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Veröffentlicht: 02.09.2016, 14:08 Uhr

Zweitstudium Der Charme der zweiten Chance


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Wer sich dagegen neu orientieren möchte und keine zwingenden Gründe vorbringen kann, muss sich hinten anstellen. Denn nur zwischen zwei und vier Prozent der zulassungsbeschränkten Studienplätze an deutschen Universitäten werden an Zweitstudierende vergeben. Als Begründung für die geringe Anzahl an Plätzen wird in Informationsunterlagen der Hochschulen etwa „Rücksicht auf diejenigen, die noch keinen deutschen Studienabschluss besitzen“ angeführt. Im Schnitt sind es etwa ein bis drei Studienplätze pro Fach, die an Bewerber für ein Zweitstudium vergeben werden. An der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zum Beispiel wurden für das kommende Semester 77 Zulassungsbescheide für jene Fächer verschickt.

Infografik / Die beliebtesten Studiengänge für ein Zweitstudium © F.A.Z. Vergrößern

Trotz dieser erschwerten Aufnahmebedingungen bewerben sich jedes Semester Tausende in Deutschland auf ein Zweitstudium. Und seit Jahren steigen die Zahlen deutlich. Waren es laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2010/2011 noch 71 898 Studenten, so studierten im Wintersemester 2014/2015 bereits gut 124 000 Studenten ein zweites Fach. Und auch im bevorstehenden Semester ist wieder mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Die Entwicklung wird von einigen besonders nachgefragten Fächern getrieben.

Aktuell im Trend liegen die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Neben dem Forschungsaspekt zeigt hier auch die Mahnung aus Politik und Industrie Wirkung, den Fachkräftemangel auf diesem Feld nicht aus den Augen zu verlieren. Und tatsächlich scheint die Entscheidung, ein Zweitstudium in diesen Fächern zu belegen, durch den Markt bestätigt zu werden. „Grundsätzlich sind die Arbeitsmarktaussichten für MINT-Fachkräfte nach wie vor sehr gut und die Arbeitslosigkeit in diesem Segment vergleichsweise niedrig“, sagt Susanne Lindner von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg über die Perspektive für kommende Absolventen.

Beliebte Wirtschaftswissenschaften

Ebenfalls sehr beliebt ist ein Zweitstudium im Fach Wirtschaftswissenschaften. Die Kombination zwischen einem möglicherweise geisteswissenschaftlichem Erststudium und einem Wirtschaftsstudium eröffnet vielen Studenten die Perspektive, als Experten Nischen in der Wirtschaft zu besetzen. Auch der Ruf nach Erziehern scheint Gehör zu finden. Unter den derzeit am stärksten vertretenen Studienfächern finden sich auch die Erziehungswissenschaften wieder. Gewissermaßen auf Augenhöhe liegt beim Thema Zweitstudium auch das Lehramt. Auch wenn sich die Arbeitsmarktsituation aufgrund befristeter Verträge und begrenzter Kapazitäten nicht wesentlich verbessert hat, scheint es für viele immer noch ein Traumberuf zu sein. Auch die Bewerbungen an der Mainzer Universität belegen, dass viele Studenten im Zweitstudium auf Lehramt studieren oder weitere Lehramtsfächer hinzuwählen. Die Hoffnungen sind groß, mit dem Belegen von Mangelfächern und einer größeren Auswahl auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Manchmal spielt aber auch einfach Zeitgewinn eine Rolle. Die 26 Jahre alte Sandra Stelzenmüller zum Beispiel studiert in Frankfurt im Zweitfach Informatik auf Bachelor und sagt: „Ich habe Politik und Philosophie auf Lehramt studiert, aber die Wartezeit auf ein Referendariat beträgt mehrere Semester. Die Zeit wollte ich nicht ungenutzt lassen. Da mich Informatik auch immer interessiert hat, nutze ich jetzt die Gelegenheit.“

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Ob Notwendigkeit, kompletter Neuanfang oder Überbrückung - jede Menge Lebensläufe finden sich im Zweitstudium wieder. Für die meisten Kandidaten dürfte gelten: Der Schritt sollte gut überlegt sein. Denn nicht nur bei der Bewerbung werden Motivation und Beweggründe abgefragt. Auch nach dem erfolgreichen Abschluss müssen sich Absolventen auf genaues Nachhaken in Personalabteilungen einstellen. „Bei einem Zweitstudium besteht immer die Problematik, dass das Einstiegsdatum in den Beruf nach hinten rückt. Bei Firmen ist das nicht gerne gesehen“, sagt Karin Schambach von Indigo Headhunters. Sie findet: Ein Studium neben der Arbeit ist die bessere Alternative.

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