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Berufswechsler : Drei Menschen brechen auf

Für den nötigen Richtungswechsel im Beruf ist es nie zu spät Bild: Getty Images

Die Midcareer-Crisis erfasst immer mehr Leute. Langeweile und Unzufriedenheit im Beruf lassen sie nach neuen Zielen im Leben suchen. Drei Umsteiger erzählen.

          Die Midlife-Crisis hat eine unbekannte Schwester: die Midcareer-Crisis. Der Begriff ist eine Schöpfung amerikanischer Psych0logen. Die amerikanische Autorin Gail Sheehy brachte ihn in ihrem 1974 erschienenen Buch „In der Mitte des Lebens“ erstmals auf. Er bezeichnet die Tatsache, dass viele Menschen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren - oft all ihren Erfolgen zum Trotz - an ihrem Lebensweg zu zweifeln beginnen.

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auslöser ist oft eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Beruf, Frust oder eine gewisse Langeweile, die sich nach einigen Jahren oder Jahrzehnten im Job einstellt. Jetzt noch eine Powerpoint-Präsentation mehr machen, an die sich nachher keiner erinnert? Jetzt wieder einem verbohrten Mittelständler beibringen, dass er dringend seine Prozesse optimieren muss? Schon wieder superfreundlich sein zu einem unverschämten Kunden, obwohl man ihn lieber mit den Keksen vom Meeting-Tisch bewerfen würde? Nach einer Untersuchung im Auftrag der Personalvermittlung Manpower ist derzeit jeder Zweite mit seiner Stelle unzufrieden.

          Dazu kommt die Sache mit der Familie. Die anstrengende Kleinkindphase der eigenen Kinder, in der sie viel Zuwendung brauchen, hat man mit Mitte 40 meist abgeschlossen. Die Kinder werden selbständiger. Die Eltern hätten jetzt richtig Zeit für die Karriere - und fragen sich: Wollen sie das eigentlich?

          Midcareer-Crisis ist mehr als nur Unzufriedenheit. Dahinter verbergen sich grundsätzliche Zweifel, ob der eingeschlagene Pfad das einzig Wahre ist. Nicht immer muss dahinter der Frust über das eigene Fortkommen stehen. Vielfach erwischt es Berufstätige, die zwar erfolgreich sind, dabei allerdings inhaltlich unerfüllt. Sie verdienen Geld, steigen die Karriereleiter hinauf und entdecken plötzlich, dass noch andere Fähigkeiten in ihnen schlummern.

          Dazu kommt, dass die ursprüngliche Berufsentscheidung manchmal wenig mit den eigenen Fähigkeiten oder Wünschen zu tun hatte, sondern mit den Vorstellungen der Eltern, Schuldgefühlen aus der Familiengeschichte, einschneidenden Erlebnissen. Es geht, sagt die Berufsberaterin Uta Glaubitz, um verdeckte Linien, um die Geschichte hinter der Geschichte einer Berufsentscheidung. Die müsse man begreifen, um die eigenen Unzufriedenheit zu verstehen. Wenn Menschen sich zur radikalen Abkehr von ihrer alten Tätigkeit entschließen, ist das nicht leicht. Denn auch der alte Beruf ist Teil der persönlichen Identität. Manche verlassen ihr altes Tätigkeitsfeld mit Wehmut, andere wiederum mit Erleichterung. In einer großangelegten australischen Studie hat sich unlängst gezeigt, dass die Midcareer-Crisis immer mehr Menschen immer jüngeren Alters ereilt.

          Drei Menschen, die den Schritt gewagt und in der Mitte des Lebens noch einmal etwas Neues angefangen haben, berichten über ihre Erfahrungen:

          Juliane von Arnim, 56 Jahre

          Von der Physiotherapeutin zur Malerin

          „Kunst oder Physiotherapie - Malen oder Heilen? Beides hat mich zeitlebens sehr interessiert. Ich bin in Nürnberg aufgewachsen und habe nach der Schule in Erlangen mit einer Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Ein Studium der Malerei stand gar nicht zur Debatte. Vielleicht war meine Leidenschaft nicht groß genug, um gegen meinen Vater zu rebellieren. Der riet mir zur Physiotherapie - mit dem klassischen Argument eines konservativen Familienoberhaupts: Du wirst heiraten, Kinder kriegen und als Physiotherapeutin deinen Beruf auch neben der Familie noch gut ausüben können. Mein Vater leitete als Internist die Abteilung für physikalische Therapie eines großen städtischen Krankenhauses in Nürnberg.

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