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Gründerserie : Quereinsteiger mischen den Schweizer Biermarkt auf

Die Aufmischer: Jörg Schönberg (links) und Philip Bucher von der Spezialbrauerei Chopfab. Bild: ©2017 Doppelleu Brauwerkstatt

Ein promovierter Ingenieur mit gutbezahlter Stelle reicht einfach so die Kündigung ein. Er wolle eine Brauerei aufmachen, erklärt er seinem verdutzten Chef. „Der spinnt“, dachte der Chef damals. Heute wäre er wahrscheinlich anderer Meinung.

          Es ist nicht so, dass ihn sein Beruf gelangweilt hätte. Philip Bucher war globaler Marketing-Chef des Schweizer Sanitär- und Haustechnikkonzerns Geberit. In dieser Rolle tingelte der promovierte ETH-Ingenieur munter um die ganze Welt. Eine spannende Aufgabe; eine gutbezahlte dazu. Doch dann reichte er die Kündigung ein. Er wolle sich selbständig machen und eine Brauerei aufmachen, sagte er seinem verdutzten Chef. „Der spinnt“, dachte sich dieser und schüttelte den Kopf. Aber jeglicher Versuch, Bucher von seinem Vorhaben abzubringen, scheiterte. „Ich wollte immer schon Unternehmer werden“, erzählt der heute 43 Jahre alte Schweizer. „Aber zunächst wollte ich lernen, wie man ein Geschäft aufbaut und Märkte erschließt.“

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auf die Idee mit der eigenen Spezialitätenbrauerei kam Bucher während seiner zahlreichen Auslandsreisen, wo er abends nur allzu gerne lokale Biersorten probierte. Ihm fiel auf, dass kleine, unabhängige Brauereien plötzlich allerorten sogenannte Craft-Biere anboten, die weitaus schmackhafter waren als das Einheitsbier der Getränkemultis. Dieser Trend begann in Amerika, breitete sich aber rasch auch in anderen Ländern aus. Dabei erkannte Bucher, dass dieses Geschäft überall auf der Welt dem gleichen Muster folgt: Der Craft-Bier-Markt wächst rund 15 Prozent schneller als der Gesamtmarkt; mit Craft-Bier lässt sich gegenüber herkömmlichen Sorten ein Preisaufschlag von 70 Prozent oder mehr erzielen; richtig erfolgreich ist vor allem derjenige Anbieter, der diesen Markt als Erster professionell und entschlossen aufrollt (neudeutsch: First-Mover-Advantage; altdeutsch: Der frühe Vogel fängt den Wurm).

          In seinem Heimatland wollte Bucher der Erste sein. Der Schweizer Biermarkt war bis 1991 im Rahmen eines offiziellen Kartells unter den Brauereien aufgeteilt. Darunter litten Vielfalt und Qualität der bis heute oftmals allzu faden Schweizer Biere. Wer ein vollmundiges, würziges, kräftiges, fruchtiges, obergäriges Gerstenkaltgetränk kaufen wollte, musste noch bis vor wenigen Jahren auf teure Importbiere zurückgreifen.

          Marktlücke erkannt

          Bucher erkannte die Marktlücke und gründete 2012 gemeinsam mit seinem engen Freund Jörg Schönberg in Winterthur die Doppelleu Brauwerkstatt AG. Als Ökonom und Vertriebsfachmann erwies sich der heute 46 Jahre alte Schönberg als idealer Geschäftspartner. „Wir wissen genau, wie der andere tickt. Die nötige Krisenresistenz ist gewährleistet.“

          Als Dritten im Bunde holten sich die beiden Gründer einen ambitionierten Braumeister zur Seite. Gemeinsam ersonnen sie das obergärige Craft-Bier „Chopfab“. Der schweizerdeutsche Name nimmt Bezug auf die Stadtheiligen von Zürich und Winterthur, die einst in grauer Vorzeit geköpft wurden, sowie auf die Vorfreude auf ein kühles Flaschenbier, bevor es geköpft wird. Ohne auch nur einen Franken Umsatz gemacht zu haben, gelang es den Jungunternehmern, zwei Banken (UBS und Bank Linth) von ihrem Geschäftsmodell zu überzeugen. Die Kredite, flankiert von etwas Erspartem, reichten aus, um für 2,5 Millionen Franken ein gebrauchtes Sudhaus aus den Niederlanden und eine gebrauchte Abfüllanlage aus Deutschland kaufen zu können. 2013 begannen sie mit der Produktion. Und die Flaschen wurden den frisch gebackenen Braupionieren förmlich aus den Händen gerissen.

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