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Comic-Unternehmer in Pakistan : Zeichnen für die Menschenrechte

Imran Azhar will mit Comics die pakistanische Gesellschaft verändern. Bild: Christoph Hein

Ein Comicverlag in Karachi versucht, Kinder für ein Leben jenseits von Bomben und Verbrechen zu gewinnen. Demnächst sollen die Hefte auch auf Deutsch erscheinen.

          Das Lachen breit, die Hände beim Sprechen immer in Bewegung: Wenn Imran Azhar ins Reden kommt, fällt es schwer, Distanz zu wahren. Mitreißend, unterhaltsam, fesselnd legt er sein Gedankengebäude da. Und da gibt es einiges zu erzählen. Der Pakistaner versteht sich als Unternehmer. Aber auch als Utopist, als Träumer und Täter, als Weltveränderer, der Geld verdienen will.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          So etwas geht auch in Karachi. Die pakistanische Wirtschaftsmetropole mit ihren mehr als 15 Millionen Menschen ist weder ein einfacher Platz zum Leben, noch ist es hier leicht, Geld zu machen. Zumindest dann nicht, wenn man sich im Verlagswesen tummelt – wie Azhar. Zudem ist er auch noch ein Neuling. Denn über viele Jahre hat der junge Muslim, der erst eine christliche Schule in Karachi besuchte, dann eine Hotelausbildung in Österreich machte, Häuser in Afrika geleitet, zuletzt auf den Seychellen. Dann aber zog es ihn zurück in seine Heimat. Karachi, einst gebrandmarkt als „die gefährlichste Stadt der Welt“, war ein wenig sicherer geworden. Es war Zeit für frischen Wind.

          Um genau den ging und geht es dem 49 Jahre alten Pakistani. Seine Firma AZ Corp sitzt dort, wo man kein Unternehmen und schon gar keine Weltverbesserer erwartet. Inmitten des edelsten Viertels der Stadt, nahe der Konsulate und der neuen, blitzblanken Einkaufsmeile Dolmen Mall, empfängt Azhar in einer weißen Villa hinter hohen Mauern. Hier aber wartet keiner der reichen Textilunternehmer oder Manager eines ausländischen Chemiekonzerns auf den Gast, sondern ein glatzköpfiger Hüne mit breitem Lachen: Azhar unterwandert die pakistanische Gesellschaft aus deren Zentrum heraus. Seine Mitstreiter sind junge Frauen mit und ohne Kopftuch, die mehr oder weniger frisch von der Designhochschule stammen. Ihre Waffen sind – Comics.

          Jagd auf Waffenhändler und Verbrecher

          Die aber haben es in sich. So schickte Azhar 2015 als erstes das „Team Muhafiz“ (Beschützer) auf die dunklen Straßen Karachis. Dort jagen die sieben Jugendlichen Verbrecher und decken Ungerechtigkeiten auf. Doch die jungen Detektive sind anders: einer ist Hindu, eine Christin ist dabei, ein Mädchen aus Hunza vom Lande, eine Muslimin und eine Menschenrechtsanwältin, wie sie auch in London arbeiten könnte – kurz das ganze Spektrum der jungen Gesellschaft Pakistans.

          Diese Gruppe der globalen Guten jagt nun Waffenhändler, Bosse, die Bäume fällen lassen wollen, Verbrecher, die Frauen mit Säure verletzen wollen, oder alte Muslime, die sehr junge Hindu-Mädchen für eine Nacht schänden wollen. Kurz: Sie setzen sich für universelle Menschenrechte in einem sehr schwierigen Umfeld ein.

          Geschrieben hat das Hauptwerk des Hauses Azhar selbst, gezeichnet aber hat es ein Inder. Was in Berlin oder Frankfurt als normal gelten würde, ist es in Pakistan noch lange nicht. Denn Indien und Pakistan sind verfeindete Brüder, tragen im Monatsrhythmus Grenzkonflikte aus, haben einen kaum durchdringlichen Zaun errichtet.

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