01.10.2009 · Da sage noch einer, wir lebten in einer globalen Gesellschaft. Meine Tochter, eine englische Schule gewöhnt, besuchte drei Wochen ein Mädchengymnasium in Deutschland - mit erstaunlichen Ergebnissen.
Von Bettina SchulzRichtlinien für Lesermeinungen
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Vereinheitlichte Tastaturen, vereinheitlichte "t-Striche", ....ach du heilige Vereinheitlichung! Ich muss mich den Kritikern an diesem "Elternabend-Beitrag" anschliessen, sowohl was den fuer mich unheimlichen Appell an die Globalisierung als auch was die Unkorrektheit und Verallgemeinerung vieler Aussagen ueber das englische Schulsystem anbetrifft (Schuluniformen, "Zehn-Finger-Blindschreiben an engl. Grundschulen, mehr Disziplin in deutschen Schulen, kein "T-Strich")
Die Idee des "Auslands" an sich sollte doch gleich abgeschafft werden, um anarchistischen "T-Strichen" und Tasturen den Garaus zu machen.
Gruesse aus der schoenen Neuen Welt!
Als Ingenieur kann ich Ihnen Frau Schulz versichern, ist es immer entscheidend eine Aufgabenstellung aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Vereinheitlichung, führt dazu, dass es nur noch einen Weg gibt. Um aber die Herrausforderungen unserer heutigen Zeit zu meistern ist Vielfalt eine wesentliche Vorraussetzung.
Wir können unsere Kinder natürlich in einer rosa roten heilen Welt aufwachsen lassen, in der alles geordnet und gleich ist. Natürlich wissen wir alle, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Schule hat neben der Vermittlung von Wissen als wesentliche Aufgabe das Vorbereiten auf das spätere Leben.
Zur der Schulpolitik von 16 Ländern kann ich nur sagen, sehr gut. Die Konkurrenz verschiedener Wege, die sich auch immer dem gegenseitigen Wettbewerb stellen müssen schafft Fakten. So wird ideologisch motiviert oftmals Ganztagsunterricht und Einheitsschule propagiert. Die Erfahrungen mit der Gesamtschule zeigen, dass die Abiturenten von klassischen Gymnasien klar besser sind. Diese Vergleichsmöglichkeit hätten wir natürlich nicht, wenn deutschlandweit das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft worden wäre.
Was mich beim Thema Vereinheitlichung immer irritiert, ist die Haltung, so wie es zufällig gerade ist, sei es zu befürworten oder abzulehnen. Wie viele Sprachen braucht Europa? So viele wie es gerade hat! Wie viele Tastaturvarianten braucht China? Soviele wie es gerade hat (eine?)! Ist es wirklich völlig gleichgültig welche Zufälle zum Status quo geführt haben oder gibt es rationale Argumente, ob eine, zehn oder hundert Sprachen und Tastaturen für eine bestimmte Anzahl Individuen sinnvoller sind? Das interessiert mich nur philosophisch. Ich bin Lichtjahre davon entfernt, insoweit etwas am Status quo ändern zu wollen. Ich kann mit den vorhandenen Sprachen und Tastaturen prima leben.
So sehr mir der Artikel gefällt, der Vorschlag einer internationalisierten Tastatur ist ein Wunschtraum. Die Englische (UK) und die Deutsche gehen ja noch was die Unterschiede angeht. Nehmen wir nur mal die französische Tastatur ins Blickfeld AZERTY statt QWERTZ oder QWERTY. Dazu kommen dann noch die frnazösischen Sonderzeichen. Spezialwege wie die Kanadisch-Bilinguale Tastatur will ich mal gar nicht erwähnen, bleiben wir in Europa. Die Spanische Tastatur enthält ebenfalls eine Reihe Sonderzeichen, genau wie die Skandinavischen. Kurzum: eine wirklich internationale Tastatur würde die Abschaffung der Sonderzeichen vorraussetzen und das ist dann doch etwas unwahrscheinlich.
..warum nicht wie bei der Polizei / Armee: es gibt einen Fundus von erlaubten Bekleidungsstücken, aus denen man selber wählen kann. Dann kann das Mädchen auch mal Hose tragen oder mal Hemd statt T-Shirt. Das erspart den Eltern viel Geld, ist somit sozialvertäglicher und dieses unsägliche und mehr als dümmliche Markengeprotze der Schüler(familie) wird eingedämmt. Dickes Lob für das Verbot von Piercing, Schminke, Haarfärberei usw.
