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Gründerserie : Warnsignale an den Tauchpartner

  • -Aktualisiert am

Michael Feicht (rechts) und Eduard Sabelfeld Bild: Verena Müller

Tauchen ist gefährlich und kann tödlich enden, wenn nicht schnell Hilfe zur Stelle ist. Ein neues Ultraschall-Gerät soll den Sport sicherer machen. Erfunden haben es zwei Ingenieure und leidenschaftliche Hobbytaucher.

          Die Idee wurde 2008 am Great Barrier Reef in Australien geboren. „Ich verlor dort unter Wasser plötzlich meinen Tauch-Partner aus den Augen, fiel von 18 Meter Tiefe auf 24 und bekam es mit der Angst zu tun. Die Sache ging gut aus. Aber eine solche Situation wollte ich nie wieder erleben“, erzählt der heute 34 Jahre alte Michael Feicht. Nach seiner Rückkehr vom fünften Kontinent dachte der passionierte Taucher zusammen mit seinem ein Jahr jüngeren Kommilitonen und Mittaucher Eduard Sabelfeld darüber nach, wie man ihren Lieblingssport sicherer machen kann. Da sie keine passende Lösung auf dem Markt fanden, tüftelten die beiden angehenden Ingenieure in dreieinhalb Jahren eine eigene Technologie aus. 2012 gründeten sie dazu eine Firma mit dem sprechenden Namen Free-Linked GmbH. Feicht schrieb flankierend seine Diplomarbeit über die „Entwicklung eines Distanzkontrollsicherheitssystems für den Unterwasserbereich“. Am Ende stand die Serienreife eines programmierbaren sogenannten Wearable, das Tauchpartnern Kontakt durch Ultraschall und bessere Orientierung unter Wasser möglich macht. Verkaufsstart war der November 2014 online über www.buddy-watcher.de sowie Fachgeschäfte für Taucherbedarf in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

          Feichts und Sabelfelds Minicomputer wird wie eine Armbanduhr getragen. Per Knopfdruck über einen Ruf-Button sendet er vibrierende Ultraschall-Alarmsignale an den Gerätezwilling beim Tauchpartner, sobald dessen Aufmerksamkeit unter Wasser nötig wird. Zusätzlich warnt ein präventiver Abstandsmesser, wenn eine zuvor festgelegte Distanz zum Mittaucher überschritten wird. Das Buddy-Watcher-System kann auf ganze Gruppen ausgedehnt werden, was es für Tauchlehrer interessant macht.

          Ultraschall sei unter Wasser die einzige Möglichkeit zur Kommunikation über längere Entfernungen, sagen die beiden Jungunternehmer. Niemand vor ihnen habe Schallwellen für diesen Zweck und so ökologisch schonend und erschwinglich nutzbar gemacht: Das Signal des Buddy-Watchers funktioniert auf bis zu 80 Metern Reichweite und noch in 60 Meter Tiefe. Es gelangt lautlos und personalisiert zum Empfänger, so dass Meerestiere nicht aufgeschreckt werden. Ein paariges Basic Set mit zwei Standard-Buddy-Watchern kostet 199,98 Euro.

          Der „Buddy“ als Lebensversicherung

          Höhere Sicherheit, weniger Stress und damit mehr Spaß unter Wasser versprechen die Entwickler. Schließlich geht ein Viertel aller Tauchunfälle auf den Verlust des Tauchpartners zurück, und mehr als acht von zehn davon enden tödlich. Unterwassersportler tauchen darum nur zu zweit. Der „Buddy“, wie im Szene-Jargon der Tauchpartner genannt wird, gilt als beste Lebensversicherung, wenn die Ausrüstung Schaden nimmt oder der Taucher bewusstlos wird. Um den Begleiter nicht zu verlieren, behalfen sich Tauchsportler bislang mit einer Sicherungsleine sowie Tröten für akustische Notrufe.

          Dass es das digitale und damit modernste Taucher-Assistenz-System ausgerechnet von Pforzheim aus in die Welt geschafft hat, kommt nicht von ungefähr: Die Goldwaren- und Feinmechanik-Stadt hat eine Fachhochschule, deren Professoren offenbar junge Talente wie Michael Feicht und Eduard Sabelfeld gern fördern. Der gebürtige Pole Feicht studierte Maschinenbau, sein von Geburt russischer Kommilitone Sabelfeld Wirtschaftsingenieurwesen. Kennengelernt haben sie sich „in einer Kaffeepause, als ich meine Diplomarbeit schrieb“, sagt Michael Feicht.

          Für seine Diplomarbeit hatte Feicht einen Kredit von 3700 Euro aufgenommen. „Parallel dazu jobbte ich als Barkeeper. Dieses Kapital wurde zum Start für den Buddy-Watcher“, erzählt er. Gemeinsam mit Sabelfeld bewarb er sich dann um ein Exist-Gründerstipendium des Bundes, das im Juni 2010 gewährt wurde. Es finanzierte für ein Jahr Lebensunterhalt, Sachausgaben und Coaching und brachte etwa 100.000 Euro. Die Hochschule bot ergänzend Arbeitsraum, Infrastruktur sowie Knowhow, um den Prototypen für Buddy-Watcher und einen Businessplan zu entwickeln. Gründerwettbewerbe halfen Feicht und Sabelfeld dabei, Investoren und Business-Angels zu interessieren. Aus fünf Quellen dieser Art flossen bis heute 525.000 Euro in die Free-Linked GmbH. Förderungsprogramme und Innovationsprämien aus dem Land Baden-Württemberg und zahlreiche Preise bescherten weitere 500.000 Euro.

          Umsatz um 300 Prozent gesteigert

          Die beiden Gründer - sie halten hundert Prozent Gesellschafteranteile - führen die Geschäfte der Free-Linked GmbH gemeinsam. Michael Feicht ist zuständig für Entwicklung, Produktion und Unternehmensorganisation, Eduard Sabelfeld für Vertrieb, Marketing und Finanzen. Das Team ist auf vier Vollbeschäftigte sowie einen Werkstudenten und fünf Praktikanten angewachsen, die Produktion eine In-house-Angelegenheit mit zwei Mitarbeitern. Insgesamt wurden bisher mehr als 5000 Buddy-Watcher hergestellt.

          Inzwischen vertreiben neben dem eigenen Online-Shop mehr als 170 Fachhändler in der ganzen Welt das handliche Gerät. „2016 haben wir unseren weltweiten Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 300 Prozent gesteigert“, sagt Feicht. „Rund 4000 Buddy-Watcher wurden in diesem Jahr gekauft. Derzeit haben wir noch höhere Kosten als Einnahmen.“

          „Die Zukunft bietet riesige Potentiale für den Buddy-Watcher, auf den seit 2012 ein Patent angemeldet ist“, sagen die beiden Diplomingenieure. Es gebe mehr als 50 Millionen Unterwassersportler auf der Welt, und das Marktvolumen für Tauchsport belaufe sich auf etwa acht Milliarden Dollar im Jahr. Um nach Asien und in die Vereinigten Staaten zu expandieren, sammeln die zwei Jungunternehmer seit Dezember frisches Geld über eine Crowdinvesting-Kampagne bei www.companisto.com/buddy-watcher ein. Sie streben eine Summe von 300.000 Euro an, die ihnen zusätzlich erlauben soll, ihr Produkt weiterzuentwickeln.

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