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Doktorarbeiten Als ich einmal Ghostwriter war

 ·  Akademiker mit wenig Zeit, aber viel Geld können ihre Dissertation schreiben lassen. Unser Autor hat für eine spezielle Agentur gearbeitet und fragt sich nun, wem er zum Doktortitel verholfen haben könnte.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (44)
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Ulrich Reuter
Ulrich Reuter (d-ur) - 10.02.2013 20:24 Uhr

Ghostwriting - nur eine Hilfe oder strafbar?

"Wer verlangt, dass man bei einer akademischen Arbeit selber formuliert" - Gleichgültig, ob als Frage oder Feststellung gemeint, bestätigt sie, möglicherweise eine verbreitete Haltung, die Abschreiben in der Schule für genauso akzeptabel hält wie das Abgeben von "fremden" Studienleistungen.
Zweifellos begünstigen Rahmenbedingungen es, dass Studierende sich ohne Folgen mit fremden Federn schmücken können. Da ist das Wegschauen von Aufsichtspersonal in Klausuren im Vergleich zu copy and paste in Hausarbeiten als eher harmlos einzustufen, ganz zu schweigen von Betrug, den die Erstellung von Examens- und Qualifikationsarbeiten durch Dritte darstellt.
Es ist unredlich an Politiktern ein Exempel zu statuieren, ohne die Überprüfung bei der Professorenschaft in den gefährdeten Fakultäten als beleg eigener Redlichkeit vorzunehmen.
Währet den Anfängen, indem nachhaltige Maßnahmen gegen den Betrug im Zusammenhang mit notenbestimmenden Leistungen breit durchgesetzt werden.

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Klaus-Henning Bähr

Fakultäten: Routine und Leichtfertikeit anstelle wissenschaftlicher Sorgfalt

Eine amüsante Geschichte, die uns dieser Schmetterling unter den Geflügelten auftischt, die Nektar aus den Blüten der Erkenntnis saugen. Darüber soll nicht vergessen werden. dass es auch die fleißigen Arbeitsbienen gibt, die letztlich dafür sorgen, dass es einen Fortschritt in den Wissenschaften gibt. Keine Frage dass es hier, wie überall, Scharlatane und Dünnbrettbohrer gibt, allerdings sind die gottlob nicht die Regel, wozu auch die Sorgfalt beiträgt, mit der die jeweilige Hochschule ihrer Pflicht zur Anleitung und Überwachung bei der Anfertigung einer Dissertation nachkommt. Die unrühmlichen Beispiele für eklatante Entgleisungen auf diesem Feld, die uns in letzter Zeit dank der Leistungen moderner Informationstechnologie ("Guttenplag"...) überraschten, sind vor allem ein Armutszeugnis für die in diese Fälle verwickelten Fakultäten, die bei der Betreuung der Doktoranden Routine und Leichtfertigkeit anstelle wissenschaftlicher Sorgfalt walten ließen.

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werner weissenhofer

ghostwriter

... dass irgendwer irgendwann einen Ego- oder Karrierebooster in Form eines akademischen Titels benötigt - mag sein - Österreichs Bundeskanzler hatte das nicht nötig!
Schwächere eventuell schon - aber
der Doktorvater, die Doktormutter dürfen weder durch Titel oder Mittel, gesellschaftliche Positionen oder Erfolgsdruck beeinflussbar sein- Wissenschaft hat frei zu sein! PS:
Fachhochschulen sind hier in Ihrem vorgeschriebenen Curriculum als Weg zum Job und zur Karriere kaum zur freien Wissenschaftlichkeit zu rechnen.

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Ole Maidag
Ole Maidag (Maidag) - 08.02.2013 22:16 Uhr

Warum will er das wissen?

Um nochmals zu kassieren?

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Dekin Strun

Alles studierbar

Heutzutage kann wirklich jeder Mist, selbst Modedesign ect. an Unis studiert werden. Überall wo studiert werden kann, kann auch promoviert werden. Das Problem dabei liegt in der Vergleichbarkeit, wie Dr. med zu Dr. rer. nat. Es sollte genauer differenziert werden. Gehören Gesellschafts -und Wirtschaftswissenschaften (evtl. selektiv betrachtet) wirklich an eine Universität mit Promotionsrecht ?
Vielleicht braucht es ein Stufensystem.
Für Menschen die aufwendig experimentell gearbeitet haben und echte Ergebnisse erzielt haben (die Arbeit kann dann auch kein Ghostwriter übernehmen, nicht mal das schreiben) ist so ein Zustand abwertend und ungerecht.

