http://www.faz.net/-gyl-6ko7h

Der Versicherungskaufmann : „Klinken putzen muss ich nicht“

  • Aktualisiert am

Michael Mann Bild: Archiv

Viele Menschen halten Versicherungskaufleute für Halsabschneider. Doch der Beruf ist viel besser als sein Image findet Michael Mann, der im ersten Lehrjahr schon fast 800 Euro verdient.

          Den schlechten Ruf seiner Branche kennt Michael Mann genau. „Viele glauben, dass man ein Halsabschneider ist“, hat der 24 Jahre alte Kölner festgestellt. Denn als Kaufmann für Versicherung und Finanzen muss er regelmäßig Kunden erklären, warum ihre Policen aktuell weniger wert sind, als schon in den Vertrag eingezahlt wurde.

          In seinen ersten zehn Monaten im Servicecenter der HDI-Gerling Leben hat er aber auch gelernt, wie er die Unzufriedenen überzeugen kann, dass am Ende ihres Riester-Vertrags trotzdem die Beiträge erhalten bleiben. Offensive Verkaufsmethoden gehören dagegen nicht zu seinem Lernprogramm: „Klinken putzen muss ich zum Glück nicht“, sagt Mann erleichtert, denn im Innendienst verwaltet er nur geschlossene Verträge und muss nicht mühsam neue verkaufen.

          Schon mit 14 Jahren hat er über den Sinn von Versicherungen nachgedacht. Die Wohnung der Mutter war abgebrannt, ohne dass sie eine Hausratpolice abgeschlossen hatte. „Als ich 18 war und in eine eigene Wohnung gezogen bin, habe ich deshalb schnell selbst eine abgeschlossen.“ Fünf weitere Verträge später hat er sich privat so eingedeckt, dass er auch Freunde inzwischen umfassend, aber unfreiwillig berät. Heimlich bewundern sie ihn offenbar sogar für seine neu errungenen Fähigkeiten. „Mit Geld kenne ich mich viel besser aus als sie“, sagt er selbstbewusst und verweist darauf, dass sein Gehalt von 778 Euro brutto im ersten Lehrjahr am oberen Rand der kaufmännischen Berufe liegt. Wie er sogar noch sein Kindergeld sichern konnte, obwohl er oberhalb der gesetzlichen Kappungsgrenze verdiente, hat er sich sofort von Fachleuten für betriebliche Altersversorgung erklären lassen. Die arbeiten ja direkt um die Ecke.

          Nach Ende der Ausbildung kann sich Mann auf fast 2200 Euro im Monat einstellen. 12.600 Azubis haben in Deutschland gleichzeitig mit ihm angefangen, berichtet der Arbeitgeberverband AGV. Die Zahl ist seit Jahren annähernd konstant. Aktuell lernt Mann, was mit den Policen im Fall einer Pfändung oder einer Insolvenz passiert; seine zweite Station hat ihn in die Abteilung für Produkt- und Vertriebsrecht geführt: juristische Winkelzüge und mühsam zu verstehende Paragraphen gilt es hier auseinanderzunehmen. „Hört sich trocken an, aber ich mag Gesetzestexte“, versichert er.

          Quelle: Philipp Krohn / F.A.Z.

          Weitere Themen

          Blockaden und Besetzungen Video-Seite öffnen

          Militärputsch in Zimbabwe : Blockaden und Besetzungen

          Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge versperrten in der Hauptstadt Harare die Zufahrtsstraßen zu den wichtigsten Regierungsgebäuden, zum Parlament und zu den Gerichten. Wegen der unsicheren Situation ließen einige Länder ihre Botschaften in Harare schließen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Die französische Philosophin Elisabeth Badinter und die deutsche Publizistin Alice Schwarzer diskutieren in der Pariser Wohung Badinters.

          Islam und Antisemitismus : „In Cafés sitzen keine Frauen mehr“

          Kommt es durch die Einwanderung von Muslimen zum Erstarken des Antisemitismus? Und was bedeutet diese Diskussion für Feministinnen? Ein Gespräch zwischen der französischen Philosophin Elisabeth Badinter und der deutschen Journalistin Alice Schwarzer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.