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„Wöhe“ unter Beschuss : Streit um BWL-Bücher

BWL büffeln. Besser mit oder ohne „Wöhe“? Bild: dpa

Dass die meisten BWL-Studenten hierzulande das Fach nur der Karriere wegen wählen, kann man auch positiv sehen: Das Fach legt eine breite Basis. Doch nun gibt es einen heftigen Streit über das Standardwerk, das im Studium häufig genutzt wird.

          Man kann ein wenig fremden Glanz auf sich lenken, wenn man an einem Denkmal kratzt. Das hoffte wohl auch der Autor Axel Gloger, als er beschloss, sich in seinem jüngsten Buch „Betriebswirtschaftsleere. Wem nützt BWL noch?“ (Frankfurter Allgemeine Buch, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Frankfurt, Zürich 2016, 200 Seiten, 19,90 Euro) an „dem Wöhe“ abzuarbeiten. Er hat das Glück genutzt, dass in diesem Herbst zeitgleich zu seinem Buch auch der Klassiker des Faches, Günter Wöhe und Ulrich Dörings „Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ (Verlag Franz Vahlen, 990 Seiten, 32,50 Euro) erscheint, in seiner 26. Auflage. Der Wöhe ist nicht die einzige Einführung, die zum wiederholten Male versucht, einen Überblick über das gesicherte Wissen der BWL zu geben. Allein in diesem Herbst kommen auch die „Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre“ (De Gruyter Oldenburg, 1000 Seiten, 29,90 Euro) der Autoren Henner Schierenbeck und Claudia Wöhle in 19. Auflage und die „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“ (Kiehl Verlag, 684 Seiten, 28,90 Euro) von Klaus Olfert und Horst-Joachim Rahn in ihrer 11. Auflage heraus sowie eine „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ von Jean-Paul Thommen und Ann-Kristin Achleitner (Springer Gabler, 1000 Seiten, 39,95 Euro) in 8. Auflage. Aber keines dieser Konkurrenzprodukte konnte bisher die führende Stellung des Wöhe ernsthaft in Frage stellen. Der Verlag Vahlen, heute eine Tochtergesellschaft des C.H. Beck Verlags, nimmt für ihn in Anspruch, bei den Einführungen in die Allgemeine BWL einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent zu haben. Alle anderen Bücher teilen sich das restliche Drittel.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Der Wöhe erscheint seit 1961 gut alle zwei Jahre in einer neuen, aktualisierten Auflage, und er wird inzwischen von der dritten Wissenschaftlergeneration herausgegeben. Der Altmeister Günter Wöhe (Universität Saarbrücken) ist 2007 gestorben. Nachdem das Werk viele Jahre von seinem Schüler Ulrich Döring (Universität Lüneburg) betreut wurde, geht es jetzt auf Gerrit Brösel von der Fernuniversität Hagen über. Der Wöhe eignet sich aber nicht nur wegen seines Erfolgs - mit einer Gesamtauflage von weit mehr als einer Million Exemplaren - als ideale Projektionsfläche für Kritik am Fach, sondern auch wegen seines Inhalts. Der Wöhe weiß sich von Anfang an der „wirtschaftstheoretisch fundierten Betriebswirtschaftslehre“ verpflichtet, die der jüngeren, verhaltenswissenschaftlich orientierten Ausrichtung des Fachs skeptisch gegenübersteht. Effizienz und Gewinn sind ganz zentrale Begriffe des Wöhe-Modells der Betriebswirtschaft.

          Genau das macht Axel Gloger den Wöhe-Anhängern zum Vorwurf. Gloger verdammt darüber hinaus die gesamte Betriebswirtschaftslehre, wie sie derzeit gelehrt wird, in Grund und Boden. Die alleinige Gewinnorientierung wirke in der Realität wie ein Brandbeschleuniger der menschlichen Gier, die BWL-isierung des gesamten Managements führe zu unmenschlichen Zuständen. Es werde nur noch Erfolgskennziffern hinterhergelaufen. Die BWL orientiere sich an einigen börsennotierten Großunternehmen, selbständige Unternehmer kämen in der BWL gar nicht vor - im Gegensatz zur Praxis. Die heute an den Hochschulen gelehrte BWL sei eine von Menschen losgelöste abstrakte Wissenschaft, deren Studium sich vor allem im Auswendiglernen von Strichaufzählungen ergehe.

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