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Juliane Wollmann

Wo bleibt die Kritik an den Universitäten?

Wenn es tatsächlich so einfach ist aus Fragmenten, mit Desinteresse, in wenigen Monaten eine Diss. zu schreiben, richtet sich meine Kritik Richtung der Unis, die solche Arbeiten annehmen und absegnen.

Dieser Punkt stört mich in der gesamten Plagiatsaffäre. Da werden Kleingeister und Fälscher gejagt, aber die Frage, warum sie damit durchkommen, stellt sich niemand.

Wofür erteilen die Universitäten Titel und Abschlüsse? Ginge es tatsächlich um wissenschaftliche Erkenntnisse (im Idealfall sogar neue Erkenntnisse) oder nach wissenschaftlichen Nutzen, dürften solche Arbeiten keine Chance haben. Eine Forschung stellt man nicht mal eben in ein paar Monaten auf die Beine - nicht mal in den so verrufenen Geistes- und Sozialwissenschaften.

Das allerschlimmste Ergebnis der laufenden Diskussionen wird sein, dass diese daran nichts ändern, denn von nun an interessieren die Gutachter vor allem Literaturverzeichnis und Fußnoten. Prima - wieder nicht der Inhalt -passend zum Schmalspurstudium

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Egon Weissmann
Egon Weissmann (EgonOne) - 08.02.2013 15:43 Uhr

Man schreibt fuers Geld...!

Das Schreiberleben ist kein Spass.
So mancher musste sich durch das Leben schlagen, fuer andere "goldenen Worte" und schlaue Bemerkungen zu produzieren.
Nicht nur als "Ghostwriter" fuer Doktoranten, sondern als "Speechwriter" fuer Politicos, Geschaeftsbarone, Geldfuersten, und andere die Hilfe brauchten. Es scheint eine lang=etablierte Zunft zu sein.
Ich glaub die Schreiber leiden . Die Stipenden fuer ihre Meisterwerke sind anscheinend minimal, und sie bekommen kaum Anerkennung dafuer.
Letzt sah ich einen mit T-Shirt. Da stand drauf "Will write for food." Ein Anderer bezeichnete sich als " pen for hire."
Die Zeiten scheinen schlecht fuer Wortschmiede. All die goettlichen Worte, und dann bleibt der Autor noch anonym. Schade.
Man sollte deren Werke anerkennen, selbst wenn sie unter einem nome de plume erscheinen. War Shakespear Ghostwriter?
Welche Politiker verlassen sich wohl auf Speechwriters?
Wie ein "Ghost" bemerkte: "It's a living."
Pax vobiscum

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Björn Schumacher

Der Ghostwriter, Dein Freund und - hilfebedürftiger - Helfer?

Selber mit einem anspruchsvollen Thema promoviert, das mich einige Jahre hingabevoller Recherche und Niederschrift gekostet hat (per Hand und klappriger Schreibmaschine, PC'S, Internet usw. gab es noch nicht), müßte ich jetzt empört sein. Bin ich aber nicht; denn der Artikel klingt irgendwie sympathisch und sehr menschlich - fast wie die Lebensbeichte einer reumütigen alten Hure. Tja, Not und Gelegenheit machen halt Diebe ... und Beteiligte an einem großangelegten, systematischen Wissenschaftsbetrug! Es wird nicht leicht sein, diesen Sumpf auszutrocknen. Eine besondere Verantwortung dürfte hier den "Doktorvätern" zufallen, die jede Dissertation, soweit möglich, engmaschig begleiten und beim geringsten Plagiatsverdacht gezielte Suchaktionen per Google usw. starten sollten.

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Winfried Böhme

Nicht nur beim Doktor: Akademischer Betrug hat viele Facetten oder "Wie schaffen es unsere Blender?"

Es gibt den Klausurbetrug, indem man beim Nachbarn irgendwie „abschreibt“ oder unerlaubte Hilfsmittel eingesetzt werden.

Es gibt den Seminarbetrug. Nicht besuchte Seminare werden aus Mitleid irgendwie bescheinigt.

Es gibt den Betrug bei heimischen Seminararbeiten genauso wie bei Magister- , Bachelor- oder Doktorarbeiten, indem einfach weitere Personen an dem Werk mehr oder weniger maßgeblich beteiligt waren.

Es gibt auch Betrug in nicht-textbasierten Fächern, etwa dem Architekturstudium. Hier ist es fast üblich, sich bei den in Heimarbeit zu zeichnenden Entwürfen „helfen“ zu lassen. Entsprechend gibt es Übergänge vom bloßen Tipp bis hin zur kompletten Fremdbeauftragung.

