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Kulinarische Gründung : Die deutschen Dönermänner aus Brooklyn

Michael Stark (links) und Erkan Emre Bild: Kai Nedden

Gibt’s eigentlich Döner in New York? Das fragte sich ein Deutschtürke, der dort hingezogen war. Die Antwort war: leider nein. Deshalb versucht sich der junge Mann nun mit einem Mitstreiter an seinem eigenen Dönerunternehmen.

          New York hat immer mehr deutsche Restaurants. Es gibt „Zum Schneider“, „Loreley“ und „Lederhosen“, erst kürzlich machte „Studio Kraut“ auf. Die Lokale ziehen Deutsche an, die in New York leben und ihre heimische Küche vermissen, aber auch viele Amerikaner. Die Speisekarten dieser Restaurants sind recht ähnlich. Fast überall findet man Schnitzel, Bratwurst und Brezeln, also all die kulinarischen Dinge, für die Deutschland gemeinhin bekannt ist. Erkan Emre und Michael Stark gehen nun einen etwas anderen Weg, um den New Yorkern deutsche Gastronomie näherzubringen. Sie betreiben seit einigen Monaten einen Imbissstand im Stadtteil Brooklyn und verkaufen hier „Berliner Street Food“. Aber ihr Essen dürfte vielen Amerikanern auf den ersten Blick gar nicht typisch deutsch vorkommen. Denn der 39 Jahre alte Emre und der zehn Jahre ältere Stark haben nicht Bratwürste und Brezeln im Angebot, sondern - Döner Kebab.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Und so sieht es auf dem Stand der beiden ähnlich aus wie in den Tausenden von Dönerbuden, die es in Deutschland gibt: Rotierende Spieße, auf denen das Fleisch gegrillt wird, Behälter mit Zutaten wie Tomaten, Rotkohl und Schafskäse sowie Plastikflaschen mit diversen Soßen. Auch Spezi und Apfelschorle werden verkauft. Ihren Betrieb haben die New Yorker Dönermänner „Kotti“ genannt, nach dem Kottbusser Tor in Berlin, in dessen Nähe Emre aufgewachsen ist.

          Döner mag kein urdeutsches Gericht sein. Aber das mit Fleisch gefüllte Fladenbrot gehört zu den Lieblingsimbissen der Deutschen und ist hierzulande ein Milliardengeschäft. Wie Emre erzählt, unterscheidet sich der türkische Döner Kebab erheblich von der deutschen Version. So werde in der Türkei auf Soßen und viele andere Zutaten wie Rotkohl verzichtet, und Döner werde mit einem baguette-ähnlichen Weißbrot serviert.

          Den Imbiss einfach vermisst

          Emres Eltern stammen aus der Osttürkei, aber er selbst ist in der Döner-Hochburg Berlin geboren und wuchs deshalb auch mit der deutschen Variante auf. Und genau diesen Imbiss vermisste er, als er 1997 nach New York zog. Es gab zwar verwandte Gerichte wie Gyros und Schawarma, aber eben nicht den gewohnten Döner. Irgendwann googelte er, wo man den Snack in New York finden kann, stieß dabei aber nur auf andere frustrierte Online-Stimmen, die den Mangel an Döner in der Stadt beklagten.

          Emre war nicht von Anfang an Gastronom. Nach seiner Ankunft in Amerika studierte er zunächst Architektur und arbeitete einige Jahre für den renommierten Architekten Peter Eisenman. Später verlagerte er sich auf die Entwicklung und Finanzierung von Bauprojekten und heuerte bei einer Immobilienfirma in Brooklyn an. Vor etwa drei Jahren reifte in ihm der Entschluss, ein Dönerunternehmen zu gründen, und er konnte Michael Stark als Partner für das Projekt begeistern. Stark, ein gebürtiger Heilbronner, ist gelernter Koch und blickt auf eine lange Karriere in der Gastronomie und Hotellerie zurück. Er arbeitete schon auf einem Luxusdampfer, als Privatkoch für einen reichen Südseebewohner auf Tahiti sowie im New Yorker Restaurant „Tribeca Grill“, zu dessen Miteigentümern der Schauspieler Robert de Niro gehört. Seit dem Jahr 2000 ist er bei Fresh Direct beschäftigt, einem in New York sehr populären Online-Händler für Lebensmittel. Von Döner hatte Stark wenig Ahnung, als Emre die Idee an ihn herantrug. Deshalb nahm Emre ihn auf eine Verkostungstour nach Deutschland, wo er sich durch sieben verschiedene Döner probierte. Das reichte, um ihn zu überzeugen, dass sich damit in New York ein Geschäft machen lassen könnte.

          Emre und Stark fingen an, eine Rezeptur für ihren Döner zu entwickeln. Zum Beispiel eine Gewürzmischung zusammenzustellen, in der das Fleisch 24 Stunden mariniert wird. Und sich zu überlegen, was neben Fleisch alles in den Döner hinein soll. Sie beschlossen, als Füllung neben Salaten auch gegrilltes Gemüse wie Zucchini und Auberginen anzubieten. Und sie entschieden sich dafür, ihren Döner mit Hühnchenfleisch statt dem in Deutschland oft verwendeten Rind- und Kalbsfleisch zu verkaufen, weil sie meinten, das würde in New York besser ankommen.

          Urteil der Testesserin: „Das ist authentisch“

          Eine der wichtigsten Fragen war es, wo der Döner verkauft wird. Emre und Stark suchten nach einem Weg ohn allzu hohe Investitionen. Einen eigenen Dönerladen zu eröffnen hätte nach ihren Schätzungen bis zu 300.000 Dollar gekostet. Also kam ihnen die Idee, es stattdessen erst einmal bei Smorgasburg zu versuchen, einem bei Einheimischen und Touristen extrem populären Markt mit rund hundert Imbissständen, der zwischen April und November an Wochenenden in Brooklyn stattfindet. Smorgasburg ist eine beliebte Plattform für New Yorker Gastronomieunternehmer, die nicht gleich ein eigenes Restaurant betreiben wollen.

          Angesichts der wachsenden Zahl solcher Start-ups ist es schwer, einen Platz auf dem Markt zu ergattern. Emre erzählt, nur rund zwei Dutzend neue Anbieter seien in diesem Jahr zugelassen worden, und Kotti habe sich unter 1500 Bewerbern durchgesetzt. Dem Dönerprojekt kam zugute, dass die Frau eines der Smorgasburg-Betreiber aus Berlin stammt und zufällig bei einem Testessen dabei war, das Bewerber absolvieren müssen. „Das ist authentisch“, sei ihr Urteil gewesen. Danach stand der Teilnahme auf dem Imbissmarkt nichts im Wege, und Emre und Stark konnten die Investitionen in ihr Unternehmen erst einmal auf jeweils 50.000 Dollar beschränken. Seit April verbringen Emre und Stark nun neben ihren Hauptberufen ihre Wochenenden als Dönerverkäufer. Ihr Döner kostet 13 Dollar, ist also kein ganz billiges Vergnügen, so wie in Deutschland, wo der Imbiss oft zu Kampfpreisen angeboten wird. Demnächst wollen sie sogar 14 Dollar verlangen, zumal sie mit der bisherigen Resonanz zufrieden sind. An guten Tagen verkauften sie bis zu 400 Döner. Das macht ihnen Hoffnung, vielleicht mal ein Dönerlokal eröffnen oder eine amerikaweite Kette daraus machen zu können.

          Quelle: F.A.Z.

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