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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dieter Timmermann „Wir brauchen ein BAföG bis 50“

 ·  BAföG für den Master bekommt nur, wer nicht älter als 35 Jahre ist. Diese Altersgrenze ist schon bald nicht mehr zeitgemäß, findet der neue Präsident des Studentenwerks.

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© Deutsches Studentenwerk Der Bildungsökonom Dieter Timmermann steht seit Januar dem Deutschen Studentenwerk vor.

G8 eingeführt, Wehrpflicht abgeschafft: Die deutschen Studenten werden immer jünger. Aber Sie fordern ein Erwachsenen-Bafög. Warum?

Das Studentenwerk kümmert sich zunächst mal um diejenigen, die heute und in den nächsten Jahren an den Hochschulen studieren, und das sind die starken, jungen Jahrgänge. Aber ich werde immer zweigleisig argumentieren und sagen: Wir müssen heute schon darüber nachdenken, wie wir die Studenten, die im Laufe ihres Berufslebens neu oder zurück an die Hochschulen kommen wollen, weiter fördern können. Auch für die sollten wir Angebote entwickeln und bereithalten.

Und wieso ist das so dringend?

Wenn die Menschen bis 67 arbeiten, in einer Zeit, in der sich die Arbeitsbedingungen und -inhalte wahrscheinlich noch viel rasanter verändern, als das heute der Fall ist, dann müssen sie auch im Alter noch weiterlernen. Und das auch an den Hochschulen.

Aber die Universitäten und Fachhochschulen sind jetzt schon so voll wie noch nie...

Nach 2020, wenn die doppelten Abiturjahrgänge und die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge durch sind, dann wird die Zahl der Studienanfänger und Studierenden zurückgehen. Und dann haben die Hochschulen die Kapazitäten, um die älteren Studieninteressierten aufzunehmen, die einen Hochschulabschluss nachholen möchten.

Und von denen wird es mehr geben?

Je mehr sich die Studierenden an die Bachelor-Master-Struktur gewöhnen, umso mehr Bachelor-Absolventen werden zunächst mal arbeiten gehen. Das ist jetzt schon langsam beobachtbar. Später werden sie dann - auch mit Unterstützung des Arbeitgebers - in die Master-Studiengänge kommen.

Was muss bis dahin passieren?

Die Hochschulen müssen die Studienangebote anpassen, das heißt auch viel mehr Teilzeitstudiengänge anbieten. Wir haben ja bisher kaum ein richtiges Teilzeitstudium an deutschen Universitäten. Im Gegensatz zu anderen Ländern, die das seit zwanzig Jahren und länger haben.

Sie fordern, dass der Staat auch finanzielle Anreize schafft.

Die Altersgrenzen beim Bafög heraufzusetzen wäre ein erster Schritt. Und dann sollte auch das Meister-Bafög auf weitere Zielgruppen ausgeweitet werden. Es gibt einen großen Kreis von Personen, die eine zweite Bildungschance bekommen sollten. Auch den Leuten ohne Abitur sollte man im Laufe ihres Arbeitslebens die Chance eröffnen, sich an den Hochschulen weiterzuqualifizieren. Aber das setzt voraus, dass auch die finanzielle Förderung ausgeweitet wird.

Wenn sich die Studierendenstruktur tatsächlich so stark ändern wird, ist das aktuelle Bafög-Konzept dann überhaupt noch geeignet?

Langfristig sollte das Ziel sein, Bafög und Meister-Bafög anzugleichen, für alle die gleichen Fördersätze einzuführen und die Studierenden bis ins Alter, sagen wir bis 50, zu fördern. Dann hätten wir ein System des lebenslangen Lernens, in dem auch die Hochschulen eine ganz entscheidende Rolle spielen würden und nicht nur die Volkshochschulen oder die Anbieter des beruflichen Weiterbildungswesens.

Das Gespräch führte Mareike Zeck.

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