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Entsalzungsanlagen : Berliner Wasserkioske liefern in Afrika sauberes Wasser

Die Gründer von Boreal Light: Ali Al-Hakim (links) und Hamed Beheshti Bild: Matthias Lüdecke

Zwei Jungunternehmer aus Berlin installieren solarbetriebene Entsalzungsanlagen in Kenia. Ihr Wasserhaus hilft den Ärmsten und soll Profit machen. Jetzt interessieren sich große Konzerne dafür.

          Viele Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu gutem Trinkwasser. Was sie aus ihren Bohrlöchern, aus Flüssen oder Seen herausholen, ist salziges Brackwasser. Es ist kaum genießbar und oft gesundheitsschädlich. Vor allem in Ostafrika leiden große Teile der Bevölkerung darunter. Wasser zu entsalzen kostet viel Geld mit den üblichen energiefressenden Entsalzungsanlagen. Für einen Kubikmeter Trinkwasser zahlt man in Kenia mindestens 40 Euro – zu teuer für die Armen in den ländlichen Gemeinden, die nicht mal ans Stromnetz angeschlossen sind.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Das soll sich jetzt ändern: mit solarbetriebenen Wasserentsalzungsanlagen. Auf der Insel Wasini im Indischen Ozean im Süden Kenias gibt es kaum Infrastruktur: kein Stromnetz, kein Fließwasser, keine befestigten Straßen. Aber sauberes, günstiges Trinkwasser soll es hier bald geben. Dieser Tage bauen Techniker einen „Wasserkiosk“ auf. Entwickelt haben den Wasserkiosk zwei in Berlin ansässige Jungunternehmer, Hamed Beheshti und Ali Al-Hakim. Fünf mal vier Meter Grundfläche hat der Kiosk, er sieht von außen aus wie ein Baustellen-Container. Auf dem Dach sind Solarzellen montiert – das ist ein Unterschied zu anderen Entsalzungsanlagen, die einen Stromanschluss oder einen Dieselgenerator benötigen. „Mit diesem Wasserkiosk wird der Preis radikal gesenkt, wir verkaufen einen Kubikmeter Wasser für etwa 20 Euro, also 2 Cent je Liter, das ist weniger als die Hälfte als sonst in Kenia und ein Viertel des in Wasini Üblichen“, erzählt Start-up-Gründer Beheshti. Im März öffnet der Kiosk auf der Insel.

          Weiter Weg zum Start-up

          Zeitgleich wird ein zweiter in Kitangela, südlich von Nairobi eingerichtet. Beim Aufbau der Projekte hilft die Deutsche Auslandshandelskammer in Nairobi. „Das war der Hauptgrund, warum wir in Kenia starten“, sagt Beheshti. Bis Ende 2018 planen er und sein Partner Al-Hakim, in Kenia und Nachbarländern 18 Wasserkioske zu installieren. Auf einer Ostafrika-Landkarte in Beheshtis Werkstatt sind lauter rote Punkte eingeklebt für die künftigen Kioske.

          Ihr Büro und ihre Werkstatt sind in einem Berliner Technologie-Gründerzentrum, in Adlershof, im Süden der deutschen Hauptstadt untergebracht, der Senat fördert dort Start-ups. Der 34-jährige Jungunternehmer Beheshti hat einen weiten Weg zurückgelegt bis hierher. Er ist gebürtiger Iraner und hatte Elektrotechnik studiert und anschließend in Ostasien in der Solarindustrie gearbeitet. Als er an der American University in Beirut studierte, vermittelte ihm sein dortiger deutscher Betreuer ein Stipendium des UN-Umweltprogramms für Deutschland. Erst ging Beheshti an die TU Dresden, anschließend schrieb er an der Freien Universität Berlin eine Doktorarbeit. Sein Partner Ali Al-Hakim, gebürtiger Iraker, kam schon als Kind nach Deutschland. Der heute 33-Jährige hat Maschinenbau an der TU Berlin studiert.

          Die Luxusvariante ist keine Lösung

          2013 gründeten sie ihr Unternehmen Boreal Light. Beheshti hatte dafür eine kleine Immobilie in Iran verkauft, die ihm gehörte, sein Kompagnion Al-Hakim hat all seine Ersparnisse eingebracht. Durch eine Crowd-Funding-Kampagne kamen weitere 125.000 Euro zusammen, die Beteiligungsgesellschaft GreenTec Capital Partners gab zusätzliches Startkapital. Zunächst entwickelten sie einen Prototyp für eine Klein-Windanlage mit sehr leichter Turbine. Doch eine Produktion hätte eine Drittelmillion Euro gebraucht – diese Kapitalhürde war zu hoch.

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