Intern. harmonisiertes Bildungssystem
Sicherlich wäre ein europaweites einigermaßes vergleichbares Bildungssystem wünschenswert. Aber nach welchem Vorbild. Allein das dt. Bildungssystem ist Ländersache - damit haben wir schon mal fast 16 verschiedene Systeme. Bayern nimmt für sich in Anspruch, das Beste zu haben - Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg auch. Finnland oder Südkorea haben schon tatsächlich welche - aber alle Verantwortlichen sind der Meinung, dass die Systeme nicht zu übernehmen wären. Wir haben die "vereinfachte Ausgangsschrift" und eine Rechtschreibreform - aber wollten wir das? Wir wollten jüngere Abiturienten, aber kein G8, wir wollen nicht, dass unseren Kindern teurer Markenklamotten auf dem Weg zur Schule "abgezogen" werden, aber keiner will eine Schuluniform. Die Schüler sollen länger gemeinsamen Lernen, aber Gesamtschulen will auch keiner.
Solange Bildung politisch und Ländersache bleibt, ist es in Deutschland wichtig, in die richtige Familie in der richtigen Schicht, im richtigen Stadtviertel und im richtigen Bundesland geboren worden zu sein und nicht was man als personal oder soft skills mitbringt.
Und Lob in der Schule - wie soll sich das mit preußischen Tugenden vertragen? Auch wenn es besser wäre!
Herr Fetscher hat ja schon dankenswerterweise erklärt, dass das Dezimalzeichen genormt ist.
Im übrigen gilt auch in GB das metrische System und das schon sehr lange. Man hat es nur unterlassen, es auch durchzusetzen. Das Ergebnis ist ein inkonsistenter Mischmasch.
Überhaupt scheinen die Engländer ein Problem mit der Moderne und dem Anerkennen anderer Kulturen zu haben. Wie erst jüngst von der Europäischen Kommission verlautete, werden die Briten demnächst die europäischen Sprachidioten sein, weil Herr Blair das obligatorische Erlernen auch nur einer Fremdsprache nach dem 14. Lebensjahr abgeschafft hat. Als Ergebnis erlernen 51% der britischen Schüler keine Fremdsprache. Wer aber keine Fremdsprache spricht, tut sich auch schwer mit einer anderen Kultur.
gleichermaßen informativ wie nett geschrieben; mit guten Anregungen
GLOBAL?EINE engl. Schule vgl. mit dem Kuriosum Mädchengymnasium.Gar nicht global
Dieser Beitrag, ein Artikel ist es nicht, ist nicht lesenwert sondern purer globaler Quatsch. Die GLOBALE Schulwelt reduziert auf den Vergleich EINER englischen Schule mit EINEM Mädchengymnasium (sowieso ein Kuriosum!). Dabei weiß doch jeder, dass in deutschland 16 Bildungssystem konkurrieren und jede Schule hier weitere Gestaltungskompetenzen hat.
> Oder europäisch harmonisierten Tastaturen für die Computer, damit sich unsere globalen Kinder nicht ewig vertippen?
Gleichmacherei. Jede Sprache hat andere Zeichen und andere Häufigkeit von Buchstaben. Unterschiedliche Tastaturen sind mehr als gerechtfertigt. Außerdem kann man per Software die Tastaturbelegung "globalisieren".
> Auf der englischen Schule gebe es mehr persönliche Entfaltungsmöglichkeit (in Uniform), mehr Fächer und viel, viel Lob.
So ist das bei den Angelsachsen. Jede Kritik kommt in ein Sandwich aus Lobpreisungen. In Deutschland ist nun mal nicht gemotzt schon gelobt. Effizient.
Ich stimme mit Bettina Schulz überein, daß Schuluniformen auch in Deutschland eingeführt werden sollten Allerdings würde sich die Bekleidungsindustrie nicht sonderlich darüber freuen.
Die einheitliche Zahlenschreibweise gibt es übrigens schon längst: Das Internationale Einheitensystem SI schreibt für alle Sprachen außer für das Englische das Komma als Dezimalzeichen und einen kleinen Zwischenraum für die Tausenderstellen, nicht etwa ein Punkt. Zumindestens die Schulen und im gewerblichen Verkehr ist das verbindlich.
Ist diese Selbsterfahrung einen Artikel in der FAZ wirklich wert? Welchen Mehrwert bietet dieser Artikel?
Das sind kleine Problemchen, die zum Leben gehoeren...auch zum europaeischen.