Es gibt den Betrug bei den akademisch vorgeschriebenen Praktika. Da werden viele Dinge bescheinigt, die es so nie gegeben hat.

Es gibt den üblichen Schindluder bei naturwissenschaftlichen Publikationen, bei denen stets eine Heerschar von Autoren genannt wird, wobei manche wenig bis gar nichts beigesteuert haben.

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Patrick Bernau / F.A.Z.

Verdächtige Arbeiten

Wir haben inzwischen in den Kommentaren Hinweise bekommen auf Datenbanken und Suchmaschinen, mit denen man ähnliche Dissertationen finden kann. Vielen Dank dafür.

Die Arbeit ist allerdings auf diese Weise nicht identifizierbar. In unterschiedlichen Datenbanken gibt es unterschiedliche Arbeiten über eben jene Netzwerke in der Emilia Romagna; sie waren früher offenbar ein beliebtes Dissertationsthema. Auch wenn eine Datenbank oder eine Suchmaschine nur eine solche Arbeit findet, lässt sich daraus nicht schließen, dass jene Arbeit die hier beschriebene ist.

Wir sperren die entsprechenden Kommentare, um die Autoren der Dissertationen nicht einem unbegründeten Verdacht auszusetzen.

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K. Peter Luecke

Eigentlich müsste dem angehenden "Doktor" doch klar sein, dass ...

... er überhaupt keine Ahnung hat, wo sein Ghostwriter (bei dieser Art von Fließbandarbeit) so alles abgeschrieben hat. Diese Unwissenheit erklärt womöglich auch, weshalb so viele "Doktoren" bei Plagiatsvorwürfen aus allen Wolken fallen und - ernsthaft - ihre Hände in Unschuld waschen (möchten) ...

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.02.2013 08:22 Uhr
Martin Günther

Allerdings...

und da erinnere ich mich noch an die Aussage eines namhaften Politikers "Bei meiner Arbeit ist nicht plagiiert worden" - wobei das Passiv schön offen lässt, von wem...

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Dr. Wolfgang Klein

Mir sind auch Faelle bekannt ...

... wo Medizinern von Dritten auf Anweisung des zustaendigen Professors mindestens die Rohlinge ihrer Dissertationen geschrieben wurden. In meinem Fachgebiet (Mathematik) duerfte so etwas eher selten vorkommen (viel zu schwierig - lohnt sich nicht für den Gostwriter). Allerdings sind mir Faelle bekannt, in denen Mathematiker Schuelern fuer die Teilnahme am Bundeswettbewerb Mathematik gegen Bezahlung Loesungen bereitgestellt haben.

Den "Loesungsvorschlag", das offizielle Fuehren eines Doktortitels generell abzuschaffen, halte ich allerdings für unsinnig! Das ist ein Schlag ins Gesicht derer, die sich ihren Doktortitel selbst mit harter Arbeit erworben haben. Eine Doktorarbeit ist ja eigentlich auch kein ueberfluessiges Spielchen sondern hat den Anspruch, wissenschaftlich neue Erkenntnisse zu produzieren. Wer schreibt schon noch Doktorarbeiten, wenn er nachher nicht einmal einen Doktortitel fuehren darf, beispielsweise als Qualifikationsnachweis in Firmen?

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.02.2013 21:31 Uhr
Dr. Wolfgang Klein

@Ralph Burgwald

Ich rede ja auch nicht von der aktuellen rechtlichen Lage sondern von Vorschlaegen, die kuerzlich durch die Medien geisterten. Danach wuerde beispielsweise der "Dr." als Namenszusatz insbesondere in Ausweisdokumenten entfallen. Es wird propagiert, dass der Grad nur im akademischen Umfeld relevant sei und deshalb in anderen Bereichen nichts zu suchen haette.

Die Situation in Unternehmen ist heterogen. Firmen beispielsweise, deren Kunden Mediziner sind, legen sehr viel Wert auf Doktorgrade ihrer Mitarbeiter. Firmen, deren Management eher geringere Qualifikation aufweist, tw. nur FH-Abschluesse, waeren derlei Namenszusaetze lieber los (jedenfalls Manager ohne Promotion).

Persoenlich lege ich Wert darauf, meine hochwertige Ausbildung auf meiner Visitenkarte und in meiner Signatur darzustellen.

