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Neues Start-up : Auf der Suche nach dem passenden Schuh

Thomas Harmes - Der Duisburger Gründer der Firma Mitfitto GmbH hat eine neue Technologie entwickelt, um Füße besser vermessen zu können und will seinen Kunden den Schuhkauf erleichtern. Bild: Edgar Schoepal

Das Start-up Mifitto vermisst Füße und Schuhe – und empfiehlt dann ein geeignetes Modell. Die Idee hatten die Gründer, weil sie engagierte Väter sind und weil sie etwas störte: Nie passten die Schuhe für ihre Kinder richtig.

          Das Herzstück der Mifitto GmbH ist ein großer, hellgrauer Kasten, der mitten in der Halle eines ehemaligen Kabelwerks in Duisburg-Wanheimerort thront. Immer drei Paar Schuhe fahren gleichzeitig – in Kartons verpackt – über das Laufband in den Computertomographen hinein. In dem Gerät werden die Schuhe dreidimensional vermessen. Rund 800 Röntgenaufnahmen entstehen von jedem Modell. Mit Hilfe dieser Daten den Schuhkauf zu erleichtern hat sich Mifitto-Mitgründer Thomas Harmes zum Ziel gesetzt. Im Blick hat er dabei das stationäre Geschäft, besonders aber den Onlinehandel, der unter den kostspieligen Retouren ächzt. Gerade wird die 1,7 Millionen Euro teure Anlage mit poppigen Laufschuhen bestückt. Als Nächstes sind Wanderschuhe an der Reihe. In etlichen Kisten stapeln sich außerdem Sneaker, Lederschuhe und Ballerinas. Für die laufende Frühjahrssaison hat Mifitto knapp 250.000 Paar Schuhe vermessen. Insgesamt umfasst die Datenbank des 2012 gegründeten Start-ups die Innenraummaße von gut 1,7 Millionen Paar Schuhen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Der 40 Jahre alte Harmes weiß, wie schwierig es mitunter sein kann, das passende Schuhwerk zu finden. Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann und der Weiterbildung zum Handelsfachwirt arbeitete Harmes erst bei Intersport Voswinkel, dann bei Sport Scheck, zuletzt als Leiter der Filiale auf der Kölner Schildergasse. Die Entstehung von Mifitto – der Name leitet sich aus dem japanischen Wort „fitto“ (gut sitzend) ab – verbindet der Geschäftsführer aber lieber mit Erlebnissen in der eigenen Familie. Für seine beiden Kinder habe er kartonweise Schuhe nach Hause geschleppt, um sie meist am nächsten Morgen wieder mit zurück ins Geschäft zu nehmen. Zu unterschiedlich fallen die Größen bei den verschiedenen Herstellern aus. Harmes’ Schwager Dominic Köhler (38 Jahre) hatte ähnliche Erfahrungen gemacht. Gemeinsam entwickelten sie die Idee zu Mifitto. Später vervollständigte der 24 Jahre alte IT-Spezialist Dominik Lessel das Gründertrio.

          3D-Fußform zur Online-Bestellung nutzbar

          Ein erster, wichtiger Schritt war die Entwicklung einer Smartphone-App zur Fußvermessung für den Schuhkauf im Internet. Die Kunden stellen ihren (größeren) Fuß auf ein DIN A4-Blatt und fotografieren ihn. Anhand des Bildes errechnet die App Länge und Breite des Fußes; seine Fußmaße gibt der Kunde dann beim Onlineshop ein, der sie mit der Mifitto-Schuhdatenbank abgleicht und die am besten geeigneten Modelle empfiehlt.

