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Designerin Simone Plitzko „Uniform als Upgrade“

Berufsbekleidung war früher, heute gibt es Corporate Fashion. Die Designerin Simone Plitzko erklärt im Interview, warum das so ist und worauf es bei der Dienstbekleidung ankommt.

© Frank Röth / F.A.Z. Vergrößern Modedesignerin Simone Plitzko

Was unterscheidet eine gute Dienstkleidung von einer schlechten?

Es kommt auf zwei Aspekte an: auf Qualität und auf Design. Bei der Qualität ist entscheidend, dass sich der Mitarbeiter wohl fühlt. Wenn ich mich wohl fühle, sehe ich auch im Gesicht anders aus und kann auch dem Gast anders gegenübertreten. Der zweite Aspekt ist die Optik. Früher hat man im Service gerne die Westen aus dem gleichen Material wie die Vorhänge hergestellt oder passend zum Teppich oder Sofa. Da gibt es ganz fiese Sachen: Krawatten aus dem Möbelstoff zum Beispiel. Damit hat man den Mitarbeiter entmenschlicht: Er musste farblich reinpassen. Aber wer sich schämt, kann nie eine optimale Leistung bringen.

Und worauf kommt es jetzt an?

Inzwischen hat sich bei Unternehmen ein Bewusstsein entwickelt, dass ich den Mitarbeiter positiv motivieren kann, wenn ich ihm etwas gebe, in dem er sich wohl fühlt. Dann bekommt er eine viel positivere Ausstrahlung. Das geht weg von der Dienermentalität: „Ich bin leider hier nur Servicekraft.“ Jeder bringt hier seine Leistung, und die erbringt er gut.

Profitieren also vor allem die Mitarbeiter von der modischen Einheitskluft?

Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Kunde und Mitarbeiter. Kunden, die ein entspanntes Essen haben möchten, fühlen sich nicht wohl, wenn sie einen Hansel vor sich haben mit Propeller und Galonstreifen an der Hose. Selbst auf Luxusschiffen wie der MS Europa kommen die Gäste nicht mehr mit Frack zum Abendessen. Deshalb ziehen die Offiziere auch keinen ollen Zweireiher an, sondern moderne Hemden, ohne Krawatte. Das ist eben die viel lässigere Art. Schon gepflegt und ordentlich, aber nicht mehr steif - das ist die moderne Art der Luxushotellerie.

Setzt sich die Berufsbekleidung inzwischen auch in Branchen durch, die vorher keine hatten?

Das nimmt immer mehr zu. Viele Mitarbeiter tragen ja auch gerne Uniform, wenn sie gut aussieht. Bei den neuen Fünf-Sterne-Hotels wollen inzwischen alle leitenden Angestellten - Personalchef, Rezeptionschef, Restaurantleiter - eine Uniform haben. Ein anderes Beispiel ist die Deutsche Vermögensberatung, die will auch einen einheitlichen, modernen Auftritt. Damit sind auch die Mitarbeiter voll einverstanden. Sie sehen das als Upgrade, dass sie schicke Kostüme bekommen.

Wie bringt man denn die unterschiedlichen Figuren der Mitarbeiter als Designerin unter einen Hut?

Ich darf keine Eintagsfliegen designen. Man muss Schnitte ganz lange durchdenken und immer wieder überarbeiten. Eine zarte mädchenhafte Frau muss darin genauso gut aussehen wie eine kräftige. Ich arbeite viel mit Wickeloberteilen, wo jede Frau ein bisschen justieren kann. Bei den Blazern sind die kleinen Größen viel taillierter als die größeren. Auch ganz kräftige Frauen mit Größe 56 muss man in ein Kostüm reinkriegen.

Gab es schon skurrile Wünsche?

In Russland ist Corporate Fashion etwas ganz anderes. Da laufen die Schlitze der Röcke bis zur Hüfte und die Frauen tragen Mini und riesige Ausschnitte. In Dubai hatte ich schon mal einen Wunsch, die eine Hälfte des Blazers in der einen Farbe, die andere in einer anderen und den Kragen ganz anders zu machen. Die Mitarbeiter hätten ausgesehen wie Vollidioten, das habe ich nicht mitgemacht.

Fällt Ihnen ein Unternehmen mit Nachholbedarf ein?

Die Deutsche Bahn - das ist doch ein echtes Drama! Die Uniformen waren schon altbacken, als sie noch neu waren. Und es korrespondiert auch nicht mit der Technik: Die Züge sind hochmodern, und dann tragen die Mitarbeiter so etwas. Ich bin auch überzeugt, dass sie besseres Personal bekommen könnten, wenn sie andere Uniformen hätten.

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Das Gespräch führte Corinna Budras.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.09.2012, 15:00 Uhr

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