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Ralph Burgwald

Sehr geehrter Herr Klein

Sie dürfen Ihren Doktor Grad (nicht Titel, schauen Sie mal in Ihre Promotionsurkunde) genauso führen wie Ihren akademischen Grad eines Diplom- Mathematikers. Der einzige Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass Sie den Doktor Grad, ebenso wie Künstlernamen, gemäß Passgesetz und Personalausweisgesetz zusätzlich zu Ihrem Vor- und Familiennamen eintragen lassen können. Namensbestandteil wird der Doktor Grad dadurch nicht. Immer wieder lesenswert hierzu der Leserbrief "Ein Nachweis eigener Befähigung" von Dr. Dirk Uwer in dieser Zeitung.

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Viola Rosenkranz

Damit wird der Doktor entwertet, denn jeder der genügend bieten kann, kann ihn sich kaufen.

Diese Praxis scheint weit verbreitet zu sein. Und diejenigen geben sich nicht einmal die Mühe, die Arbeit zu lesen. Hauptsache sie bekommen den Zugang zu bestimmten Positionen. Es geht nicht um Leistung, sondern um Titel. Armes Bildungssystem.

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jens kaiser

Mir kam spontan die BWL-Fakultaet einer grossen nordbayerische Stadt in den Sinn

denn da war vor einiger Zeit doch ein kleiner Artikel in einer taeglich erscheinenden Handelszeitung, dass doch Herr XY, seines Zeichens CEO der deutschen Niederlassung einer amerikanischen Grossbank doch heute nach nur einem Jahr die erfolgreiche Promotion in BWL feiern wuerde. Dies sei - so der Bericht voellig ironiefrei weiter - mit viel Fleiss und Disziplin in 12 Monaten moeglich gewesen. Tja, so ein CEO (und wahrscheinlich Mitglied von zig-Aufsichtsraeten) hat ja auch sonst nichts zu tun. Ein wirklich helles Koepfchen.

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Horst Ziegler

Mir kam in den Sinn,

dass Ghostwriter auch nur Samenspender sind. Sie sollten für ihre Elaborat haftbar germacht werden.

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Otto Meier

Mehr Schein als Sein. Kleider machen Leute. Der erste Eindruck. Die Selbstreinigung.

Ist ein Akademiker, der sich seine Dissertation schreiben läßt, ein Akademiker? Während meines Studiums wurde in den Klausuren von einigen Kommilitonen/innen schon derart offensichtlich getäuscht, manche hatten auch da schon ihre Ghostwriter dabei, daß ich mich sehr gewundert habe, daß die Aufsicht dies augenscheinlich ignoriert hat. Daß dies beim Erwerb von Titeln nicht anders sein würde, war da nur noch ein Gebot der Logik.

Äußerlichkeiten spielen im Berufsleben durchaus eine Rolle und wer sich gar noch mit einem Titel schmücken kann, hat es oft leichter. Nicht selten aber trügt der Schein, der erste Eindruck stellt sich als fataler Irrtum dar und auch die schönsten Kleider helfen dann nicht weiter.

Entscheidend ist dann die Reaktion. Eigentlich sollte die dann klar und eindeutig sein, aber wer will schon sein eigenes Unvermögen bei der Kandidatenauswahl eingestehen, schadet es doch auch der eigenen Reputation.

Ob sich die Wissenschaft damit einen Gefallen tut? Selbstreinigung!

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Andrea Müller
Andrea Müller (ADrea) - 08.02.2013 11:37 Uhr

Wer braucht schon Agenturen?

Eigene Erfahrung aus dem Studium: Ein Herr mitte Dreißig, bereits vollzeit und gut bezahlt arbeitend, will wohl für das Prestige einen akademischen Grad draufsetzen. Spricht mich eines Tages an, er müsse seine Arbeit über das und das Thema schreiben und kennt sich da in den technischen Dingen nicht so aus (der Mann arbeitete!!! in dem Bereich) und könne sich nicht groß einlesen wegen Arbeit - ob ich wohl helfen könnte beim Programmieren über die Semesterferien. Ich entgegne treudoof, dass ich wegen Job keine Zeit habe, aber er sich bei schwerwiegenden Fragen gerne an mich wenden könne. Ja, ne, das sei wohl zu wenig.

Später stellt sich heraus, dass auch noch andere Kommilitonen gefragt wurden und dort sogar von Bezahlung die Rede gewesen ist. 2000 EUR auf die Kralle für einen Monat Arbeit ist für einen Studenten wirklich eine Menge Holz aber bestimmt billiger als eine Agentur. Keine Ahnung, ob jemand darauf eingegangen ist.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.02.2013 14:55 Uhr
Dr. Wolfgang Klein

@Andrea Mueller - Unverschaemtheit siegt ...

