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Gründerserie : Die Welt-Checker

Rolf Zimmer (rechts) und Heiko Schwarz Bild: Jan Roeder

Im globalen Produktionsnetzwerk genügt eine kleine Störung – und schon steht die Werkbank still. Damit es selten dazu kommt, haben Heiko Schwarz und Rolf Zimmer ein Frühwarnsystem entwickelt.

          Es kann vorkommen, dass eine Einspritzpumpe von Bosch auf dem Weg von einzelnen Bestandteilen bis zum Endprodukt 40.000 Kilometer um den Globus reist. Und das Phänomenale, sagt Heiko Schwarz von Riskmethods, sei, dass sich das rechnet. So läuft es auf der Werkbank namens Welt. Die Globalisierung hat ein gigantisches Netzwerk von Produktionsstätten, Zulieferern und Sublieferanten hervorgebracht, mit endlosen Transporten über Meere, Schienen, Straßen oder in der Luft. Die Beschaffungskette des Siemens-Konzerns umfasst mehr als 90.000 Lieferanten aus 170 Ländern. Der Technologiekonzern dreht ein riesiges Rad: Rund 40 Milliarden Euro, fast die Hälfte seines Umsatzes, fließen in den Einkauf.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Doch nur ein Element in einem austarierten System eines Produktionsunternehmens genügt, um das ganze System aus den Angeln zu heben; sei es die Pleite eines kleinen Lieferanten in einer Kette von Zulieferern; seien es durch Erdrutsche blockierte Verkehrswege, zerstörte Infrastruktur durch Erdbeben oder Brände, Piraterie oder politische Unruhen. Zu unberechenbaren Wetterlaunen und Naturkatastrophen oder plötzlichen Revolten kommen sich ständig ändernde nationale Gesetzesvorschriften und Regeln hinzu.

          Für Unternehmen gibt es viel zu beachten, am besten in Echtzeit. Doch das ist meist nicht der Fall. Den Wust von existentiell wichtigen Informationen glauben Heiko Schwarz und sein Kompagnon Rolf Zimmer durch eine von ihnen entwickelte Risikomanagement-Software in den Griff zu bekommen. „Wir sammeln Unmengen von Daten aus offiziellen Quellen sowie aus dem World Wide Web und füttern unsere Kunden ausschließlich mit den für sie relevanten Informationen“, sagt Zimmer. „Wir können einen Überblick über die gesamte Lieferkette von der Quelle bis zum Abnehmer verschaffen, von Lieferanten über Sublieferanten bis hin zu Verteilzentren.“ Es ist ein vollautomatisiertes System, in das Kunden keine eigenen Daten einbringen müssen. Nötig sind nur Name und Adresse der Lieferanten.

          „Möglichst schnelle Reaktionszeit“

          Wie das System wirkt, zeigt ein Beispiel. Mitte vergangenen Jahres kam es in Rotterdam zu einer Explosion in einer Raffinerie von Shell, die zu einer Produktionsunterbrechung für wichtige Basis-Chemikalien über sechs Wochen und damit zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lieferfähigkeit etwa für Naptha führte. Binnen 24 Stunden nach dem Vorfall war das deutsche Unternehmen Stockmeier Chemie durch das Frühwarnsystem von Riskmethods alarmiert. Der Hersteller von Reinigungsmitteln sicherte sich die Beschaffung von zwei Basisprodukten, darunter Naptha, aus anderen Quellen zu unveränderten Preisen für die folgenden Wochen – noch vor der Bekanntgabe eines tatsächlichen Produktionsstopps (Force Majeure) durch Shell. Kurz darauf schnellte der Preis für Naptha um bis zu 15 Prozent nach oben, wo er dann die nächsten Wochen verharrte. „Es geht um eine möglichst schnelle Reaktionszeit, sollte ein unvorhersehbares Ereignis eingetreten sein“, sagt Heiko Schwarz. „Das System kann in einer Krise oder bei einem Lieferausfall alternative Beschaffungswege aufzeigen, um den Schaden zu begrenzen“, ergänzt Rolf Zimmer.

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