Als fuersorgliche Mutter oder als Elternteil kann ich das ganze verstehen, aber bitte nicht in der FAZ. Vielleicht kann das ganze bein naechsten Elternabend diskutiert werden. Das ist der geeignete Platz, um diese "Herausforderung" zu meistern, wenn man glaubt, dass die kindliche Entwicklung dadurch gestoert wird.
Gruss aus Singapore
Wenn wir dann alles hamonisiert haben: Punkte, Kommata, Haarspange - dann wird sehr unangenehm auffallen dass die Kinder leider doch Unterschiede aufweisen. Um das von vorneherein zu umgehen schlage ich vor, zuerst die Kinder zu harmonisieren! Die ziehen sich ganz von alleine und ohne Druck die selben Klamotten an, werden sich auch bei Frisur und Ausdrucksweise nicht disharmonisch unterscheiden (wollen). In der Schule wird ein sinfonischer Gleichklang herrschen. Lehrer brauchen nur eine Methode zum ermahnen, wenn überhaupt! Da jubeln Sie doch mit, Frau Schulz?!
Bravo ! Sehr gut geschrieben ! Ich habe vor 30 Jahren auf einer Internationalen Schule in Deutschland meinen "internationalen" Abschluß gemacht. Dieses "International Baccalaureate" ( von 1979 ) ist bis heute nicht anerkannt. Ich habe dann über den 2ten Bildungsweg einen anderen Weg eingeschlagen, sodaß das heute für mich nicht mehr relevant ist. Eines habe ich aber zu jener Zeit gelernt und dies gilt auch heute noch : Schulerziehung ist eine "politische" Angelegenheit ! Und da unsere nationalen Politiker in zunehmenden Maße an Einfluß verlieren, so versuchen sie doch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln sich Ihre Bastionen zu bewahren. Anders ist auch der "Ausbildungs-Unsinn" hier in Deutschland nicht zu verstehen, wo die Kultusminister immer noch zuviel zu sagen haben. Wo es nicht eine Ausbildungs-Ordnung, sondern deren 16 gibt und das für zwei Bildungswege !! Aber : Solange wir mit uns selbst beschäftigt sind brauchen wir uns auch nicht mit den anderen Europäern auseinandersetzen. Beruhigend für die Kultusminister anderer europäischer Nationen ! Sicherlich aber auch ein Grund für die Wahlverdrossenheit vieler Europäer !!
Dem Kommentar kann ich nur zustimmen
Meine Toechter, die in einer deutschen Grundschule in Niedersachsen und einem guten Gymnasium in Hessen ihre Schulerfahrungen sammelten, sind nun seit 1 1/2 Jahren an einer internationalen Schule in Dubai, die schon viele britische
Schulelemente enthaelt ( u.a. die Schuluniform, die strikte Einhaltung von Piercing-
und Schminkverbot, und viel viel Lob ).
Hier wird strenger als in Deutschland auf die Einhaltung von Regeln geachtet, hier gibt es deutlich mehr Leistungskontrollen in Form von Arbeiten und Tests und es werden Initatiativen und Praesentationen von Gruppen oder Einzelschuelern zu diversen Themen gefordert und gefoerdert. In Deutschland werden allerdings
die Themen tiefergehend behandelt, hier werden fertigkeiten vermittelt, aber nicht bis zum Exzess geuebt. Ich glaube beide Systeme haben ihre Vor- und Nacteile, meine Toechter finden das System hier besser, insbesondere die bessere Zuwendung der Lehrer. Die Schuluniform finden sie cool.
Kulturelle Identität und Statussymbole
1)Mag die "Schuluniform" die morgendliche Kleiderwahl erleichtern, so verhindert sie keine Statussymbolik. Die liegen dann nicht in der Kleidung sondern im Handy, im Computer(spiel), in der Schulranzenmarke usw. In Deutschland hat zudem die (negative) Erfahrung mit Uniformen in der Nazizeit und in der DDR (blaue FDJ-Hemden) eine andere Haltung zur Uniform bei Kindern erzeugt als etwa in England oder USA.
2)Die Schreibweise gehört zur Sprache und damit zur kulturellen Identität. Wer auf einer polnischen Schreibmaschine kein "ä" findet, muß sich umstellen, z.B. auf "ae". Und wer auf einer deutschen Schreibmaschine kein polnisches "ę" findet, muß das Häkchen eben per Hand nachtragen. Das Internet und die Versuche einer Vereinheitlichung der Kulturen ist ein großer Schaden für die Menschheitskultur!
