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Rätselhafte Ärzte-Sprache : Die Dolmetscher für das Medizinerdeutsch

Ansgar Jonietz Bild: Robert Gommlich

„Was hab’ ich?“ Das will eigentlich jeder Patient über seine Krankheit wissen. Doch allzu oft ist komplett unverständlich, was Ärzte in Befunde schreiben. Wie ein Start-up das ändern will.

          Die Frage nach dem Geschäftsmodell irritiert Ansgar Jonietz nur kurz. „Da steckt kein richtiger Business Case dahinter“, sagt er. Jonietz muss es wissen. Der 31 Jahre alter Informatiker ist schließlich einer der letzten noch aktiven Gründer von „Was hab’ ich?“. Und da das Unternehmen fünf Jahre nach dem Start noch existiert, neben Jonietz fünf Beschäftigte ernährt und er von Kundenanfragen überhäuft wird, kann das also nur die halbe Wahrheit sein. Die ganze lautet so: „Was hab’ ich?“ ist eine gemeinnützige GmbH, die bisher von freiwilligen Spenden, Preisen und Förderern lebt. Das könnte sich bald ändern. Doch der Reihe nach.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Gründungsgeschichte des Sozialunternehmens „Was hab’ ich?“ ist schnell erzählt. Die Freundin der Mutter einer Dresdner Medizinstudentin hatte eine unverständliche Diagnose ihres Arztes bekommen. Ob die medizinisch versierte Tochter das nicht mal eben so übersetzen könne, dass es auch ein medizinischer Laie verstehe? Die Tochter konnte.

          So entstand beiläufig aus einer Gefälligkeit eine Website und wenig später ein kleines Unternehmen mit dem Geschäftszweck gesundheitlicher Aufklärung. Das geht so: Patienten reichen elektronisch ihre Befunde ein, die werden von Medizinern „übersetzt“. Abrufen kann der Patient den Befund mit einem passwortgeschützten Link. Die Wartezeit beträgt im Schnitt ein paar Tage. Die Dienstleistung kostet den Patienten nichts.

          Das virtuelle Wartezimmer öffnet fünfmal in der Woche

          Über die Jahre wurde das System professionalisiert. Wie eine Arztpraxis öffnet morgens um 7 Uhr fünfmal in der Woche das virtuelle „washabich.de“-Wartezimmer. Wenn sich 30 Interessenten gemeldet haben, schließt es. Nachzügler müssen es am nächsten Morgen versuchen. Wer früh genug war, bekommt eine E-Mail mit Zugangsdaten. An die kann er seine Unterlagen mailen, gescannt oder getippt, zur Not auch per Fax oder Briefpost. Die persönlichen Daten sollten geschwärzt werden. „Was hab’ ich?“ erfragt nur das Geschlecht und das Geburtsjahr.

          Die Befunde werden dann in einem nur für Mitglieder zugänglichen Netzwerk veröffentlicht und von Freiwilligen abgearbeitet. Mehr als 1500 haben sich daran bisher beteiligt, aktuell seien es zwischen 80 und 100, sagt Jonietz. Das sind Medizinstudenten ab dem achten Semester. Aber auch pensionierte Ärzte tummelten sich dort, um für Gotteslohn oder zur eigenen Fortbildung anderer Mediziner Diagnosen zu übersetzten. Dabei stellt er klar, was „Was hab’ ich?“ nicht leistet: Beratung, Zweitmeinung oder Ähnliches. „Wir erklären nur, was andere Ärzte aufgeschrieben haben.“ Er nennt das „Arzt und Patient auf Augenhöhe bringen“.

          Das haben sie schon beinahe 29.000 Mal getan. Jeden Tag kommen weitere Anfragen hinzu. Die Patienten reagierten fast immer dankbar, sagt Beatrice Brülke, im Team für die Kommunikation und sprachliche Begleitung der freiwilligen Übersetzer zuständig. Patienten berichten, sie fühlten sich vor einer OP besser informiert, gingen in den Eingriff mit weniger Angst und nähmen ihre Arzneimittel regelmäßiger. Selbst Ärzte bedankten sich für die Übersetzungshilfe an ihre Patienten. Einer habe sogar einen Scheck geschickt.

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