deutscher Gast: Warum reden Sie dauernd vom Krieg? Hören Sie auf damit! Hotelier: Sie haben doch damit angefangen. Gast: Habe ich nicht. Hotelier: Ach ja? Wer hat denn Polen überfallen?

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