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Das Werben um Bewerber Zügig nach oben und in die Welt

 ·  Im Wettstreit um gute Hochschulabsolventen holt der Handel auf. Junge Akademiker können dort früh Verantwortung übernehmen.

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© dapd Nach Lohndumping und Bespitzelung: Der Einzelhandel muss sein Image als Arbeitgeber verbessern.

Razzien bei Netto und Kaufland wegen des Verdachts auf Sozialversicherungsbetrug. Lohndumping bei Kik und anderen, Bespitzelung von Mitarbeitern bei Lidl und der inzwischen insolventen Schlecker-Gruppe. Die Schlagzeilen, für die so manches Handelsunternehmen in der Vergangenheit gesorgt hat, fallen wahrlich nicht in die Kategorie beste Werbung für den Handel als Arbeitgeber. Das ist die eine, die Schattenseite der Medaille, um deren Aufpolieren sich die so in schlechtes Licht gerückten Unternehmen inzwischen anders als früher sehr bemühen.

Der jüngste Lenker eines Dax-Konzerns heißt Olaf Koch. Er ist 42 Jahre alt, hat bereits eine steile Karriere absolviert und führt einen der größten Handelskonzerne der Welt, nämlich Metro. Das ist die andere, die Sonnenseite der Medaille. Zwar ist Kochs Werdegang nicht wirklich typisch für die Handelsbranche, schließlich hat er schon bei Daimler und einem Finanzinvestor reüssiert. Er mag aber als Beispiel dafür dienen, dass in diesem Wirtschaftszweig sehr jung und sehr zügig Karriere gemacht werden kann.

Der Handel ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland

Mit rund 400 000 Unternehmen vom kleinen inhabergeführten Fachgeschäft bis zum international aufgestellten Großkonzern, einem Gesamtumsatz von mehr als 400 Milliarden Euro und annähernd 3 Millionen Beschäftigten zählt der Einzelhandel hierzulande zu den größten Arbeitgebern. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 60 000 sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen, womit die Branche dank ihrer derzeit recht robusten Verfassung ein Motor für den Arbeitsmarkt ist.

Auch als Ausbilder stehen Deutschlands Einzelhändler in erster Reihe. So absolvieren derzeit rund 165 000 Jugendliche eine Lehre im Handel. Dabei stehen mehr als 30 Berufe zur Wahl, vom Gestalter für visuelles Marketing bis zum Floristen. Die wichtigsten Ausbildungsberufe sind indes noch immer Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel sowie Verkäufer/Verkäuferin.

Vom Lehrling zur Führungskraft

Dass eine Ausbildung im Einzelhandel recht beliebt ist, hat nach Ansicht des Handelsverbandes HDE mit den guten Karriereperspektiven zu tun. Rund zwei Drittel der Führungskräfte in dieser Branche haben demnach ausschließlich eine Lehre abgeschlossen. Dieser Anteil ist mehr als doppelt so hoch wie in manchen anderen Wirtschaftszweigen. Im Rewe-Vorstand etwa sitzen drei Herren, die das Geschäft von der Pike auf gelernt haben.

Noch immer werden im Durchschnitt rund 80 Prozent der Führungskräfte aus den eigenen Reihen rekrutiert. Bei Metro sind es rund 75 Prozent. Nicht zu vergessen: In der Einzelhandelsbranche ist der Weg in die Selbständigkeit, die Chance, der eigene Chef zu sein, besonders eben. Bei den genossenschaftlichen Lebensmittel-Handelsriesen Edeka oder Rewe sind Kaufleute gefragt, die Märkte in eigener Regie übernehmen.

Wer richtig anpackt und Arbeitseinsatz zeigt, kann im Handel schon mit Anfang/Mitte zwanzig Führungsverantwortung tragen. Innerhalb eines Konzerns ein Geschäft mit 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz zu übernehmen, ist für junge Nachwuchskräfte nichts Ungewöhnliches, sagt Heiko Hutmacher, Personalvorstand der Metro: "Wenn man so will, können sie schon in frühen Jahren Chef eines mittelständischen Betriebs sein."

Imagekampagnen sollen den Handel als Arbeitgeber wieder attraktiv machen

Fachkräftemangel ist durchaus ein Thema, wenngleich ein weniger dringliches als in manchen anderen Wirtschaftszweigen. In der vom HDE gestarteten Imagekampagne "Alles fürs Leben" stellt die Branche daher nicht nur auf ihre Bedeutung als Versorger der Bevölkerung ab. Vor allem soll ihre Rolle als verantwortungsvoller Arbeitgeber betont werden. Auch wenn Handelkonzerne große Imagekampagnen auflegen, geht es nicht um Werbung für Wurst, Käse oder Kleidung. Vielmehr sollen solche Anzeigen oder TV-Spots auch die Wahrnehmung auf dem Markt für Fach- und Führungskräfte schärfen.

Besonders im Wettstreit um den akademischen Nachwuchs hatten die Handelskonzerne früher nur allzu oft das Nachsehen. Das Image der Automobil- oder Computerindustrie, der Markenartikelunternehmen oder Banken zog bei den meisten Berufsstartern weit mehr. Das ändert sich langsam. Handelsriesen wie Metro, Rewe oder die Discounter Aldi, Lidl, Netto und Norma werben längst auf einschlägigen Job- und Absolventenmessen für einen Karrierestart in diesem facettenreichen Wirtschaftszweig, der auch international Perspektiven bietet und inzwischen mit attraktiven Gehältern winkt.

Ein Duales Studium und Traineeangebote sollen Akademiker anziehen

Um ausgewählten Studierenden und Absolventen einen Einblick zu geben, veranstaltet Metro beispielsweise alljährlich ein großes Treffen mit dem Namen "Meeting-Metro". Dieses Jahr wird die Zusammenkunft erstmals nicht in Deutschland organisiert, sondern in Polen.

Als Kombination von Praxis und Theorie bieten zahlreiche Handelskonzerne duale Studiengänge an, die Rewe-Zentrale beispielsweise Handelsmanagement an der Europäischen Fachhochschule in Brühl oder Tourismusmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. Für Hochschulabsolventen bieten die Kölner - ebenso wie die meisten anderen Wettbewerber - neben dem Direkteinstieg die Möglichkeit, die Karriere als Trainee zu beginnen.

Noch ist der Akademikeranteil unter den Beschäftigten mit gut 5 Prozent leicht unterdurchschnittlich. Das dürfte sich bald ändern, denn die Anforderungen werden größer und vielschichtiger. Der HDE erinnert in diesem Zusammenhang an die zunehmende Komplexität der Geschäftsprozesse, die fortschreitende Internationalisierung der Unternehmen, die Durchdringung des Handels mit Informations- und Telekommunikationstechnik und die immer komplizierter werdenden logistischen Prozesse. Nicht zuletzt das Internet und der überdurchschnittlich wachsende Online-Handel werden künftig noch mehr Studenten auf die Branche neugierig machen.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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