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Data-Scientists : Schatzsucher im Datenmüll

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Data-Scientists suchen in Datenbergen nach Informationen - für Unternehmen, Wissenschaftler oder Geheimdienste. Schon Studenten können sich darauf spezialisieren.

          Als sich Michael Hund an der Universität Konstanz einschrieb, war das für den Abiturienten aus Ravensburg die Entscheidung für ein bodenständiges Studium: Informatik, Schwerpunkt Information-Engineering. Das hieß laut Uni-Website: Seminare zum Thema Datenmanagement, Mathematik, Statistik, Software-Engineering, Algorithmen, Datenstrukturen. Das klang nicht besonders spektakulär; als Trendsetter fühlte sich der heute 25-Jährige damit jedenfalls nicht. Dabei ist der Studiengang einer von ganz wenigen in Deutschland, die gezielt auf den angeblich „sexiest Job“ unserer Zeit vorbereiten: Glaubt man Googles Chefökonom Hal Varian, dann wird kein Beruf in Zukunft so begehrt sein wie der eines Datenanalysten, keine Fachkraft wird im digitalen Zeitalter so umworben werden. Im kalifornischen Silicon Valley nennt man sie respektvoll Data-Scientists oder Data-Whisperer - kein Start-up, das etwas auf sich hält, kommt ohne sie aus.

          Wer Data buchstabieren kann, ist begehrt

          Denn es sind die Datenflüsterer, die den unendlichen Weiten des World Wide Web wertvolle Informationen entlocken und aus ungeordnetem, chaotischem Datenmüll den vielleicht wertvollsten Rohstoff unserer Zeit schürfen. Sie zapfen Informationen an, die bisher ungenutzt und ungeordnet in sozialen Netzwerken, in E-Mails und Online-Foren, in den IT-Systemen von Unternehmen, Behörden und Forschern schlummern. Data-Scientists machen sie nutzbar: Komplexe, exakt kalibrierte Algorithmen ziehen gezielt die gewünschten Informationen aus chaotischen Datenwolken. Sie folgen in Echtzeit Datenspuren und Pfaden, die Menschen mit ihren Handlungen im digitalen Raum hinterlassen, und erkennen versteckte Handlungsmuster und Zusammenhänge. Unternehmen, Wissenschaftler und Behörden versprechen sich davon neue Erkenntnisse, Innovationen und nicht zuletzt neue Geschäftsmodelle. Und die Data-Scientists sind der Schlüssel zum Erfolg. „Der Hype um die Datenflüsterer dreht hier gerade so richtig auf“, sagt Michael Berthold, Professor für Data-Mining an der Universität Konstanz und zurzeit für ein Forschungssemester im Epizentrum des Hypes: an der Universität in Berkeley, in der Nähe des Silicon Valley. „Firmen jeglicher Größe prügeln sich hier um jeden, der Data buchstabieren kann.“ Ein Unternehmen ohne ausgewiesenen Datenwissenschaftler müsse Sorge haben, keine Geldgeber zu finden, berichtet Berthold. Headhunter suchen händeringend nach den größten Talenten und werben sie direkt von den Universitäten für hochbezahlte Jobs an.

          In Konstanz gehe es da noch deutlich unaufgeregter zu, sagt Berthold: „Bei uns wurden noch keine Headhunter auf dem Uni-Gelände gesichtet.“ Sorgen machen hinsichtlich einer künftigen Stelle müssen sich Studenten wie Michael Hund, der sich inzwischen im Masterstudium weiter auf das Trendthema spezialisiert, allerdings nicht. „Es wird immer klarer, wie gefragt unser Wissen in Unternehmen und Wissenschaft tatsächlich ist“, sagt Hund. Immer mehr große Unternehmen werben um die Datenspezialisten aus Konstanz - und zwar längst nicht nur solche aus der IT-Branche. „Inzwischen haben die meisten großen deutschen Konzerne quer durch alle Branchen das Potential erkannt, das in ihren Daten schlummert“, sagt Data-Mining-Professor Berthold. „Die wissen zwar oft noch nicht, was genau sie mit den Daten tun können und was Data-Scientists für sie leisten könnten. Aber sie stellen jetzt schon Teams auf, die genau das herausfinden sollen.“ Studiengänge mit Schwerpunkt auf Datenanalysen bieten neben der Universität Konstanz zum Beispiel auch die TU Dortmund, die TU Chemnitz und die Universität Magdeburg an - in Zukunft dürften es noch mehr werden.

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