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Corporate Social Responsibility : Moral im Nebenfach

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

BWL-Absolventen, die etwas über verantwortungsvolle Unternehmensführung gelernt haben, sind begehrt. Das Angebot der deutschen Hochschulen ist auf diesem Gebiet aber noch mager.

          Nach dem Bachelor in European Studies wollte sie noch etwas Solides draufsetzen, sich noch einmal richtig reinknien und Theorien und Modelle kennenlernen, um die Realität erklären und fundiert mitreden zu können. Also entschied sich Nadja Berseck für ein wirtschaftswissenschaftliches Masterstudium an der Berliner Humboldt-Universität (HU). Nun ist sie fast fertig, schreibt an ihrer Masterarbeit. Theorien und Modelle hat sie viele kennengelernt. Jedoch: Das Gefühl, damit die Realität besser erklären zu können, hat sie nicht. „Vor allem am Anfang war ich von dem Masterstudium sehr enttäuscht“, sagt Nadja Berseck. Sehr theoretisch, mathematisch und quantitativ sei es gewesen. Praktische Anwendung, gesellschaftlicher Kontext und Bezüge zur Unternehmenswirklichkeit kamen ihr zu kurz. Die Studentin ist überzeugt: „Wenn man heute in der Lehre übers Wirtschaften redet, muss man sozialökologische Themen einfach mit einbeziehen.“

          Also ist Berseck selbst aktiv geworden und hat mit drei Kommilitoninnen die erste studentische Gruppe von Net Impact in Deutschland gegründet. Net Impact ist ein internationales Netzwerk, dessen Mitglieder sich in ihrem Beruf oder in der Ausbildung den globalen Problemen stellen wollen. Ein erklärtes Ziel: CSR soll ein größeres Gewicht in der Lehre bekommen.

          Wie stark ist CSR in die Lehre integriert?

          CSR steht für Corporate Social Responsibility und die Frage, mit welchen Strategien Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung am besten gerecht werden können. Der Ruf nach mehr CSR ist durch die Finanzkrise, aber auch durch Korruptionsaffären, Umweltvergehen und andere Unternehmensskandale lauter geworden. Die EU-Kommission hat daher im vergangenen Oktober eine „Strategie zur sozialen Verantwortung der Unternehmen“ beschlossen. Unternehmen sollen damit in ihren CSR-Aktivitäten intensiver unterstützt und das Thema Corporate Social Responsibility stärker in die Aus- und Weiterbildung integriert werden.

          Doch wie und wie stark ist CSR bis dato in die Lehre integriert? Und welchen Stellenwert sollte es haben? Wer sich dazu an deutschen Hochschulen umhört, muss feststellen: Offiziell wird das Thema gutgeheißen, inoffiziell gehen die Meinungen auseinander. „Das Problem ist, dass es immer noch Kollegen gibt, die das Thema für absolut überflüssig halten“, verrät ein Professor, der nicht mit seinem Namen zitiert werden möchte. Der Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HU, Ulrich Kamecke, verweigert sogar das Gespräch. Reinhard Pfriem von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg beklagt dagegen offen, die BWL in Deutschland hinke in Sachen CSR hinter anderen Ländern her. „Bei der Ökologie in den achtziger Jahren war das ähnlich“, sagt der Professor für Unternehmensführung und Betriebliche Umweltpolitik. „Da gab es bereits über Jahre Aktivitäten von Unternehmen und die Gründung von Instituten und Unternehmensvereinigungen in Sachen betrieblicher Umweltschutz, ehe sich die BWL in Deutschland überhaupt auf der professoralen Ebene dem Thema angenommen hat.“

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