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„Wöhe“ unter Beschuss : Streit um BWL-Bücher

In abgeschwächter Form gilt das Lob der guten Lesbarkeit und der ansprechenden Gestaltung auch für die Neuerscheinung „d.quarks. Der Weg zum digitalen Unternehmen“ (Murmann-Verlag, 200 Seiten, 39,90 Euro) von Carsten Hentrich und Michael Pachmajer. Die digitale Vernetzung unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ ist kein Thema für Nischen-BWLer, sondern hat Auswirkungen auf alle betriebswirtschaftlichen Bereiche, umfasst Produktion und Personalwirtschaft, aber auch Einkauf, Vertrieb und das gesamte Management. Da ist der gesamtheitliche Blick wieder gefragt - die Allgemeine BWL. Die beiden Unternehmensberater der Beratungsgesellschaft PWC Carsten Hentrich und Michael Pachmajer beschreiben an eigenen Beratungsfällen sehr anschaulich, zu welchen Änderungen es in den Unternehmen derzeit kommt. Vor allem aber beschreiben sie auch die Widerstände gegen notwendige Veränderungen und wie sie selbst diese bei ihren Mandanten überwunden haben. Es gelingt ihnen immer wieder, ihre Erkenntnisse kurz und knapp zusammenzufassen. Vieles ist nicht neu („Digitale Transformation ist Chefsache“, „Das Ideal ist nicht mehr Perfektion, sondern Geschwindigkeit“, „Vorsprung durch Technik wird ersetzt durch Vorsprung durch Kundennähe“, „Die IT wird von einer zuliefernden Fachabteilung zum strategischen Faktor“), gerät aber dennoch immer wieder leicht in Vergessenheit. Sowohl Hentrich und Pachmajer als auch Esch in seinem Markenbuch betonen die Bedeutung der Unternehmerpersönlichkeit, die in der Allgemeinen BWL ziemlich abstrakt als dispositiver Faktor daherkommt. Ihre interessanten Ausführungen haben die Autoren leider hinter einer etwas sperrigen Einführung versteckt. Immerhin hat der dort beschriebene Besuch des Kernforschungszentrums Cern zum Buchtitel geführt. Die Einführung kann man sich ersparen; nach der Seite 30 wird das Buch interessant und hilfreich.

Dass es sich auch lohnen kann, sich trockenen Grundlagenstoffen noch einmal zu widmen, zeigt Jan Schäfer-Kunz von der Hochschule Esslingen. Sein Buch „Buchführung und Jahresabschluss“ (Schäffer-Poeschel, 620 Seiten, 35 Euro) ist in 2. Auflage erschienen und zeigt, dass man auch ein so altes Thema leserfreundlich aufbereiten kann. Das Buch eignet sich für Studenten und Berufseinsteiger.

Sich mehr mit den Themen beschäftigen, die die Praxis umtreiben

Leider steht bei vielen anderen Büchern offenbar die Lesefreundlichkeit nicht an oberster Stelle. Hohe Erwartungen weckt das Buch „Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe. Betriebswirtschaftliche, technische und rechtliche Herausforderungen“ (Springer Gabler, 320 Seiten, 50 Euro). Robert Obermaier von der Universität Passau hat hier als Herausgeber Tagungsbeiträge in ein Buch gegossen. Da wechseln sich naturgemäß schöne Praktikerbeiträge von August-Wilhelm Scheer oder Johann Hofmann (Maschinenfabrik Reinhausen) mit etwas trockenen wissenschaftlichen Beiträgen ab. Drei Autoren der Hochschulen Cottbus-Senftenberg und Klagenfurt beschreiben ein Modell der systemweiten Effizienz eines Produktionsbetriebes anhand eines Simulationsmodells. Dass man sich in der Praxis vom Kleinbetrieb bis hin zu den wirtschaftswissenschaftlichen Prognoseinstituten fragt, warum trotz Einführung der digitalen Vernetzung die Produktivität nicht steigt, geht an solchen Spezialisten dann vorbei. Der Einfluss der Industrie 4.0 auf die Produktivität wäre einmal ein interessierender Untersuchungsgegenstand.

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