Schon Grundschüler hantieren mit Handys, elektronische Schulbücher sind im Kommen, auf Kurzstreckenflügen teilen Fluggesellschaften an ihre minderjährigen Gäste auch schon mal iPads als Spielgeräte aus, und einige Behörden haben jüngst das Ende der Papierakten besiegelt - angesichts dieses Siegeszugs der Technik in allen Lebensbereichen erscheint diese Nachricht fast grotesk: Die Nutzung von Computern am Arbeitsplatz stagniert in Deutschland, im europäischen Vergleich ist sie sogar zurückgefallen.
Dies geht aus einer Information des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hervor, die auf Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat basiert. 61 Prozent der in Deutschland Beschäftigten (bei Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern) erklärten 2011, an ihrem Arbeitsplatz einen Computer zu nutzen - die gleiche Anzahl waren es aber auch schon 2009 und 2007.
Deutsche Unternehmen hinken hinterher
Im europäischen Durchschnitt von 27 Ländern ist in dieser Zeitspanne die IT-Nutzung am Arbeitsplatz von 50 auf 53 Prozent angestiegen; beim Spitzenreiter Finnland etwa lag die Nutzung 2011 bei 72 Prozent. Durch die Stagnation ist Deutschland in Europa auf Rang sechs zurückgerutscht, weshalb der Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder warnt, man müsse diese Entwicklung „aufmerksam beobachten“. Dass deutsche Unternehmen in Sachen Internetaffinität ihren europäischen Konkurrenten hinterherhinken, geht auch aus einer weiteren Bitkom-Erhebung hervor: Bei der Frage nach dem Anteil der Unternehmen in einem Land, die einen Breitband-Internetzugang besitzen, lag Deutschland 2011 mit 88 Prozent nur auf Rang 13, Spitzenreiter war Spanien mit 96 Prozent.
Diese Zahlen wirken umso alarmierender, wenn man sie im Lichte einer Studie sieht, die das Institut der deutschen Wirtschaft gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom bereits im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Nach der repräsentativen Umfrage bei 2500 deutschen Unternehmen wächst die allgemeine Abhängigkeit der Wirtschaft vom Internet deutlich. Die Untersuchung zeigt an konkreten Beispielen, dass die Internetaffinität von Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein kann, auch in Bereichen, in denen man dies nicht unbedingt erwartet: So gibt es heute Bio-Bauern mit komplett internetbasiertem Geschäftsmodell, die sowohl beim Vertrieb ihrer Produkte als auch bei der Organisation und Durchführung des Anbaus von der neuen Informationstechnologie abhängig sind. Da die Studie zudem auch belegt, dass internetabhängige Unternehmen mehr höher qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen als solche Unternehmen mit Geschäftsmodellen ohne Internetabhängigkeit, könnte man im Umkehrschluss annehmen, dass die beschriebene Stagnation in Deutschland auch ein Anzeichen für den oft beklagten Fachkräftemangel ist.
Sosehr man für das Privatleben und die Freizeit die zunehmende Dominanz der neuen Medien beklagen kann, scheint es doch für die Arbeitswelt eine unumstößliche Gewissheit zu werden, dass es fast keinen Bereich mehr gibt, der nicht von Computern und deren Vernetzung profitiert. So heißt es denn auch in der besagten Studie: „Für die deutsche Wirtschaft ist das Web die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts: Es treibt die Konjunktur an und öffnet die Tür zu völlig neuen Geschäftsfeldern.“ Es sieht so aus, als ob man noch ein paar Kohlen nachlegen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren.
EgonOne
Egon Weissmann (EgonOne)
- 02.08.2012, 02:39 Uhr
Könnte es ganz einfach ein Sättigungseffekt sein?
Herbert Sax (H.Sax)
- 01.08.2012, 17:54 Uhr
Jede Dampfmaschine braucht Techniker...
Christian Heiligmann (c.heiligmann)
- 01.08.2012, 16:07 Uhr
Was korreliert womit?
Gilbert Mohr (CGNinDUS)
- 01.08.2012, 15:27 Uhr
