Fast 10.000 Deutschlandstipendien sollten im vergangenen Jahr an Studenten in ganz Deutschland vergeben werden. 0,45 Prozent der Studenten sollten von der neuen Förderung, die gemeinsam vom Staat und privaten Förderern finanziert wird, profitieren. Nun hat das Statistische Bundesamt Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass das Ziel deutlich verfehlt worden ist: Knapp 5400 Studierende erhielten 2011 ein Deutschlandstipendium; das waren nur 0,25 Prozent der Studenten. Die Hochschulen warben dafür Fördermittel von 3,4 Millionen Euro ein; 1,5 Millionen Euro kamen von Kapitalgesellschaften.
Mit der neuen Förderung, die es seit dem Sommersemester 2011 gibt, soll nach dem Willen der Bundesregierung der Einstieg in eine nachhaltige Stipendienkultur geschafft werden. Mit ihr will man auch im internationalen Wettbewerb um gute Nachwuchskräfte aufholen. Denn in den Vereinigten Staaten, Japan oder Südkorea stammen mehr als die Hälfte der Ausgaben für den Hochschulbereich aus privaten Quellen; in den OECD-Staaten beträgt der Anteil im Schnitt 30 Prozent. In Deutschland ist hingegen nur 15 Prozent der Hochschulförderung privat.
SPD und Grüne erklären die Förderung für gescheitert
Während das Bundeswirtschaftsministerium trotz des verfehlten Ziels der Ansicht ist, dass das Deutschlandstipendium gut ankomme und dass man am Beginn einer neuen Stipendienkultur stehe, erklären SPD und Grüne die neue Förderung für gescheitert: Das Stipendium sei „die falsche Antwort auf unser gespaltenes Bildungs- und Hochschulsystem“, glaubt der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring. „Das mit großem Tamtam eingeführte Stipendienprogramm ist offensichtlich gänzlich ungeeignet, zur überfälligen sozialen Öffnung der Hochschulen beizutragen.“ Lieber solle man in das Bafög investieren.
Das Bundesbildungsministerium hebt hingegen die Vorteile des Programms hervor. Durch die Förderung könnten sich die Studenten voll auf das Studium konzentrieren, sagt Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen. Sie führe außerdem dazu, „dass das Bewusstsein wächst, dass gute Bildung eine Aufgabe aller ist“. Nach Angaben von Quennet-Thielen belegt die Statistik, dass nicht nur Studierende aus bessergestellten Elternhäusern und die Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften profitierten.
Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes war ein Viertel der Stipendiaten Bafög-Empfänger; an allen Studenten beträgt ihr Anteil 29 Prozent. 27 Prozent der Stipendien gingen an Ingenieurwissenschaftler (20 Prozent an allen Studenten) und 25 Prozent an Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler (31 Prozent); an Mathematiker und Naturwissenschaftler gingen 23 Prozent (18 Prozent).
Erhebungen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft legen nahe, dass ein großer Teil der Hochschulen das neue Förderinstrument noch nicht oder nicht ausreichend nutzt. Denn der Erfolg der Stipendienvergabe sei weitgehend unabhängig von der Art einer Hochschule und der Region, in der sie sitze, stellt der Stifterverband fest. So waren Exzellenzhochschulen nicht erfolgreicher als Technische Universitäten - ganz im Gegenteil - und kaum erfolgreicher als normale Universitäten. Bisher haben sich drei Viertel der 388 Hochschulen in Deutschland an dem neuen Förderprogramm beteiligt. Knapp die Hälfte hat ihr Kontingent ganz ausgeschöpft.
Stipendiaten erhalten im Monat 300 Euro: jeweils 150 Euro vom Bund und 150 Euro von privaten Förderern.
Die Hochschulen werben die privaten Mittel ein und wählen die Stipendiaten aus.
Gefördert wird mindestens zwei Semester und maximal die Regelstudienzeit.
Berücksichtigt werden hervorragende Leistungen, gesellschaftliches Engagement und Lebensumstände.
