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Kolumne „Expat“ Der Traum vom Strand

 ·  In Italien ist der Sommer am Meer nie aus der Mode gekommen. Für den Ausländer heißt das: Entweder ein paar ruhige Wochen im leergefegten Rom verbringen. Oder mitfahren - mit einigen Hindernissen.

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Die Jahrzehnte, als die deutschen Familien zum Strandurlaub an die Adria fuhren, liegen eigentlich lange zurück. Wer aber den Sommer der Italiener beobachtet, fühlt sich an alte Zeiten zurückerinnert. Denn in Italien ist der Sommer am Meer nie aus der Mode gekommen. Im Gegenteil, für die Römer aus dem Mittelstand ist die Wohnung oder das Häuschen an einem Badeort im Umkreis von 50 oder maximal 150 Kilometern nicht mehr ein Statussymbol, sondern fast eine Selbstverständlichkeit.

Wer sich nicht das Haus an teuren Orten wie Porto Santo Stefano, Santa Marinella, Fregene, Sabaudia oder Sperlonga leisten kann, der ergattert woanders ein billiges Objekt, und sei es auch weit weg vom Meer und hinter der Eisenbahnlinie. Immer noch wird dem Vorbild der wohlhabenden Italiener vor 50 oder 100 Jahren nachgeeifert, die mit Sack und Pack für drei Monate in die Sommerfrische umzogen, weil es ja in den Städten noch keine Klimaanlagen gab. Und die dreimonatigen Ferien von Mitte Juni bis Mitte September existieren in Italien immer noch.

Ruhe in der Stadt

Für den Ausländer in Rom bietet die sommerliche Auswanderungswelle die willkommene Chance, in einer ruhigeren und weniger chaotischen Stadt zu leben. Wer dagegen den einheimischen Gebräuchen nacheifert und für viel Geld eine Sommerwohnung mietet, findet das womöglich schnell langweilig. Schließlich finden Expats am Strand nicht die Großfamilie, die Nachbarschaft und alte Urlaubsfreunde wieder.

Auch manchen Italienern ist es allerdings nicht genug, nur Strandbräune und neue Mobiltelefone vorzuzeigen. Sie laden sich dann als Unterhalter für einen Abend oder zwei Tage auch ein paar Ausländer ein.

Doch wer gewohnt ist, Urlaub mit Blick auf alle Reiseziele der Welt zu planen, der wird die Welt der römischen Badeorte als ziemlich kleinkariert empfinden. Weil die Besitzer der Häuschen am Meer auf immer gleichen Ort festgenagelt sind, gibt es keinen Grund, die Badestädtchen zu entwickeln und zu verschönern. Wegen der dreimonatigen Saison rentieren sich langfristige Investitionen ohnehin nicht. Und wegen der miserablen Zugverbindungen gibt es auch nicht die Option als Pendler mit dem ganzjährigen Aufenthalt am Meer. Die Italiener pendeln nur am Wochenende. Am vergangenen Sonntag war der Stau von den nördlichen Küstenorten nach Rom 24 Kilometer lang.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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