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Elektromobilität : Neue Autos programmieren

Je innovativer die Automodelle, desto spezieller werden die Anforderungen an die neue Ingenieur-Generation. Bild: BMW

Für seine Elektrowagen sucht BMW Softwareentwickler. Haben klassisch ausgebildete Ingenieure künftig das Nachsehen? Nicht unbedingt. Aber es schadet nicht, im Studium über den Tellerrand zu blicken.

          BMW, die Bayerischen Motoren Werke, interpretieren das Wort Motor neu. Das Elektroauto i3, das dieser Tage Premiere feiert, ist die stärkste Ausprägung der neuen Münchener Zeitrechnung. Aber auch auf alle anderen Baureihen strahlt die Neuausrichtung ab. Scharfe Abgasgrenzwerte zwingen Autobauer zum Handeln; auch die Einstellung zum Auto in der Gesellschaft ändert sich. „Wir werden tendenziell kleinere Verbrennungsmotoren verbauen und diese vermehrt durch Elektromotoren ergänzen“, sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess. Was sich hinter seinem verschmitzten Lächeln verbirgt: so lässt sich nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch ein schöner Zusatzwumms an Drehmoment ins Auto bringen. Das bringt natürlich Nachteile: zusätzliches Gewicht und weiterer Bauraum. Doch das muss hingenommen werden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dass BMW so elektrisiert ist, hat auch Folgen für die Personalpolitik. „Wir brauchen speziell - und anders als früher - qualifizierte Mitarbeiter für beispielsweise die BMW-i-Entwicklung.“ Neue Materialien und Technologien erfordern neue Spezialisierungen. Die gesuchten Fachleute müssen die „Mangelkompetenzen“ mitbringen als Leichtbau-Spezialisten, Elektrotechnik-Ingenieure und Softwareentwickler. „Bei diesen Spezialisten ist das Angebot deutlich geringer als bei den traditionellen Maschinenbauern, und die Nachfrage ist hoch“, sagt Jochen Frey aus der Personalkommunikation von BMW.

          Über den Tellerrand schauen

          Müssen sich die klassisch ausgebildeten Ingenieure deshalb Sorgen machen und umschulen? Die elektrifizierten Düsentriebs werden den klassischen Ingenieur in Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik nicht verdrängen, meint Frey. Das seien zahlenmäßig nach wie vor die Mehrheit der Neueinstellungen bei BMW, und das werde auf absehbare Sicht so bleiben. Doch auch die „Klassiker“ sollten nach Möglichkeit schon während des Studiums über den Tellerrand schauen und sich mit Technologien wie elektrischem Antrieb, neuen Werkstoffen oder Fahrzeugvernetzung beschäftigen. Leider hätten die Hochschulen erst vor kurzem begonnen, hier ihr Angebot zu verbreitern, hat die Personalabteilung beobachtet. Damit dauere es noch einige Zeit, bis sich das in größerem Umfang auf die Kompetenzen der Absolventen auswirke.

          Die größte Hürde der Elektromobilität ist die Batteriekapazität, das ist bei BMW nicht anders als etwa beim französischen Elektroauto-Vorreiter Renault. Die Speicherung der elektrischen Energie bereitet allen Kopfzerbrechen. Hier wird es auch in Zukunft weiter großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf geben und somit Bedarf an Experten. Deshalb stehen auch Ingenieure der Fachrichtungen Chemie und Elektrochemie hoch im Kurs.

          „Was nicht direkt etwas mit BMW i zu tun hat, aber dennoch großen Einfluss auf die Veränderungen im Fachkräftebedarf hat, ist der immer breitere Einzug der IT ins Fahrzeug. Motor- und Fahrwerksregelung, Kommunikation, Navigation und Entertainment waren erst der Anfang. Wenn man an Zukunftsthemen wie Fahrzeugvernetzung, Car2XKommunikation oder autonomes Fahren denkt, dann wird schnell klar, dass dadurch ein enormer und weiter wachsender Bedarf an Softwareentwicklern entsteht“, sagt Frey und schlägt damit einen weiteren Bogen. Für BMW sei Softwareentwicklung ein wichtiger Bereich, weshalb der Konzern das im Haus selbst mache - wie einige andere Hersteller auch. Entsprechend gesucht sind Fachleute, meistens stoßen sie schon in jungen Jahren zu den Autoherstellern. Eine Neuvorstellung im Bereich Car IT wirkt heute bisweilen wie ein Jugendcamp.

          Die Jungs (Frauen sind selten anzutreffen) haben es freilich meist faustdick hinter den Ohren. „Wir haben im vergangenen Jahr einen neuen Standort mit 85 Softwareentwicklern in Ulm eröffnet, wo durch die Schließung des Nokia-Entwicklungszentrums viele gute Leute verfügbar waren“, sagt Frey. Interessanter Aspekt beim Recruiting von Softwareentwicklern: Als Arbeitgeber konkurrieren die Autohersteller nicht nur mit Wettbewerbern der eigenen Branche, sondern auch mit der IT-Branche und damit mit Größen wie Google, Microsoft oder SAP. Da sei dann gleich noch einmal ein größere Anstrengung in Personalmarketing und Recruiting erforderlich. Des einen Leid ist des anderen Freud: So umworben, studiert es sich doch gleich etwas unbeschwerter.

          Quelle: F.A.Z.

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