... ohne diese Ingredienz kommt man wohl kaum zu Top-Managerweihen. Ich kenne allerdings auch Kollegen, die ihre Dissertation neben der Erwerbsarbeit wirklich selbst geschrieben haben (bei mir war das uebrigens auch so). Das geht dann aber nicht in einem Jahr. Da hat man haeufig 16-Stunden-Arbeitstage/naechte. Um so aergerlicher dann diese Typen, die sich gegen Bezahlung mit fremden Federn schmuecken.

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Henk Hulst
Henk Hulst (HenkHulst) - 08.02.2013 11:28 Uhr

@Probleme

Natürlich ist XY ein Opfer des Systems. Natürlich verhilft ein Blick nach Skandinavien oder Benelux zur Erkenntnis, dass durch die universitäre Personalpolitik in Deutschland alles getan wird, um eine wissenschaftliche Laufbahn extrem unattraktiv zu machen.
Aber ein System muss reproduziert werden und es wird von jenen fortgeschrieben, die in fehlgeleiteter Demut diese Beschäftigungsverhältnisse akzeptieren. Es wird auch durch jene unterstützt, die strukturelle Schwächen zum eigenen Vorteil ausnutzen.
Wie gesagt, es bleibt eine Gewissensfrage, ob man für €1000 seine wissenschaftliche Seele verkaufen will, ein Betrag, der wohl kaum ausreicht, um viel am eigenen Prekariat zu ändern - und wohl auch nicht notwendig ist, um Kinder vor dem Hungertod zu bewahren. Gründe lassen sich anführen, legitim ist aber etwas anderes.

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Peter Bach

Ganz so einfach sollte es nicht sein

Seriöse Universitäten werden eine solche Arbeit nicht akzeptieren, jedenfalls nicht mehr heute. Im Normalfall gehören diverse weitere Verpflichtungen dazu: Seminarbesuche, eine eigene Forschungsarbeit, die Publikation dieser Ergebnisse in anerkannten Journals oder die Präsentation auf Konferenzen, etc. Ich halte es zwar nicht für unmöglich dass alles ebenfalls zu faken, allerdings ist der Aufwand schon deutlich höher als einfach ein paar Scheine auf den Tisch zu legen.

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Heike Berger
Heike Berger (Heiberg) - 08.02.2013 11:11 Uhr

Grimms Märchen

Der ganze Artikel ist merkwürdig. Wir schon von anderer Seite bemerkt, kann jeder eine Doktorarbiet finden. Nur dieser arme Ghoswtriter nicht? Er kopiert zuhause irgendetwas zusammen, ohne Ahnung davon zu haben, was er da macht? Er arbeitet monatelang für 1.000 Mark (500 Euro). Zu allem Überfluss und weil ihm nicht besseres einfällt nimmt er noch gleich ausrangierte Teile seiner eigenen Doktorarbeit mit rein? Zu einem ganz anderen Thema?

Das sieht doch eher so aus, also ob hier ein Autor schnell mal einen Aritikel rund um Schavan und Co. plazieren wollte, ohne eigentlich zu wissen, über was er da schreibt. Schade das heute immer öfter die gründliche Recherche den Bach runter geht.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.02.2013 17:58 Uhr
Heike Berger
Heike Berger (Heiberg) - 08.02.2013 17:58 Uhr

Dann sind wir mindestens schon zwei

denen das Ganze hier nicht ganz koscher vorkommt.

Praktisch, dass dieser Ghostwriter sich gerade jetzt, nach 15 oder mehr Jahren an die FAZ Redaktion wendet.

Interessant ist auch die humanistische Einstellung der Redaktion. Da melden sich haufenweise Vroniplag Aktivisten, die die hier angeblich genannte Arbeit kennen wollen, aber mit Rücksicht auf die Autoren will man keine falschen Verdächtigungen schüren. Seit wann läßt sich ein Journalist so eine Story entgehen? Es ist wohl eher die Befürchtung, dass diese fiktive Geschichte weitere Kreise zieht und da hält man den Ball lieber flach.

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Kai Schraube

Sie merken an, was mir auch durch den Kopf ging,

nämlich, daß der Verfasser nur mal fix auf's Trittbrett eines rollenden Medienzuges aufspringen wollte. Aber, wahrscheinlich haben Sie Recht. Ich möchte nicht im Detail wissen, wie um den Bildungsstand all' derer bestellt ist, die derzeit meinen, sich zur Qualität des "Wissenschaftsstandortes Deutschland" äußern zu müssen...

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08.02.2013, 08:00 Uhr

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