http://www.faz.net/-gyl-9dyqr

Gründerserie : Mit den Augen den Computer steuern

  • -Aktualisiert am

Stephan Odörfer (links() und Tore Meyer Bild: Jan Roeder

Stephan Odörfer und Tore Meyer wollen, dass ihnen die Technik gehorcht – und nicht umgekehrt. Ihr Clou: Eye-Tracking-Software, die jeden Wunsch von den Augen abliest.

          Was ist die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest? Wer das Internet fragt, erhält die Antwort: 42. Tore Meyer grinst schelmisch, als er das erzählt. Es passt einfach zu gut. Es ist eine Referenz aus einem seiner Lieblingsbücher, „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Sie ist so berühmt geworden, dass Google tatsächlich einfach die Zahl 42 ausspuckt, wenn die Frage eingetippt wird. Vor ein paar Jahren saßen Tore Meyer und sein bester Freund Stephan Odörfer zusammen und grübelten, wie sie ihr gerade gegründetes Unternehmen nennen könnten. Irgendjemand aus dem Team kam auf die Idee, das Durchschnittsalter aller Mitarbeiter auszurechnen. Ergebnis: 42. Ein Zeichen, dachten die Gründer. Und sie nannten ihr Unternehmen „4tiitoo“, ausgesprochen klingt das wie 42 auf Englisch.

          Ob sie wirklich die Antwort auf alles geben? Eher nicht – aber sie verändern die Kommunikation mit Computern. „Unsere Geräte sollten uns nicht vorschreiben, wie wir uns mit ihnen zu verständigen haben, sie sollen uns einfach verstehen“, sagt Odörfer. Er denkt da zum Beispiel an die Maus – entwickelt wurde sie lange vor Touchscreen und Sprachsteuerung, als Hilfsmittel, um auf der virtuellen Oberfläche des Computers klicken zu können. Mittlerweile ist sie veraltet, doch fast alle benutzen sie noch. Und das, obwohl viel Zeit verlorengeht, wenn der Zeiger jedes Mal umständlich über den Bildschirm geschoben werden muss. Gesund ist es auch nicht – die „Maushand“, eine Entzündung der Handgelenksehnen, kennen viele, die lange im Büro arbeiten.

          Die Gründer wollen das ändern. Der Kern ihrer Idee ist Eye-Tracking. Ein schmales Gerät, das am Bildschirm des Computers angebracht wird, verfolgt und erfasst die Bewegungen der Pupille. Denn automatisch schaut man dorthin, wohin man klicken will, und die Muskeln am Auge sind die schnellsten im Körper. Das Gerät gibt es schon, von verschiedenen Herstellern. Aus der Verfolgung der Augen folgt jedoch erst mal nichts, kein Arbeitsauftrag geht an das System des Computers. Odörfer und Meyer haben mit „Nuia“ ein Programm entworfen, das den Bewegungen der Pupille Bedeutung zuordnet.

          Kein Bällebad, keine Europaletten

          Blickt der Nutzer auf eine Zeile in einer Exceltabelle, teleportiert sich der Mauszeiger dorthin. Schaut er auf das Symbol für „Schließen“, beendet sich die Anwendung. Ist der Blick beim Lesen an das Ende der angezeigten Seite gewandert, scrollt „Nuia“ automatisch weiter. Das Programm erkennt, was wo auf dem Bildschirm ist, und was der Nutzer damit vielleicht machen will. „Wir wollen die tägliche Arbeit damit effizienter und angenehmer machen“, sagt Odörfer.

          „4tiitoo“ sitzt in einem Co-Working-Space mit schlichten Büroräumen an der Sonnenstraße in München. Kein Bällebad, keine Europaletten, auf denen Latte macchiato getrunken wird für die 18 Mitarbeiter. Odörfer würde sagen: Es ist funktional. Er mag das Wort, denn es beschreibt auch, was er von Technik erwartet. Dass sie läuft und tut, was er will – nicht umgekehrt.

          Meyer und Odörfer tragen beide ein weißes Hemd, Jeans und Dreitagebart. Sie kennen sich seit der Grundschule, sind beide 41 Jahre alt und haben am gleichen Tag Geburtstag. Die beiden haben viel miteinander erlebt: Sie schrieben in Franken ihr Abitur, reisten durch Florida, machten ihren Fallschirmspringerschein. Und sie haben schon ein anderes Unternehmen gegründet. 2007 war das, sie entwickelten ein Tablet. Doch es war schwierig, jemanden zu finden, der in ihre Idee investieren wollte. Mit der Finanzkrise 2009 wurde es noch schwieriger, Geldgeber zu finden. 2010 kam Apple mit dem iPad. 2013 mussten sie für ihr Unternehmen Insolvenz anmelden. Doch entmutigen ließen sie sich nicht. Ende 2013 gründeten sie eine neue GmbH und setzten alles auf Eye-Tracking-Software.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Weiter, immer weiter

          Ein wenig Bewegung gab es beim Treffen zwischen der britischen Premierministerin Theresa May und den EU-Staats- und Regierungschefs dann doch. Die Irland-Frage aber bleibt der „Gordische Knoten“ der Brexit-Verhandlungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.