Vor der Vorlesung „Umweltpolitik I“ ist der Hörsaal N 1090 der Technischen Universität München gut gefüllt. Die Studenten sitzen schon in den Bänken, das laute Gemurmel nimmt dem fensterlosen Ort etwas von seiner Tristesse. Dann betritt Michael Suda den Raum. In der Hand hält er ein Mikrofon, zusammengebaut aus Plastikstab und Tennisball. „Was fällt Ihnen denn spontan zum Klimawandel ein?“, fragt er einen Studenten in der zweiten Reihe und hält ihm den Ball unter die Nase. „Ähm, Erderwärmung?“, stammelt der. Plötzlich herrscht Stille im Saal. „Und Ihnen?“ „Eisbären“, sagt eine junge Frau. „Sehr wichtig“, sagt Suda, „so einen habe ich Ihnen heute mitgebracht.“ Er zieht ein großes Kuscheltier aus der Tasche und setzt es auf eine selbstgebastelte Scholle aus Papier. Lautes Gelächter. „Der Eisbär ist das Symbol des Klimawandels geworden“, erklärt Suda. „Nicht, weil er tatsächlich gefährdet wäre, sondern weil die Menschen ihn so niedlich finden.“
Ein ungewöhnlicher, möglichst komischer Einstieg in eine Vorlesung ist bei Michael Suda, Professor für Wald- und Umweltpolitik, keine Ausnahme. „Die Studenten haben den Kopf voll von anderen Fächern oder den alltäglichen Problemen“, erklärt er. Deshalb muss man als Lehrender zunächst um Aufmerksamkeit werben.“ Dazu eigne sich auch die Handynummer: „Ein fiktiver Bekannter ruft an. Er sitzt in der U-Bahn fest und will wissen, was heute in der Vorlesung drankommt. So kann ich sehr unterhaltsam meine Gliederung präsentieren.“
„Humor hat in diesem foliengetakteten System nur selten Platz“
Solche und andere humorvolle Strategien hat Suda in einem Beitrag zur „nachhaltigen Wissensvermittlung in der gähnenden Lehre“ zusammengetragen. Die Abhandlung verwendet er auch als Basis für seine Didaktik-Kurse, die er seit einigen Jahren für Kollegen anbietet. Er kritisiert die oft zwanghafte Ernsthaftigkeit deutscher Dozenten, die auch durch Power-Point-Präsentationen nicht aufgelockert werde. „Humor hat in diesem foliengetakteten System nur selten Platz, die strenge Reihenfolge ist programmiert, der Raum für Spontaneität begrenzt.“ Lachen hingegen schaffe einen emotionalen Moment. „Dadurch wird die Kreativität der Studenten angeregt, und der vermittelte Stoff verankert sich viel besser im Gedächtnis“, erklärt Suda, der sich auch mit Lachforschung beschäftigt.
Dass Humor eine erfrischende Wirkung auf die Lehre hat, wurde ihm 1997 bewusst. Er hielt eine Faschingsvorlesung und erklärte mit Kinderbüchern wissenschaftliche Theorien. Nach positiven Rückmeldungen belegte er Kurse beim Schweizer Humortrainer Emil Herzog und machte dort den „Manager of Business Entertainment“. Dabei begann er, sich auch für das Kabarett zu begeistern. Seit einigen Jahren steht er nun regelmäßig auf der Bühne. Zusammen mit seiner ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Renate Mayer tritt er oft auf universitätsnahen Veranstaltungen auf und kritisiert auch dort auf humorvolle Weise eingefahrene Lehrmethoden.
Humor sei aber nur ein Hilfsmittel, um Vorlesungen attraktiver zu machen, sagt Suda. Es müsse zudem gut dosiert werden. All das scheint ihm zu gelingen. Während in Vorlesungen anderer Dozenten die Anzahl der Hörer zum Semesterende abnimmt, sitzen in seinen Vorlesungen am Ende oft mehr Studenten als zu Beginn.
