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Cyberloafing Auszeit vor dem Schirm

 ·  Zigarettenpause? Plausch in der Kaffeeküche? Schnee von gestern! Erholung während der Arbeit suchen viele Arbeitnehmer am liebsten im Internet. Der Nutzen dieser Kurzausflüge ist allerdings umstritten.

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Wenn das Interview zu Ende geführt oder der Text zu Papier gebracht ist, macht Anne Wiesner gern eine kurze Arbeitspause. „Ich gehe dann aber selten in die Kaffeeküche oder mache einen Spaziergang um den Block“, sagt die 44 Jahre alte Journalistin. „Meistens nehme ich mir eher eine kleine Auszeit im Internet.“ Will heißen: Anne Wiesner, die ihren wirklichen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, checkt ihre privaten E-Mails, geht kurz auf Facebook oder surft auf Buchseiten im Netz, wo sie gerne Romane bestellt. „Diese kleinen Surf-Einlagen helfen mir, wenn ich zwischendurch mal nicht so kreativ bin. Manchmal sind sie aber auch eine Belohnung, wenn ich bei der Arbeit etwas geschafft habe“, sagt sie. Insgesamt etwa 45 Minuten surfe sie während eines Arbeitstages privat im Netz, schätzt Wiesner; jeder einzelne Internetausflug dauert ungefähr fünf Minuten. „Danach fühle ich mich oft fitter, um mich an die nächste Aufgabe zu setzen“, sagt sie.

Für solcherlei kleine Internetspaziergänge während der Arbeitszeit haben Psychologen einen Fachbegriff erfunden: „Cyberloafing“ nennen sie das Phänomen, grob übersetzt: virtuelles Bummeln. Was Chefs oft als gefährliche Ablenkung von den eigentlichen Arbeitsaufgaben empfinden, wird in der Forschung aber mittlerweile viel differenzierter untersucht. Was, wenn es stimmt und Arbeitnehmer wie Anne Wiesner sich wirklich nach der Online-Auszeit wieder fitter fühlen?

Eine Art Bürospielzeug

Besonders intensiv mit dieser Frage befasst haben sich die Psychologen Vivien Lim und Don Chen aus Singapur. In einer Studie befragten sie Arbeitnehmer per Fragebogen zum Thema Cyberloafing. Das Ergebnis: Wer während der kleinen Internetauszeiten „herumsurfte“, also zum Beispiel auf Sport- oder Nachrichtenseiten klickte, sich den Wetterbericht anguckte oder Online-Spiele spielte, fühlte sich hinterher emotional erfrischt und empfand eine positive Wirkung auf das Erreichen seiner eigentlichen Aufgaben bei der Arbeit. Wer allerdings während des Cyberloafings private E-Mails checkte und beantwortete, profitierte nicht vom „Erfrischungseffekt“; die Mehrheit berichtete von negativen Auswirkungen.

Lim und Chen untermauerten zudem ihre Studienergebnisse mit einem Experiment, das sie im vergangenen Jahr auf einer Management-Konferenz präsentierten: Sie ließen 96 Studenten in einem Text zehn Minuten lang einen Buchstaben markieren. Danach teilten sie die Studenten in Gruppen ein. Eine Gruppe bekam eine Zusatzaufgabe, eine Gruppe machte Pause und tat nichts, und eine Gruppe machte Pause und durfte währenddessen im Internet surfen. Hinterher sollten alle Studenten noch einmal die gleiche Aufgabe erledigen wie am Anfang. Dabei schlug sich die Gruppe, die ihre Pause im Netz verbracht hatte, am besten. „Arbeitnehmer, die von ihrer Arbeit gestresst oder gelangweilt sind, verwenden Cyberloafing wahrscheinlich als eine Art Bürospielzeug“, schreiben Lim und Chen in ihrer Studie. „In diesem Zusammenhang bietet es den Mitarbeitern eine Unterbrechung, die ihnen erlaubt, kurz auszuscheren und sich dann neu auf ihre Arbeitsaufgaben zu fokussieren.“ Das gelte jedoch nicht unbedingt für das Lesen und Beantworten privater E-Mails, glauben die Forscher. Hier sei mehr Konzentration nötig. Der reine Konsum von Online-Inhalten beim „Herumsurfen“ habe dagegen einen entspannenden Effekt.

Von genau diesem Effekt berichtet auch die Journalistin Anne Wiesner: „Es schadet meiner Arbeit nicht, wenn ich zwischendurch ins Internet gehe“, ist sie überzeugt. „Im Gegenteil. Ich überwinde durch diese Unterbrechungen so manche Blockade oder bekämpfe aufkommende Erschöpfung. Hinterher bin ich wieder produktiv.“

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