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Veröffentlicht: 01.11.2016, 06:14 Uhr

Gründer-Serie Mineko bringt Licht in die Mietnebenkosten

Die Verteilung der Mietnebenkosten bleibt vielen Mietern ein ewiges Rätsel. Das ging auch einem der Gründer des Unternehmens „Mineko“ so. Mit seinem Start-up hilft er nun Mietern, Geld zurückzufordern.

von Ulla Fölsing
© Mineko Daniel Schlör (links) und Chris Möller

Neun von zehn Mietnebenkostenabrechnungen sind falsch, in der Regel hat der Mieter zu viel gezahlt. Die Berliner Internetplattform Mineko hilft ihm, zu viel gezahltes Geld für Wasser, Heizung und Müllentsorgung, Gartenpflege oder Hausmeister zurückzubekommen. Seit 2014 hat der Online-Dienst 5000 Nebenkostenabrechnungen geprüft. Bis heute konnten Kunden des Start-ups 1,1 Millionen Euro zurückholen. Auf der Grundlage der bisher gesichteten Abrechnungen schätzt Mineko, dass Mieter in Deutschland im Jahr etwa fünf Milliarden Euro an Nebenkosten zu viel zahlen.

Und so funktioniert das Angebot von Mineko: Mieter laden ihre Nebenkostenabrechnung zusammen mit ihrem Mietvertrag bei www.mineko.de hoch und bezahlen vorab 39.- Euro per Paypal, Kreditkarte oder Rechnung. Innerhalb von 24 Stunden erhalten sie das Prüfergebnis. Wenn Fehler festgestellt werden, hat der Mineko-Kunde die Wahl, ob er sich mit einem Widerspruchschreiben selbst um seinen Rückzahlungsanspruch kümmert oder Mineko zur Durchsetzung der Forderung nutzt.

 
Die Mietnebenkosten bleiben Mietern oft ein Rätsel. Einer, dem es auch so ging, machte eine Firma draus.

Die Mineko GmbH, sie hat ihren Sitz in der Berliner Uhlandstraße nahe dem Kurfürstendamm, wurde 2014 von Daniel Schlör (1978 geboren) und Chris Möller (1972 geboren) gegründet. Eigentümer sind neben den Gründern Business Angels wie Steffen Groß, Klemens Klein und Oliver Weyergraf. Der Diplom-Verwaltungswirt Daniel Schlör führt gegenwärtig die Geschäfte mit sieben Mitarbeitern. Er verantwortet die Unternehmensentwicklung, während Möller Online-Marketing und Produkt unterstützt.

Schon mehrere Unternehmen gegründet

Das Duo hatte schon früher Unternehmen gegründet, der gebürtige Schweizer Chris Möller sogar mehrfach. Auch die Idee zu Mineko kam von Möller, der 2013 eine ungewöhnlich hohe Nebenkostenabrechnung erhielt und sah, dass das ein weitverbreitetes Problem ist. Bis zum Start des Unternehmens verging mehr als ein Jahr mit einer Marktforschungsstudie, der Analyse von Umsetzungsmöglichkeiten und der Entwicklung eines digitalen Regelwerks. Am Ende verkürzte Möller den nüchternen Begriff „Mietnebenkosten“ zum griffigen, japanisch klingenden Namen „Mineko“ und brachte einen Großteil des Kapitalbedarfs in das neue Start-up ein - bis heute insgesamt rund 250.000 Euro. Der Rest, etwa 150.000 Euro, kam von Business Angels wie Oliver Weyergraf.

Den Service von Mineko macht attraktiv, dass Nutzer ohne Risiko bleiben: „Sollte die Abrechnung falsch sein, übernehmen wir auf Wunsch den Rückforderungsanspruch des Mieters und verdienen dann anteilig an den erfolgreich durchgesetzten Rückzahlungsansprüchen“, sagt Schlör. „Unsere Provision variiert dabei in Abhängigkeit von der Höhe des Rückzahlungsanspruchs und der Risikokalkulation.“

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Ärgerliche Fehler in Mietnebenkostenabrechnungen gebe es zuhauf. Ursache sei, dass viele Wohnungen ohne Einzelfallprüfung über standardisierte Prozesse abgerechnet würden, sagt Schlör. Zudem ändere sich das Mietrecht häufig, und nicht alle Vermieter seien über die aktuellen Änderungen informiert. Die Erweiterung des Geschäftsmodells hin zur Übernahme der Forderungen als lizenzierter Inkasso-Betrieb werde von den Kunden sehr gut angenommen.

Eigene Juristen und Mietrechtsexperten

Für die Prüfergebnisse sind bei Mineko eigene Juristen als Mietrechtsexperten tätig. Sie kontrollieren die Nebenkostenabrechnungen auf formale Richtigkeit, die Umlagefähigkeit der aufgeführten Posten sowie korrekte Verteilerschlüssel. Immer wieder stellen sie fest, dass Mieter vor allem beim Auszug oder Neueinzug zu viel zahlen. Nach der Übernahme der Forderung setzt sich Mineko mit dem Vermieter in Verbindung und bemüht sich zunächst auf der Grundlage eines fundierten Berichts, den Rückzahlungsanspruch außergerichtlich zu realisieren. Meist reagieren die Vermieter schnell und kooperativ. „Nur in letzter Konsequenz gehen wir mit den Forderungen in ein gerichtliches Mahnverfahren“, sagt Schlör. „Hierzu ist es bis dato aber noch nicht gekommen.“

Nach den Erfahrungen von Mineko bezahlen Mieter im Durchschnitt 260 Euro jährlich zu viel Nebenkosten. Die Beträge, welche die Firma zurückholt, liegen in der Regel zwischen 50 und 750 Euro. Die größte Summe waren 2000 Euro. „Die Höhe des Rückzahlungsanspruchs ist bei privaten Vermietern im Durchschnitt höher als bei Immobiliengesellschaften, die Fehlerquote von 88 Prozent allerdings bei beiden Gruppen identisch“, hat Mineko festgestellt.

Bisher prüfen neben Rechtsanwälten vor allem örtliche Mieterschutzvereine Nebenkostenabrechnungen. „Genau hier machen wir mit unserem Service den Unterschied“, sagen Schlör und Möller: „Über nur einen Datei-Upload bekommen unsere Kunden Geld zurück. Zudem sind wir der erste Anbieter, der sich zu 100 Prozent auf die Prüfung von Nebenkostenabrechnungen konzentriert und das nicht nur als Nebengeschäft betreibt.“

Entwicklung hin zum „Online-Mieterschutzbund“?

Mit dem Erreichen der Gewinnschwelle wird bei Mineko im ersten Quartal 2017 gerechnet. Bereits 2015 verzeichnete man ein Wachstum von 150 Prozent. Die Gründer wollen diese Entwicklung mit einer weiteren Automatisierung ihres Online-Auftritts und mehr Personal forcieren.

Seit Mitte April sammelten sie über das Crowdinvesting-Portal Companisto Geld ein. Diese Aktion ist inzwischen abgeschlossen. Es kamen insgesamt 266.490 Euro zusammen. Beteiligt haben sich 665 Anleger. Sie sind positiv überrascht, dass ihre Schwarmfinanzierung auch Impulse zur weiteren Entfaltung und Kontakte zu wichtigen neuen Partnern brachte: „Wir sehen eine gute Chance, uns zum Online-Mieterschutzbund zu entwickeln und damit eine wichtige Branche im Bereich Immobilienwirtschaft zu digitalisieren.“

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