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Gründerserie : Katzenstreicheln zu Kaffee und Kuchen

Thomas Leidner (links) und Kathrin Karl in ihrem Café „Katzentempel“ Bild: Maria Irl

In München gibt es ein Katzencafé. Sechs Stubentiger streichen um die Gäste. Das läuft so gut, dass neue Lokale in anderen Städten folgen werden. Warum bloß, ist das so erfolgreich?

          Macht bloß keine Werbung zur Eröffnung: Diesen ungewöhnlichen Rat gibt Gründer Thomas Leidner seinen Franchise-Nehmern mit auf den Weg. Und dieser Rat, der sich wohl in keinem Start-up-Marketingführer finden dürfte, ist richtig gut. Denn sonst strömen – schon aus reiner Neugier – am Eröffnungstag die Gäste in solchen Scharen, dass die Katzen das nicht gut verkraften würden. Dass sich in den Ferien oder an Wochenenden mitunter Schlangen vor dem Katzentempel in der Münchener Maxvorstadt bilden, daran haben sich die sechs Stubentiger in der Türkenstraße inzwischen gewöhnt.

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Im Münchener Restaurant „Katzentempel“ läuft ohnehin einiges anders als in üblichen Restaurants. Hauptattraktion sind sechs plüschige Katzen, allesamt aus dem Tierschutz gerettet, die im eher nüchtern möblierten Lokal luftige Regalplattformen, Kuschelkissen und vor allem Besucher in Beschlag nehmen. Die selbstbewussten Stubentiger kommen, um zu kuscheln, und rollen sich auf Schößen gemütlich ein – falls es ihnen denn genehm ist. Darauf hoffen die meisten der Gäste, das ist die Attraktion des Lokals und das Alleinstellungsmerkmal.

          „Kein Streichelzoo“

          Tierfreunde juckt es natürlich in den Fingern, eine der Katzen hochzunehmen, das aber ist hier ausdrücklich untersagt. Die Zweibeiner müssen sich mit solchen Übergriffen zurückhalten. Darauf achtet das Personal, das steht so als Infoblatt in der Speisekarte. „Wir sind hier kein Streichelzoo“, stellt Mitinhaberin Kathrin Karl klar. In ihrer Stimme schwingt unhörbar Schärfe mit. Die Betreiber sind ausgewiesene Tierfreunde, ihre bildschönen Samtpfoten sind sogenannte „Zuchtabfälle“, die keiner haben wollte. Asiatische Verhältnisse, wo es Eulencafés mit lächerlich kleinen Volieren gibt, und Hasencafés, in denen die sensiblen Fluchttiere Dauerstreichelstress ausgesetzt sind, das gibt es hier nicht. Vielmehr hat der Katzentempel einen Rückzugsraum, der für Gäste tabu ist. Drinnen stehen Katzenklos, draußen hängt ein Schild: „Privat“.

          Das 60-Plätze-Lokal bietet Stoff für kitschige Tiergeschichten. Zum Beispiel vom dreibeinigen Kater Jack, einem roten Prachtburschen, der seit einem Unfall lädiert und eine Art Liebling aller ist. Oder von Balou, der mürrisch aussieht wie Internetstar Crumpy Cat, sich manchmal von Schoß zu Schoß schmust, sich dann aber wieder auf seinen Beobachtungsposten in der Hängematte zurückzieht. An diesem Morgen widmen sich die beiden Siamkatzen erst mal ausgiebig ihrem Trockenfutterautomat, bevor sie die Lage sondieren und sich neben zwei Studentinnen niederlassen, die hocherfreut Streicheleinheiten spendieren. Es gibt Männer in Anzügen, die sich zur Mittagspause verabreden, um nebenher einen Blick auf die eleganten Tiere zu werfen. Oder Leute vom Land, die in die Millionenstadt München gezogen sind und jetzt schmerzlich ihre Haustiere vermissen. Neulich hat sich ein Busunternehmen vom Bodensee angemeldet, dessen „Fahrt ins Blaue“ einen Großteil der katzennärrischen Senioren begeisterte. „Anschließend war die Kuchenvitrine leer. Balou hat sich von drei Gästen gleichzeitig streicheln lassen“, sagt Thomas Leidner.

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