http://www.faz.net/-gyl-961rk

Gründerserie : Nicht jeder braucht eine Drohne

  • -Aktualisiert am

Gründer von Flynex: Michael Petrosjan, Christian Caballero und Andreas Dunsch (von links) Bild: Robert Gommlich

Viele Unternehmen wollen Drohnen kaufen, doch nicht jedes weiß, wie Daten vernünftig ausgewertet werden können. Diese Marktlücke haben Start-up-Gründer entdeckt, die auf ihre Erfahrung bei der Bundeswehr zurückgreifen können.

          Ich mach was mit Drohnen“ ist heute fast Trend. Ein Trend, der kaum hinterfragt wird, wie Andreas Dunsch beklagt. Dunsch ist Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung des Start-ups Flynex. Dabei sei doch die Frage, was man eigentlich wolle und ob man dafür überhaupt eine Drohne brauche. „Die meisten Unternehmen wollen doch gar nicht fliegen, die wollen Daten“, stellt der ehemalige Fallschirmjägeroffizier fest.

          Dafür reiche manchmal auch ein Handyfoto oder eine Satellitenaufnahme. „Wir denken vom Ende her und fragen, was soll das Ergebnis sein“, beschreibt Dunsch das Vorgehen seines Unternehmens. Und wenn dann Drohnen tatsächlich eingesetzt werden, will Flynex den Kunden ermöglichen, die Technologie der unbemannten Luftfahrtsysteme skalierbar einzusetzen.

          Der 35 Jahre alte Unternehmensgründer weiß, wovon er spricht: Dunsch hat in seiner 13-jährigen Bundeswehrzeit mit Drohnen gearbeitet und die Daten, die die Drohnen gesammelt haben, analysiert. Vor Ende seiner Dienstzeit merkte der ehemalige Hauptmann bereits, dass Nutzer in der zivilen Welt die operativen Prozesse unterschätzten, welche die Drohnen-Technologie mit sich bringt. Mit zwei weiteren Ex-Offizieren seiner Truppengattung entstand die Idee, Unternehmen dabei zu unterstützen.

          Viele Einsatzmöglichkeiten für verschiedene Branchen

          Den Gründern war klar, dass sie die Beratung automatisieren müssten, um möglichst viele Anwendungsfälle abdecken zu können. Daher lag es nahe, ein Software-Unternehmen zu gründen. Viele Entwickler winkten aufgrund der Komplexität des Vorhabens ab. Über einen gemeinsamen Kontakt lernte Dunsch den Software-Entwickler Holger Dirksen kennen. Nach einem einstündigen Gespräch war Dirksen überzeugt und antwortete: „Lass machen.“ Zu viert gründeten sie im September 2015 ihr Unternehmen Flynex in Hamburg, zunächst ohne Konzept, nur mit der Absicht, ihre Idee umzusetzen.

          „Wir wissen, wie es beim Militär funktioniert, und haben Erfahrung damit, Prozessketten zu verknüpfen“, beschreibt Dunsch seinen Wissensvorsprung, der ihm die Konzeption eines dreistufigen Projektmanagementtools erlaubte. „Es gibt keine Branche, die keinen Anwendungsfall hat“, behauptet er. „Denn die Frage ist nicht, was macht das Unternehmen im Kern, sondern wo sind die Anwendungsfälle innerhalb der Wertschöpfungskette.“

          So kommen Vogel-Drohnen an Flughäfen zum Einsatz, um Vogelschwärme wegzulocken, oder Umweltschutz-Organisationen lassen den Baumbestand ermitteln, in Automobilwerken sollen Drohnen den Werkschutz unterstützen, oder Logistikunternehmen zählen auf diese Weise den Bestand im Hochregallager. Drohnen leisten auch Rettungsmannschaften Dienste, um Rettungsreifen abzuwerfen.

          Karte zeigt Einschränkungen in ganz Deutschland

          Erst wenn klar ist, welcher Erkenntnisgewinn von Kunden erwartet wird, stellt Flynex Überlegungen an, ob und, wenn ja, welche Art von Drohne gebraucht wird: Soll sie inner- oder außerhalb eines Gebäudes fliegen, welche Reichweite und Flughöhe soll sie haben, welche Art von Messsensorik muss die Drohne tragen, um die Daten zu erheben. „Beim Militär gibt es die kleinsten und größten Drohnen mit einem Gewichtsspektrum von 17 Gramm bis 7 Tonnen“, begründet Dunsch seinen Erfahrungsvorsprung.

          Weitere Themen

          Geht Tesla von der Börse? Video-Seite öffnen

          Tweet von Elon Musk : Geht Tesla von der Börse?

          Elon Musk, Gründer der Elektro-Autofirma Tesla twitterte am Dienstag, er erwägt das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Dabei brachte er einen Preis von 420 Dollar je Aktie ins Spiel.

          Ryanair bleibt stur Video-Seite öffnen

          Streik in ganz Europa : Ryanair bleibt stur

          Mitten in der Ferienzeit müssen am Freitag zehntausende Kunden von Ryanair in Deutschland wegen eines Streiks mit Flugausfällen rechnen. Trotzdem zeigt sich die Airline nur wenig kompromissbereit.

          Topmeldungen

          Hier zumindest verstehen sich Union und Linke prächtig: Angela Merkel (CDU) und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

          Brandenburger CDU-Politiker : „Ich warne davor, die Linke zu dämonisieren“

          Der CDU-Politiker Jan Redmann macht in Brandenburg, was viele in seiner Partei anderswo für undenkbar halten: Er kooperiert mit der Linkspartei. Ein Gespräch über alte Denkverbote, neuen Pragmatismus – und seinen Rat an die Bundes-CDU.
          Gesporächsbedarf gibt es nicht nur beim Gipfeltreffen: Bundestrainer Joachim Löw.

          Gipfel des deutschen Fußballs : Wie ein Staatsbesuch in schweren Zeiten

          Die Spitzen des deutschen Fußballs diskutieren die Lage nach der WM und zeigen danach demonstrative Geschlossenheit. Doch nur wenig später steht DFB-Präsident Grindel schon wieder in der Kritik.
          Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2015 im Kanzleramt in Berlin. Wie wird die Stimmung nach der Visums-Verweigerung eines CDU-Abgeordneten sein?

          Vor Merkels Kaukasus-Reise : Ärger um Visum für CDU-Abgeordneten

          Vor Merkels Kaukasus-Reise gibt es Streit um einen Besuch eines Delegationsteilnehmers in Karabach. Das Thema ist mit der Erklärung der aserbaidschanischen Regierung jedoch noch nicht abgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.