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Wohnungsnot von Studenten : Semesterstart auf der Matratze

Bild: Cyprian Koscielniak

Für Anna-Lena Heblich, Thi Ha Nguyen und viele weitere Studenten hat das Semester unter erschwerten Bedingungen begonnen. Wegen des knappen Wohnungsangebots in den Studentenhochburgen haben sie noch keine Wohnung gefunden. Reportage aus einer studentischen Notunterkunft.

          Auf dem Sandplatz zwischen den grau-beigen Bauten der Studentensiedlung ist ein Beachvolleyballspiel im Gange. Mit freiem Oberkörper pritschen und baggern vier junge Männer den Ball Richtung Sand, Sonne oder ins Netz. Auf den verkehrsberuhigten Wegen der Anlage schlendern Studentengrüppchen auf und ab, manche tragen kurze Hosen. Es ist Ende Oktober, aber hier in Freiburg ist es, wie so oft, ein paar Grad wärmer als anderswo in Deutschland. Im Keller des Gebäudes 60 der Studentensiedlung kommen die Sonnenstrahlen nicht bis in den Gemeinschaftsraum. Dort sitzt die 24 Jahre alte Anna-Lena Heblich in Wollpulli und Schal und bei künstlichem Licht am Tisch vor der Teeküche. Die erste Woche ihres Masterstudiums in Sozialpädagogik hat sie in diesem Keller verbracht, auf einer Matratze, neben vielen weiteren Matratzen mit etwa 30 weiteren Bachelor- und Master-Erstsemestern. Sie alle haben eines gemeinsam: keine Wohnung.

          Das Freiburger Studentenwerk stellt deshalb eine Notunterkunft bereit; irgendwo müssten die jungen Menschen ja bleiben, die mit Koffern bepackt vor den Türen des ausgebuchten Studentenwohnheims auflaufen, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Renate Heyberger. Zwar sind manche Studienanfänger für ihren Geschmack etwas zu nachlässig mit der Wohnungssuche oder „die Ansprüche zu hoch“. Die Tür vor der Nase zumachen will sie ihnen trotzdem nicht. Schließlich hat das Semester schon angefangen. Wer jetzt noch keine Wohnung hat, kann übergangsweise für acht Euro je Nacht im Keller eines Gebäudes schlafen, das eigentlich der Unterbringung von Gastwissenschaftlern dient. Es gibt einen Schlafraum für die Jungs und einen für die Mädels, eine Teeküche, vier Toiletten, eine Dusche. „Die ist dann eben schnell schmutzig, wenn da jeder jeden Tag duscht“, sagt Heblich und zieht die Nase kraus. Die Küche sei auch nicht gerade üppig ausgestattet, für alle zusammen gebe es nur einen einzigen Kochtopf. „Wir ernähren uns hier hauptsächlich von Fünf-Minuten-Terrine und Tiefkühlpizza.“

          Studenten in Wohnungsnot : „Soll ich abbrechen?“

          Freiburg ist nicht die einzige Stadt, in der wohnungslose Studienanfänger in einer Notunterkunft Unterschlupf suchen. In elf Studentenstädten gibt es solche Einrichtungen, berichtet das Deutsche Studentenwerk; Fitnessstudios, Turnhallen oder Gemeinschaftsräume wurden dafür kurzerhand mit Matratzen oder Feldbetten ausgestattet und für 4 bis 8 Euro je Nacht vermietet. Zwar gibt es mancherorts schon seit Jahren solcherlei Übergangs-Schlafplätze, doch melden viele in diesem wie auch schon im vergangenen Wintersemester steigende Nutzerzahlen. Doppelte Abiturjahrgänge und der Wegfall der Wehrpflicht sorgen dafür, dass mehr Erstsemester an die Hochschulen strömen; nach Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz beginnen im laufenden Wintersemester rund 472 300 junge Menschen ein Studium. Gleichzeitig steigen die Mieten in Deutschland und machen die Lage für die wohnungssuchenden Studienanfänger angespannt wie selten.

          “Viele tausend Studierende“ seien noch ohne ordentliche Wohnung, schätzt der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS); genaue Zahlen hat niemand. „Wie will man wissen, wie viele Leute noch bei Freunden und Verwandten auf dem Sofa schlafen?“, fragt Katharina Mahrt, die im Vorstand des FZS für Sozialpolitik zuständig ist. Genaue Zahlen gibt es allerdings zu den Mietsteigerungen in den Studentenstädten. Der aktuelle Immobilienbericht der Bundesregierung zeigt, dass von 2010 auf 2011 die Preise für neu vermietete Wohnungen kräftig anzogen. Die Zahlen sprechen für sich. Greifswald: 10,4 Prozent. Bremen: 8,5 Prozent, Freiburg: 7,9 Prozent, das sind die Orte, in denen es derzeit am schlimmsten aussieht. 2,9 Prozent betrug die durchschnittliche Mietpreissteigerung für Wohnungen in ganz Deutschland, berichtet das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Universitätsstädte fielen dabei durch besonders hohe Ausschläge auf. Betrachtet man mehrere Jahre, lesen sich die Zahlen noch drastischer; in Hamburg etwa kletterten die Mieten zwischen 2007 und 2011 um satte 23,6 Prozent. „Studenten sind zum Teil unfreiwillig Mitverursacher dieser Preissteigerungen, durch ihre hohe Nachfrage können Vermieter mehr Geld nehmen“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. „Die Mieten steigen aber auch unabhängig davon; Studierende sind dann eines der schwächeren Glieder in der Kette, da sie sich wenig leisten können.“

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