Man sollte diese Feinheiten in den Medien öfter zur Sprache bringen, damit sich ein entsprechendes Bewusstsein herausbildet. Wie man gesamteuropäisch Zahlen oder Datumsangaben zu schreiben hat, könnte man genauso diktieren wie die Verwendung von Dezimalmaßen oder SI-Einheiten und wäre ziemlich nützlich (Man denke nur an die fehlgeschlagene Marslandung durch Verwechslung von englischen und internationalen Maßeinheiten).
Zeichensetzung in den verschiedenen Ländern
Ja, es ist anfangs sehr irritierend zu sehen, dass in einem anderen Land z.B. in Mathematik andere Zeichen verwendet werden und dass es auch eine andere Schreibschriftvariante gibt. Aber muss man denn gleich nach einer europäischen Vereinheitlichung dessen verlangen. Ich fand es schlußendlich einfach spannend zu sehen, dass viele Dinge in einem anderen Land eben auch anders gemacht werden. Dafür gehe ich schließlich auch ins Ausland, um andere Erfahrungen zu machen.
Ich fand es sehr heilsam mich und meine deutsche Bildung nicht mehr als Mittelpunkt der Welt zu sehen und als die festgeschriebene Bildung, die einem hierzulande so vermittelt wird, die so wichtig sei, sondern einfach als teil eines Ganzen. In England gibt es übrigens auch einen komplett anderen Geschichtsunterricht. Da hatte ich manchmal das Gefühl, huch, das hat mit meinem Geschichtsbild überhaupt nichts zu tun und es war spannend Geschichte aus einem ganz anderen Blickwinkel heraus kennen zu lernen.
Schuluniformen nicht nur positiv
Durch mein eigenes Leben in England kann ich den Wert der Schuluniform nicht so positiv einschätzen wie die Autorin. Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform, so gibt es bei der einen Schule ein Sweatshirt als vorgeschriebene Uniform und in anderen Schulen müssen die Kinder einen Anzug mit Krawatte tragen. So erkennt man schon am Schnitt der Uniform, auf welche Schule jemand geht, ob der Schüler aus einer ärmeren Gegend kommt und auf eine normale Comprehensive geht oder auf eine teure Privatschule geht. Fraglich finde ich auch, dass Mädchen, zumindest in der Primarstufe, immer ein Kleid anziehen müssen.
Mein Mann hat in England als Lehrer and einer Secondary School gearbeitet und festgestellt, dass viele Schüler diese Uniformen nicht gerne anziehen. Und die Disziplinirungsmaßnahmen am Anfang der Stunde nicht damit beginnen, die Schüler zu einem geeigneten Lernklima zu bekommen, sondern zuallererst einmal zu prüfen, ob die Schuluniform auch richtig angezogen ist und kein Mädchen zu lange Ohrringe trägt, kein Piercing zu sehen ist und ähnliches. Ich fand das schon sehr militärisch.
Wieso denn bei Mathematik-Symbolen aufhoeren? Waere es nicht toll wenn in Deutschland endlich Begriffe wie "Geschwindigkeitsvektor" (velocity) anstelle von Geschwindigkeit (speed) verwendet werden? Oder, sollten man nicht dem britischen Vorbild folgen und die gute alte Milliarde (10^9), die im letzten Jahr fuer so viel Verwirrung sorgte, durch die amerikanische Billion ersetzen? Was ist mit dem Querstrich in der 7?
Im Ernst, ich denke, dass die Quertz-Tastatur noch viele gute Jahre vor sich hat und kann mir nur schwer vorstellen, dass in deutschen Schulen in der naheren Zukunft Lob aehnlich freigiebig wie in Grossbritannien verteilt wird. Ist halt einfach anders.
Ich freue mich auf viele schoene Artikel ueber meine Wahlheimat Grossbritannien von Ihnen.
Mit freundlichen Gruessen, Florian
Allgemein ist es doch so, dass in verschiedenen Ländern Kritik verschieden geäußert wird. Ich kenne einige ex-Expats die (auch außerhalb der Schule) nach der Rückkehr nach Deutschland ersteinmal vernehmlich geschluckt haben. Viele Deutsche lassen Andere gerne an ihrer eigenen Perfektion teilhaben. Vielleicht liegt das Lobgefälle zwischen englischen und deutschen Schulen an dieser anscheindend doch "typisch deutschen" Eigenschaft? Mich würde interessieren, was Sie dazu denken :-).
Wo wir schon bei Lob sind: Ihr Artikel hat mir ansonsten gut gefallen :-)