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Die Gründer : Mode ohne Schmerzen

  • -Aktualisiert am

Setzt auf innovative Technik: Unternehmerin Jacqueline Yildirim Bild: Marcus Kaufhold

Schmerzende Füße sind lästig. Bequeme Schuhe sehen aber meist nicht schick aus. Jacqueline Yildrim verkauft im Internet modische Schuhe, die bequem zu tragen sind.

          High Heels zählen zur Leidenschaft von Jaqueline Yildirim. Die 44 Jahre alte Diplom-Betriebswirtin besitzt selbst 100 Paar davon und trägt sie regelmäßig, auch beruflich. Vor ein paar Jahren habe sie nach einer Veranstaltung ihres einstigen Arbeitgebers, des Softwareentwicklers SAP, die Schuhe ausgezogen und sei barfuß zurück ins Hotel gelaufen. „Die Füße schmerzten“, sagt sie. Das war der Ausgangspunkt, sich Gedanken über einen schmerzfreien und zugleich modisch hohen Schuh zu machen. Daraus entstand die Ende 2014 gegründete Jacq. GmbH in Mannheim, die Ende nächsten Jahres die ersten eigenen Schuhe über das Internet verkaufen will. Dabei kommt eine neu entwickelte Software zum Einsatz, die es ermöglicht, noch während des Bestellvorgangs die Füße der Käuferin mit Hilfe des eigenen Mobiltelefons einzuscannen. Und zwar in 3D-Technik. Yildirim setzt dabei auf den Trend, dass die neuen Smartphones von den Herstellern mit 3D-Kameras ausgestattet werden.

          „Es war nie ein Traum von mir, selbständig zu sein“

          „Es war nie ein Traum von mir, selbständig zu sein.“ Am Anfang habe sie ihr Projekt noch nach der Arbeit bei dem Softwarekonzern vorangetrieben, bei dem sie unter anderem auch im Bereich mobiler Anwendungen tätig war. Doch das war auf die Dauer nicht zu schaffen. Im Frühjahr 2016 gab sie ihre feste Stelle auf, um ihre Geschäftsidee von schönen und zugleich bequemen hohen Schuhen umzusetzen. Sie steckte ihre gesamten Ersparnisse in ihr Unternehmen. „Andere Menschen kaufen sich eine Eigentumswohnung.“ Am Anfang ging es ihr nur darum, ein entsprechendes Dämpfungsmaterial zu finden, damit der Schuh nach mehrstündigem Tragen im Alltag nicht schmerzt. Herkömmliche Materialien wie Schaumstoff oder Gelee seien nicht geeignet. Nach drei Versuchen mit Prototypen, die mit Hilfe eines Orthopäden und eines Schuhmodelleurs angefertigt wurden, kam die Ernüchterung. „Das hat alles nicht viel gebracht.“ Doch die Mutter einer fast erwachsenen Tochter gab nicht auf, stieß auf ein amerikanisches Unternehmen und entwickelte mit dessen Hilfe einen Werkstoff, der die Wirkung der Bandscheibe im menschlichen Bewegungsapparat nachahmt und als Dämpfung für die Fußsohlen wirkt. Comduren sei ein intelligenter Kunststoff, der bei Krafteinwirkung dämpfende Eigenschaften entfalte.

          Nun hätte es eigentlich mit der Schuhproduktion losgehen können. Dann rückte eine Schwierigkeit des Online-Handels in den Fokus: Frauen lassen sich oft mehrere Größen schicken, weil die Schuhe je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen. Nach Angaben von Handelsforschern beträgt die Rücksendequote im Modehandel in Deutschland mehr als 50 Prozent. Dies führt zu einer hohen Kapitalbindung und hätte das noch junge Unternehmen überfordert. Yildirim kam auf die Idee, die Füße digital mit Hilfe des eigenen Mobiltelefons zu vermessen.

          Sie nahm Kontakt zu ihrem alten Arbeitgeber auf. SAP unterstützte sie und ihr Team bei der Entwicklung der entsprechenden App, mit deren Hilfe der Fuß während des Bestellvorgangs des Schuhs vermessen wird, indem man mit dem Handy ein 3D-Bild erstellt. Sind die Daten ermittelt, kommt die Analysesoftware Hana des Walldorfer Konzerns zum Einsatz, mit deren Hilfe dann der passende Schuh gefunden wird. „Größe 37 unterscheidet sich nämlich bei den Schuhherstellern.“ Das System erkennt, ob es bei dem speziellen Hersteller Größe 37 oder 38 ist. So sollen Rücksendungen wegen falscher Größe oder der Passform vermieden werden. Auf diese Gründe entfallen traditionell 70 Prozent der Rücksendungen von Schuhen.

          Mehrere bekannte Schuhhersteller sind interessiert

          Für die nun an den Start gehende neue App interessieren sich laut Yildirim bereits mehrere bekannte Schuhhersteller. Sie kann sich vorstellen, dass die Software auch für den Kauf von Kleidung eingesetzt werden kannund auch dort die Menge der Rücksendungen reduziert. Das System sei nicht nur auf Schuhe beschränkt. Und für den neuen Dämpfstoff gebe es auch schon Kunden. Der Verkauf erfolge über ein Lizenzmodell.

          In der Entwicklung der App hat sie Tempo gemacht. Sie wollte die Nase vorn haben, um keine Zeit gegenüber möglichen Mitbewerbern zu verlieren. Ihre erste eigene Kollektion von High Heels will sie spätestens Ende nächsten Jahres auf den Markt bringen. Es gebe schon 1000 Vorbestellungen, obwohl es die Schuhe noch nicht zum Kaufen gibt. Yildirim will die auch von ihr entworfenen Modelle in Italien produzieren lassen. Ein Paar Stöckelschuhe soll ab 400 Euro zu haben sein. „Feinstes Ziegenleder gibt es nicht für fünf Euro“, sagt sie. Wichtig sei auch die Verarbeitung des Materials. Deshalb komme eine Produktion in Asien nicht in Frage. 2019 soll die Jacq. GmbH die Gewinnschwelle erreichen. Yildirim hat mehrere private Investoren überzeugt. Inzwischen ist auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg mit von der Partie. Yildirim benötigt nun IT-Fachleute. Und da hat sie im Südwesten eine bekannte Erfahrung gemacht: „Hier ist es sehr schwer, Personal zu finden.“ In Berlin sei das einfacher.

          Quelle: F.A.Z.

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