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Expat Denkmal der Korruption

27.03.2011 ·  Es gibt die Tendenz, früher zerstörte Denkmäler zu rekonstruieren, wenn die Herrschergestalten, denen sie gewidmet waren, sie allemal mehr verdienten als die, die auf sie folgten. Das Denkmal-Recycling geht allerdings nicht immer gut aus, wie am Beispiel Bukarests zu sehen ist.

Von Karl-Peter Schwarz
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Es ist ein guter alter Brauch, nach dem Sturz von Diktatoren und Tyrannen auch deren Statuen zu vernichten. Damnatio memoriae nannten das die alten Römer. In jüngerer Zeit fielen diesem Brauch die Monumente Stalins, Lenins und Saddam Husseins zum Opfer. Es gibt aber auch die gegenläufige Tendenz, früher zerstörte Denkmäler zu rekonstruieren, wenn die Herrschergestalten, denen sie gewidmet waren, sie allemal mehr verdienten als die, die auf sie folgten. Vor dem Bahnhof in Triest steht zum Beispiel wieder das Denkmal der Kaiserin Elisabeth („Sisi“).

Ein solches Denkmal-Recycling geht allerdings nicht immer gut aus. Ein besonders schlechtes Beispiel ist seit Ende vorigen Jahres in Bukarest vor der Zentralbibliothek der Universität in Bukarest zu sehen, auf dem geschichtsträchtigen Platz der Revolution. 1939 hatte König Carol II. dort von seinem Freund, dem kroatischen Bildhauer Ivan Mestrovic, ein Reiterdenkmal für Carol I. errichten lassen, den Begründer der rumänischen Dynastie Hohenzollern-Sigmaringen, der das Land von 1866 bis 1914 regiert hatte. 1948 zerstörten es die Kommunisten auf spektakuläre Weise unter Einsatz von Panzern. Die Bronze wurde eingeschmolzen und für ein Lenin-Denkmal verwendet, das vor dem „Haus der Presse“, einem Musterbeispiel stalinistischer Architektur, aufgestellt und nach Ceausescus-Sturz niedergerissen wurde.

Es wäre nun überhaupt kein Problem gewesen, das Mestrovic-Denkmal an seinem früheren Standort originalgetreu wieder aufzubauen, denn das Originalmodell ist in der Zagreber Glyptothek erhalten. Aber die korrupten Seilschaften der Bukarester Stadtverwaltung entschieden anders. Den Auftrag in der Höhe von 3 Millionen Euro, eine astronomische Summe für rumänische Verhältnisse, erhielt ihr Günstling, der Bildhauer Florin Codre, der dafür ein ungemein hässliches Plagiat des Meisterwerks von Mestrovic herstellte. Über die rumänischen Medien wurde das Gerücht verbreitet, Verhandlungen mit den Mestrovic-Erben seien an deren Geldforderungen gescheitert. Alles nicht wahr. Es gab überhaupt keine Verhandlungen. Sorin Oprescu, der Bürgermeister von Bukarest, habe nie Kontakt zu ihrer Familie aufgenommen, sagte Rumi Mestrovic im Namen der Erben. Eine Hommage der Hauptstadt an den König und den großen kroatischen Bildhauer sollte es werden, geworden ist daraus ein Denkmal des Kleingeistes sowie der rumänischen Korruption und Misswirtschaft.

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Jahrgang 1952, Korrespondent für die Tschechische Republik, die Slowakei, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Sitz in Wien.

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