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„Wöhe“ unter Beschuss : Streit um BWL-Bücher

Auch die allerorten beklagte Investitionsschwäche steht in offensichtlichem Widerspruch zur beobachteten Realität. Aber auch darüber diskutiert die BWL wenig. Die Betriebswirtschaftslehre muss sich mehr mit den Themen beschäftigen, welche die Praxis umtreiben. Da hat Gloger recht. Dass es längst entschieden ist, dass die BWL in Zukunft mit weniger Glanz und Strahlkraft nur noch ein Nischendasein fristen wird, erscheint ein voreiliges Fazit. Zu Zeiten des Umbruchs wie den gegenwärtigen gehören auch Unsicherheiten und Wissen mit kurzer Halbwertzeit. Wenn nicht alles täuscht, werden gerade in solchen Zeiten wieder Bücher wichtiger, die einen Überblick verschaffen. Denn die digitale Vernetzung betrifft alle Unternehmensbereiche und zerstört auch klassische Ressorteinteilungen. Damit kommt auf die Autoren Allgemeiner Betriebswirtschaftslehren in den kommenden Jahren viel Arbeit zu.

Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß, wie Esch in seinem Erfahrungsbuch ausführt. „Menschen wie Marken sind einem ständigen Anpassungsprozess unterworfen“, schreibt er. Ob die Hierarchien im Zuge der digitalen Vernetzung ganz zerfallen, ist auch ungewiss. Dass Führung neu gedacht werden muss, wie Hermann Arnold in seinem Buch „Wir sind Chef. Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen verändert“ (Haufe Verlag, 335 Seiten, 24,95 Euro) wissen lässt, ist bestimmt richtig. Er möchte Führung nicht allein bei wenigen belassen, sondern in Zeiten der Sharing-Ökonomie auch die Führung unter vielen Menschen teilen. Ein endgültiges Konzept, das die hierarchische Unternehmensstruktur ablösen könnte, ist offenbar noch nicht gefunden. Wissenschaft und Praxis sind im Versuchsstadium. Nach Glogers Ansicht arbeiten sie aber zu wenig Hand in Hand, und die akademische Lehre biete zu wenig Anhaltspunkte zur Lösung aktueller Probleme der Praxis. In der kommenden Woche treffen sich Akademiker und Praktiker zum 70. Deutschen Betriebswirtschafter-Tag. Das Thema: Digitalisierung, Vernetzung und disruptive Geschäftsmodelle. Vielleicht sind Wissenschaft und Praxis doch enger beieinander, als ihre Kritiker glauben.

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