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Veröffentlicht: 11.09.2012, 06:00 Uhr

Exotische Coachings Der Samurai coacht nur noch selten

Führungskräfte durch die Berge jagen, auf Pferde setzen und im Dunkeln tappen lassen? Anbieter exotischer Coachings müssen kämpfen. In Krisenzeiten besinnen sich die Unternehmen auf bodenständiges und zielorientiertes Training.

von Nina Trentmann
© Cyprian Koscielniak

Kein dunkler Anzug, keine Krawatte, kein weißes Hemd: Für die Reise in den Osten lässt Arthur Sulzberger seine Dienstkleidung zu Hause. Stattdessen packt der Herausgeber der „New York Times“ schwere Stiefel, Wetterjacke und Handschuhe ein, als er sich auf den Weg in den Himalaja macht. Sulzberger, der sonst entweder im Büro oder im Flugzeug sitzt, soll hier 13 Tage lang lernen und lehren, was Führung bedeutet. Mit 25 anderen erklettert er das größte Gebirge der Welt, liest Artikel und Aufsätze und diskutiert darüber, was die Kraxelei auf den Berg mit guter Führungskultur im Unternehmen zu tun hat. „Es war für mich die größte Anstrengung, die ich jemals unternommen habe“, sagt der 60 Jahre alte Medienmanager. „Wir waren über 5000 Meter hoch mit gerade mal 50 Prozent Sauerstoff in der Luft.“

Die körperliche Anstrengung ist das eine, die intellektuelle Herausforderung das andere. Michael Useem, Leiter des Center for Leadership and Change Management an der Wharton School in Pennsylvania, welche die Reise organisiert, sagt: „Wir sprechen über die Lektüre, die Erlebnisse des Tages im Himalaja und was sich daraus für die Führung zu Hause ableiten lässt.“ Abwechselnd wird der „Anführer des Tages“ bestimmt, der für einen Tag die Bergsteigergruppe führt. „Das Tolle für mich war, dass man das, was man normalerweise in Büros oder Seminarräumen bespricht - wie Führung funktioniert -, draußen mit einem Team erleben konnte“, berichtet Sulzberger von seinen Erfahrungen. Eine der Lektionen des Berges sei es gewesen, Scheitern und Erfolg neu zu definieren: „Wir haben gelernt, Scheitern als etwas Kurzfristiges, Erfolg aber als langfristig und bleibend anzusehen“, sagt Claudia Gonzalez, Kommunikationschefin einer Hilfsorganisation und Sulzbergers Lebenspartnerin.

Pferde, Wölfe und Zen

Arthur Sulzberger ist mit seinem Leadership-Coaching in den Bergen allerdings eher die Ausnahme. Obwohl die Zahl der ungewöhnlichen Angebote für Coaching und Führungstraining groß ist und unter anderem Pferde, Wölfe und Zen bemüht werden, um Chefs das richtige Führen zu zeigen, fragen Unternehmen angesichts der Krise derzeit eher bodenständige, zielorientierte Angebote nach. Es zählt weniger die Form als der Inhalt. „Die Situation in den Unternehmen und an den Märkten hat sich drastisch verändert“, sagt Guido Fiolka, Geschäftsführer der European Leadership Academy in Berlin. Das bekommt auch die Coaching-Industrie zu spüren. „Der Markt wächst in Deutschland, diversifiziert sich aber“, sagt Management-Beraterin Dorothea Assig. Sie berät Führungskräfte aus großen, internationalen Unternehmen. „Pferde, Berge oder Überlebenstrainings gibt es immer noch, das hat sich aber in den Personalentwicklungsabteilungen von großen Unternehmen nicht durchgesetzt.“ Diese Entwicklung sieht auch der Deutsche Bundesverband Coaching in Osnabrück. „Wir sehen eine größere Professionalisierung. Der Druck nimmt zu, der Markt bereinigt sich“, sagt der Vorsitzende des Verbandes, Christopher Rauen. „Samurai-Coaching spielt für den breiten Markt keine Rolle“, sagt Rauen.

Trotz der einsetzenden Konsolidierung ist die Coaching-Industrie nach wie vor eine unübersichtliche Branche: Verlässliche Zahlen über die Anbieter und den Branchenumsatz gibt es keine. Der Deutsche Bundesverband Coaching geht von rund 8000 Business-Coaches in Deutschland aus. Der Deutsche Coaching Verband (DCV) spricht allerdings von mehr als 40 000 Trainern, Beratern und Coaches. „Von denen dürfte jedoch eine Vielzahl den Namen kaum verdient haben“, sagt Susanne Koglin vom DCV. Zwar bieten die Verbände inzwischen Zertifikate und Kurse an, trotzdem hat beim DVC nur rund die Hälfte der 200 Mitgliedsunternehmen eine Zertifizierung durchlaufen.

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Die Konsolidierung zwingt die Coaching-Unternehmen nun zu prüfen, was ein erfolgreiches Konzept ausmacht. Viele Anbieter, die mit schrillen Ideen in den Markt drängten, sind wieder verschwunden. Andere müssen verstärkt kämpfen. Brigitte van Baren bietet drei- bis viermal im Jahr ein Zen-Training an. Trotz der Konsolidierung sei die Nachfrage nach ihren Seminaren stabil. „Es geht darum, ein Programm anzubieten, mit dem das tägliche, normale Muster durchbrochen wird“, sagt van Baren. Sie stellt fest, dass der Druck auf Führungskräfte steigt und dass es den meisten Vorstandsvorsitzenden nicht gelingt, im Alltag genug Freiraum zu schaffen, um unbedarft an ein Problem herangehen zu können. Ihr ist es wichtig, das Gelernte - zum Beispiel Atemübungen - in den Berufsalltag zu retten: „Ich kann ja nicht dauernd in den Himalaja reisen.“

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