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Elternzeit und die Folgen : „Auf die kann man sich nicht mehr verlassen“

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Babypause - und dann? Fünf Akademiker-Mütter erzählen Bild: dapd

Ein Jahr Babypause und dann zurück in den Beruf - das ist für Akademikermütter heute der Normalfall. Und wie funktioniert das - für die Mütter, für die Kinder, für die Karriere? Fünf Protokolle vor und nach dem Wiedereinstieg.

          Fünf Frauen erzählen während ihres Elternzeitjahres, wie sie sich ihre Rückkehr in die Arbeitswelt vorstellen. Getroffen haben wir sie in einem Kölner Müttercafé. Alle sind Akademikerinnen, alle nehmen grob ein Jahr Auszeit von ihrem Beruf. Nach dem Wiedereinstieg haben wir sie ein zweites Mal befragt. Welche Vorstellungen haben sich bewahrheitet? Wie stressig ist ihr Leben geworden? Und hat die Babypause ihrer Karriere geschadet?

          Sibylle (38), Unternehmensberaterin mit Moritz (10 Monate) während ihres Elternzeitjahres:

          Seit neun Jahren arbeite ich bei meinem heutigen Arbeitgeber. Ich bin „Senior Manager“, das ist bei uns auf der Karriereleiter das höchste, das man werden kann, ohne als Partner einzusteigen. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich 13 Monate Elternzeit genommen. Vorher war mein Leben komplett auf die Arbeit ausgerichtet. Ich habe nicht 100 Prozent gegeben, sondern 120 Prozent. Es gab verrückte Zeiten, wo ich mehr als 60 Stunden in der Woche gearbeitet habe, es gab Okay-Zeiten, wo es so um die 50 Stunden waren. Weniger war es eigentlich nie. Ich war oft fünf Tage in der Woche weg, immer beim Kunden vor Ort, habe ständig in Hotels geschlafen und aus dem Koffer gelebt.

          Nach der Elternzeit möchte ich schon in meinen alten Beruf zurückkehren, allerdings stelle ich mir vor, die Arbeitszeit zu reduzieren auf maximal drei Tage in der Woche – denn das heißt ja de facto drei Tage komplett verreist zu sein. Mein Mann kann seine Arbeitszeit nicht reduzieren, er hat gerade erst den Job gewechselt und ist noch in der Probezeit.

          Wir haben eine private Kita gesucht, in der mein Sohn von 9 bis 19 Uhr bleiben kann. Das kostet 900 Euro im Monat, aber es gibt keine Alternative, wenn ich meinen Job behalten möchte. Mein Mann ist Redakteur, kann abends nicht vor 18.30 Uhr zu Hause sein und wenn ich an drei Abenden in der Woche gar nicht da bin, geht es eben nicht anders.

          Bei mir im Freundeskreis sind viele geschockt, wenn sie hören, dass mein Sohn an manchen Tagen 10 Stunden in die Kita soll. „Das arme Kind“, heißt es dann oder „das ist ja ein langer Tag für so ein kleines Würmchen“; nur bei Leuten, die selbst Unternehmensberater sind, gibt es dafür ein gewisses Verständnis. Trotzdem habe ich Angst davor, dass ich von den Kollegen, die keine Kinder haben, künftig nicht mehr für voll genommen werde. Ich habe ja selbst gesehen, wie es Kolleginnen ergangen ist, die nach der Babypause als Teilzeit-Mamis zurückgekommen sind. In unserer Branche bist du da schnell abgestempelt, denn du kannst einen noch so engagierten Mann und noch so tollen Betreuungsplatz haben, manchmal wird das Kind eben krank und das ganze schöne Konstrukt bricht zusammen.

          Und dann heißt es bei uns in der Beratung eben schnell „auf die kann man sich nicht mehr verlassen“. Ich bin mal sehr gespannt, wie es werden wird, wenn ich zurück bin. Aber vorsichtshalber bin ich schon mal froh darüber, das Kind erst so spät bekommen und die Karriere zur Senior-Managerin schon gemacht zu haben. Da kann ich jetzt sagen: „Ich muss mir nichts mehr beweisen.“

          Nach dem Wiedereinstieg – Moritz ist jetzt 18 Monate alt

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