          Momentan ist die Mifitto-Größenberatung erst bei einigen wenigen Onlineshops wie beispielsweise Runnerspoint, Sidestep, Tennispoint und Shop-Bild im Einsatz. „Wir stehen noch am Anfang“, räumt Harmes ein. Angesichts der hohen Retourenquote im Onlinegeschäft – Schätzungen sprechen für die gesamte Modebranche von 50 Prozent – wittert er großes Potentzial für sein inzwischen 22 Mitarbeiter zählendes Unternehmen. „Wir sprechen derzeit mit etlichen Interessenten“, berichtet er, hält sich zu den Einzelheiten der Wachstumspläne aber bedeckt. Auch konkrete Angaben zum Umsatz von Mifitto scheut Harmes, haben doch auch andere diesen Markt für sich entdeckt – etwa der Anbieter Corpus-E aus Stuttgart und die slowenische UCS, für die der Wiesbadener Hersteller Vitronic einen 3D-Fußscanner entwickelt hat (Frankfurter Allgemeine Zeitung. vom 8. März).

          Bei Sport Scheck heißt es, an der Einführung des Mifitto-Systems im Onlinevertrieb werde gearbeitet. Bislang nutzt die Sportkette die Größenberatung nur in ihren Filialen. In gut der Hälfte der bundesweit 20 Geschäfte stehen von Mifitto entwickelte Fußscanner, die mit Hilfe von sieben Kameras Fuß und Wade vermessen und vor allem beim Kauf von Ski- und Wanderschuhen zum Einsatz kommen. Demnächst soll die so erfasste 3D-Fußform dann auch zur Online-Bestellung genutzt werden können.

          Kleidung vermessen als nächster Schritt

          Vor fünf Jahren war der Sport-Scheck-Mutterkonzern Otto die erste Adresse, der Harmes und Köhler in einem Innovationswettbewerb ihr Konzept vorstellten. Einen Preis erhielten sie zwar nicht, „aber viel Beratung und Austausch“ und vor allem: 6000 Paar Schuhe zum Vermessen – anfangs noch per Zollstock. „Füße zu vermessen ist einfach, komplex sind die Schuhe“, stellt Köhler fest. Um hier voranzukommen, knüpften sie Kontakt zum Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, das die Vermessungstechnik für den Computertomographen entwickelte. Zur Herausforderung geriet die Finanzierung der 1,7 Millionen Euro teuren Anlage: „Im Gegensatz zu Software-Projekten ist Wagniskapital für Hardware nur schwer zu erhalten.“ Eine Lösung fand sich schließlich durch die Beteiligung von Fraunhofer (24 Prozent) an Mifitto. Zudem gewährten die KfW und die NRW-Bank öffentliche Fördermittel. Weitere 7 Prozent der Anteile liegen beim Family-Office von Hans Wilden, einst Inhaber des heute zu Gerresheimer gehörenden Kunststoffspezialisten Wilden; die drei Gründer halten knapp 70 Prozent.

          Die richtige Zuordnung von Fußmaßen und passendem Schuhmodell ist im Übrigen gar nicht so leicht. So empfiehlt das Deutsche Schuhinstitut, vor den Zehen je nach Schuhtyp zwischen 8 und 15 Millimeter Luft zu lassen, um beim Abrollen genügend Platz zu haben. „Damit fühlt sich aber nicht jeder Kunde wohl“, sagt Harmes. Deshalb haben sie zum Start 2000 Probanden Schuhe anprobieren lassen, um herauszufinden, welcher Spielraum vor der Fußspitze als angenehm empfunden wird. Die Tragegewohnheiten (eng – normal – weit) fragen sie auch im Onlinehandel immer öfter ab.

          In einigen Jahren könnte die Fußvermessung beim Online-Kauf schon wieder überflüssig werden, glaubt Harmes. Wer erst einmal einige Schuhe im Internet bestellt (und auch behalten) hat, dem empfehlen die Anbieter anhand dieser Kaufhistorie geeignete Modelle. Daher haben die Mifitto-Gründer schon den nächsten Schritt vor Augen. Auch Kleidung wollen sie bald vermessen, die entsprechende 3D-Messanlage wird im Sommer geliefert.

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