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Contra Floskeln sind rhetorischer Sondermüll

13.08.2010 ·  Konversation nach dem Motto „Alles Roger in Kambodscha?“ und „Nein, Chaos in Laos!“ verstärken nur die Phänomene der Pseudolockerheit und eigener Gedankenarmut. Schabloniertes Sprechen ist der Feind jeder Schlagfertigkeit - und unglaublich peinlich.

Von Ursula Kals
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Nach dem Wochenende läuft die Phrasendreschmaschine wieder auf Hochtouren. „Montag ist Schontag“, dröhnt der Kollege zur Begrüßung, während der Angesprochene routiniert im Doppelpack mit „Bei der Arbeit“ und „Nicht motzen, klotzen!“ kontert. Tausendmal gehört. Stockt die Besprechung, fällt die gedankenfreie Allerweltsfloskel: „Das hier ist kein Mädchenpensionat!“ Abstimmung über das weitere Vorgehen. Einer nickt: „Okese“. Den Spruch klopft ausgerechnet derjenige, der emsig den ganzen Tag „Gummipunkte sammelt“, um seinen Ehrgeiz zu kaschieren. Gruselig ist die Mittagszeit. Denn die bietet ab elf (!) Uhr Anlass für ein herzhaft-dröhnendes „Mahlzeit!“. Beim ersten Gruß ist das noch nett, beim sechsten Mal nicht mehr. Das ist Freundlichkeitsterror und grenzt an Körperverletzung. In der Redundanz vermag ich kein verbindungsstiftendes Element zu sehen. Wiederholung ist die Mutter der Didaktik und niedlich beim plauderfrohen Zweijährigen oder Krankheitsbild beim Dementen. Zu viel ist zu viel.

Konversation nach dem Motto „Alles Roger in Kambodscha?“ und „Nein, Chaos in Laos!“ verstärken nur die Phänomene der Pseudolockerheit und eigener Gedankenarmut. Dumme Antworten auf dumme Fragen. Ich gebe zu: Als Rheinländerin mit unserem schwer erträglichen Hang zum Diminutiv der „-chens“ und „-leins“ bin ich vorbelastet. Deshalb mag ich spontane, treffsichere Sprüche. Doch schabloniertes Sprechen ist der Feind jeder Schlagfertigkeit. Anstatt witzig zu wirken, wird das Klischee ventiliert. Und jetzt mal zacki-zacki! Flocki-flocki? Für mich ist das rhetorischer Sondermüll. Warum um Himmels willen mailt ein intelligenter Mensch „Stimmung ist Bombe, aber molto stresso“? Der Verfasser ist Volkswirt und nicht auf den Kopf gefallen. Regelrecht zum Fremdschämen sind diejenigen, die krampfhaft auf Kumpel und Kegelschwester machen und den Aufzug frohgemut mit einem fetzigen „Hallööchen, Popöchen!“ betreten. Betreten ist auch meine Reaktion. Ich nehme nämlich kein „Popöchen“, sondern gestandene Verkaufsleiterinnen wahr, die ob der Begrüßung peinlich berührt gucken. Schamgrenzen scheinen bei vielen Freunden der Floskel ohnehin zu schwinden. Verabschiedungsformeln wie „Tschüssikowski“ oder Ankündigungen wie „Nach dem Käffchen muss ich mal für Königstiger“ braucht kein Mensch. Feierabend. Abgang - ohne Harndrang.

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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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