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Zweitstudium : Der Charme der zweiten Chance

  • -Aktualisiert am

Nach dem Abschluss zurück in den Hörsaal. Lohnt sich das? Bild: dpa

Immer mehr Studenten bewerben sich nach ihrem Abschluss um ein Zweitstudium. Die Verlängerung an der Uni bietet Chancen, hat aber Tücken - vor allem zu Beginn und am Ende.

          Diese Fragen stellen sich jedes Semester Zehntausende deutscher Studenten, die ihren Abschluss gemacht haben. Manche von ihnen haben bereits eine Stelle in Aussicht, andere bleiben an der Universität für ein weiterführendes Studium, um einen Master-Abschluss, einen Doktortitel oder Ähnliches zu erwerben. Für den Rest beginnt der Trip ins Ungewisse: Werde ich eine attraktive Stelle finden? Reichen meine Qualifikationen? Ist das, was ich studiert habe, auch wirklich das, was ich mein ganzes Leben beruflich machen möchte? Wer eine oder mehrere dieser Fragen mit Nein beantwortet, kommt mitunter auf die Idee, sich auf ein Zweitstudium zu bewerben. Aber der Schritt will gut überlegt sein.

          Ein Zweitstudium ist ein weiteres grundständiges Studium, das nicht auf einem vorherigen Studium aufbaut. Bewirbt man sich für ein Zweitstudium, gilt es, mehrere Hürden zu nehmen. Zunächst sollte man sich über die Kosten informieren, die auf einen zukommen können. Denn je nach Bundesland können teils erhebliche Zusatzkosten für ein Zweitstudium anfallen - mitunter aber auch gar keine. So zahlt man zum Beispiel an der Goethe-Universität in Frankfurt auch als Zweitstudierender nur den üblichen Semesterbeitrag. Eine günstige Möglichkeit der Verlängerung also. Nur ein paar Kilometer entfernt, an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, sind dagegen zusätzlich stattliche 650 Euro pro Semester fällig. Bildung ist Ländersache, und im Gegensatz zu Hessen erhebt Rheinland-Pfalz eine solche Gebühr für ein Zweit- oder Altersstudium.

          Der Unterschied verblüfft. Im Mainzer Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur empfindet man diese Kosten allerdings als gerechtfertigt: „Ein Zweitstudium an einer Hochschule anders zu behandeln als eine berufliche Aufstiegsfortbildung oder eine Fort- oder Weiterbildung bei einer Volkshochschule oder einem anderen Weiterbildungsträger, für die individuell zu finanzierende Gebühren selbstverständlich sind, wäre nicht zu rechtfertigen“, sagt der zuständige Minister Konrad Wolf.

          Trotz der beträchtlichen Kosten für ein Zweitstudium gibt es aber auch an der Johannes-Gutenberg-Universität mehr Bewerber als verfügbare Studienplätze. So sind 369 Bewerbungen auf ein Zweitstudium für das kommende Semester eingegangen. 109 von diesen Interessenten hatten mit der Bewerbung ihren Studienplatz sicher, denn sie haben sich für einen zulassungsfreien Studiengang entschieden und somit nur die Kostenhürde zu meistern. Für die restlichen 260 Bewerber aber ist der Weg nicht so einfach. Denn will man im Zweitstudium ein Fach studieren, das nicht zulassungsfrei ist, wartet ein komplexes Auswahlverfahren auf die Bewerber.

          Die vorherige Abschlussnote spielt keine Rolle

          Mit Hilfe eines Punktesystems müssen sie begründen, warum gerade sie einen Studienplatz bekommen sollten. Dabei spielen sowohl die vorherige Abschlussnote als auch die Gründe für ein weiteres Studium eine Rolle. Die besten Chancen auf einen Studienplatz haben jene Bewerber, die ein weiteres Studium zwingend benötigen - gerne genanntes Beispiel ist hier der Kieferchirurg, der nach einem abgeschlossenen Studium der Zahnmedizin noch ein Studium der Humanmedizin benötigt, um in seinem Wunschberuf arbeiten zu können. Da stellt sich gar nicht erst die Frage, welchen Sinn ein Zweitstudium ergibt. Ebenfalls sehr gute Chancen haben Bewerber, die wissenschaftliche Gründe für ihren Studienwunsch anführen können. Sollten die wenigen Plätze bis hierhin noch nicht vergeben sein, kommen Bewerber zum Zug, die ihre beruflichen Chancen durch ein weiteres Studium enorm verbessern können.

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